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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Kanzlermacher von FDP und Grünen können vorlegen26.09.2021

Bundestagswahl 2021Die Kanzlermacher von FDP und Grünen können vorlegen

Bislang ging die Initiative für Koalitionsverhandlungen von der Partei der Wahlsieger aus. Jetzt werden neue Formate sichtbar, kommentiert Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. FDP und Grüne könnten sich zunächst untereinander besprechen und erst dann kämen die potenziellen Kanzler dazu.

Ein Kommentar von Birgit Wentzien

Christian Lindner (FDP) und Annalena Baerbock (Grüne) (Deutschlandradio / Bild: imago images/Stefan M Prager/Jürgen Heinrich)
Die neuen Kanzlermacher? Christian Lindner (FDP) und Annalena Baerbock (Grüne) (Deutschlandradio / Bild: imago images/Stefan M Prager/Jürgen Heinrich)

Willkommen in der bunten Bundesrepublik Deutschland! Es reicht nur noch zu dritt. Das ist neu im Bund und gilt schon längstens in den Bundesländern. Und nach der Wahl ist vor den Sondierungen und Verhandlungen. Erste Formate dafür werden sichtbar und auch das ist neu: Die Kanzlermacher können vorlegen. FDP und Bündnisgrüne könnten untereinander sichten, was denn doch gemeinsam geht. Und danach kämen zu den Machern die potenziellen Kanzler dazu. Und wer diese Kanzler sind oder besser werden, steht ganz und gar dahin.


Das Wichtigste zur Bundestagswahl 2021


Hält sich Armin Laschet, der Verlierer der Wahl, nach den historisch größten Verlusten der Union? Ja, mehr noch: Rettet sich Armin Laschet quasi ins Kanzleramt? Laschets Alternative lautet: Kanzleramt oder nichts. Eine Rückfahrkarte nach Nordrhein-Westfalen gibt es nicht für ihn. Und: Kann Olaf Scholz nach seiner beispiellosen Aufholjagd weiterhin mit der so bemerkenswerten Geschlossenheit seiner Partei rechnen? Es ist sein Erfolg, den er erntet. Scholz genügte der SPD als Parteivorsitzender nicht. Scholz war als Kanzlerkandidat der Beste, weil er der Einzige war.

Merkels Erben haben's vermasselt

Bevor indes die hoffentlich zügigen und konzisen Sondierungen beginnen, halten wir kurz inne und erinnern an die Frau, von der im Zeitraffer dieser Stunden noch gar nicht die Rede war. Angela Merkel. Die Union muss laufen lernen ohne Merkel. Alle Welt hatte sich darauf vorbereitet, dass Merkel geht. Nur die Union hat diese seit 2018 bekannte Personalie irgendwie verdrängt. Schier machtvergessen, als wäre das Ringen um demokratische Mehrheiten ein Erbhof, haben’s die Erben vermasselt. Ja, mehr noch: Die Union hat’s mit einer Gleichgültigkeit und in wahrer Hybris willentlich und wissentlich ignoriert.

Und Merkel selbst? Hätte sie ordnen und sichten können, was nach ihr kommt? Sie hat es versucht und ist selbst gescheitert. Mit Merkels Kanzlerschaft nach 16 Jahren endet so etwas wie die Kanzlerinnen-Demokratie. Wie zügig über eine Regierungschefin ob der neuen Lage quasi hinweg gegangen wird, macht frösteln.

Und ein Blick ins Archiv lässt erahnen, um zu ermessen, was gerade geschieht. Angela Merkel hinterlässt ein Vermächtnis nüchterner Führung, in der sie für demokratische Werte stand. In einer Welt drumherum, in der Führer anderer Nationen alles andere als nüchtern und demokratisch agieren. Daran zu erinnern in diesem Moment bunter bundesrepublikanischer Unübersichtlichkeit, gebietet der Anstand und muss einfach sein.

Birgit Wentzien, Deutschlandfunk – ChefredakteurinBirgit WentzienBirgit Wentzien wurde 1959 in Hamburg geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München sowie ein Studium der Kommunikationswissenschaften und Politologie an der dortigen Ludwig-Maximilians-Universität. Es folgte 1985 bis 1986 ein Volontariat beim SDR in Stuttgart, wo sie bis 1992 als Redakteurin, Moderatorin und Autorin im Bereich Politik tätig war. 1993 ging sie als Korrespondentin nach Berlin, wo sie ab 1999 als stellvertretende Leiterin, ab 2004 als Leiterin des SWR-Studios Berlin amtierte. Seit 1. Mai 2012 ist Birgit Wentzien Chefredakteurin des Deutschlandfunk.

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