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StartseiteKommentare und Themen der WocheAchterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang25.09.2021

Bundestagswahl 2021Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang

Fehlende Bindungskräfte in der Gesellschaft machen es Parteien immer schwerer, Wähler mitzunehmen, kommentiert Peter Stefan Herbst. Deutlich wird dies am Auf und Ab bei den Sonntagsfragen - eine politische Achterbahnfahrt, die mit komplizierten Koalitionsverhandlungen nach der Wahl weitergehen dürfte.

Ein Kommentar von Peter Stefan Herbst (Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung)

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Ein Auto fährt an großen Wahlplakaten mit den Spitzenkandidaten Olaf Scholz (SPD, l.), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) vorbei (dpa/Arne Dedert)
Der Bundestagswahlkampf war für die Parteien und ihre Kanzlerkandidatinnen eine Achterbahnfahrt (dpa/Arne Dedert)
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Fehlende Bindungskräfte in der Gesellschaft

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gibt es mit Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz auch drei aussichtsreiche Kandidaten, von deren Parteien jede in den Monaten vor der Wahl in Umfragen schon mal vorne lag. Dies ist ganz anders als bei Guido Westerwelle, dessen Kanzlerkandidatur 2002 nur ein Marketing-Gag der FDP war. Zu keinem Zeitpunkt des damaligen Wahlkampfes hatte er den Hauch einer Chance auf das Kanzleramt. Die FDP lag am Ende fast 30 Prozent hinter den damals noch starken Volksparteien SPD und CDU/CSU.

Der Reichstag spiegelt sich am 07.02.2016 in Berlin am frühen Abend bei der Langzeitbelichtung im Wasser der Spree. (picture alliance / dpa | Paul Zinken) (picture alliance / dpa | Paul Zinken)Bundestagswahl 2021 - Wahlprogramme und Kandidaten 
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Wie stark sich die Parteienlandschaft in Deutschland seither verändert hat, zeigt auch die Achterbahnfahrt der Kandidaten und der Werte bei den Sonntagsfragen in diesem Jahr. Das Tempo hat deutlich zugenommen, Auf und Ab wechseln schneller - und das Risiko, aus der Bahn zu fliegen, steigt. Die fehlenden Bindungskräfte in der Gesellschaft erschwert es, Wähler mitzunehmen.

Das drückt sich etwa durch die immer weiter wachsende Zahl der Wechselwähler aus. Noch nie gab es so viele wie heute. Die Stammwählerschaft - vor allem von Union und SPD - hat sich hingegen dramatisch reduziert. Nach deutlichen Rückgängen bei der Mitgliederzahl wurde es auch immer schwerer, Wähler langfristig zu binden. Mit beiden Entwicklungen stehen die Parteien nicht alleine da. Auch andere wichtige Säulen der Republik - wie Kirchen und Gewerkschaften - müssen Mitgliederschwund verkraften. Auch hier lässt die Bindungskraft erkennbar nach.

Wahlprognosen werden immer schwieriger

Die klassischen Wähler-Milieus haben in einer sich wandelnden Gesellschaft, die immer stärker von einer Individualisierung der Interessen bei gleichzeitig geringerem Organisationsgrad geprägt ist, keine große Bedeutung mehr. Rückschlüsse auf eine lang- oder auch nur mittelfristige Parteipräferenz sind für viele Bevölkerungsgruppen nicht mehr möglich.

Steigender Anteil von Nichtwählern

Bei der Bundestagswahl 2017 gab es fast 15 Millionen Wahlberechtigte, die nicht gewählt haben. Es waren mehr Nicht-Wähler als Zweitstimmen für die CDU. Ein solches Verhältnis ist kein gutes Signal. Müssten für die Nichtwähler im Verhältnis Sitze im Bundestag unbesetzt bleiben, könnten die leeren Stühle diesmal theoretisch die stärkste Fraktion stellen - kein schönes Bild.

Auch deshalb sind die Parteien gut beraten, bis zum Schluss um jede Stimme zu werben. Da schon so viele wie nie per Briefwahl abgestimmt haben, geht es jetzt vor allem um die, die sich noch nicht entschieden haben. Jede Stimme hat großes Gewicht, vor allem wenn es eng wird.

Koalitionsoptionen: Zweierbündnis unwahrscheinlich

Vieles scheint möglich, nur wenig völlig ausgeschlossen. Dies gilt vor allem für die Koalitionsoptionen, die sich aus dem Wahlergebnis ergeben dürften. Noch nie war es unwahrscheinlicher, dass es zu einer Regierung aus zwei Parteien kommt. Für einfache Wunschkoalitionen wie Rot-Grün oder Schwarz-Gelb dürfte es nicht reichen. Eine Fortsetzung der großen Koalition unabhängig, wer an der Spitze steht, ist in Union, in SPD und bei vielen Wählern kaum vermittelbar.

Die Farben Schwarz und Gelb liegen in einem Malkasten zusammen zwischen den Farben Rot und Grün  (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand) (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand)Bundestagswahl 2021 - Welche Koalitionen sind denkbar? 
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Somit dürfte wahrscheinlich viel über die komplizierteren Dreier-Bündnisse, die rechnerisch möglich und im Vorfeld nicht ausgeschlossen wurden, diskutiert und verhandelt werden. Diese politische Achterbahnfahrt ist allerdings auch nach Auszählung der Stimmen am Wahlabend noch nicht beendet.

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