Donnerstag, 22.04.2021
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKultur heuteEingebrochener Kinoumsatz, stockende Novemberhilfen28.02.2021

Bundesweiter Aktionstag KinoEingebrochener Kinoumsatz, stockende Novemberhilfen

Einen Tag vor Beginn der Berlinale findet am 28. Februar ein bundesweiter Aktionstag zur Lage der Kinos in der Corona-Pandemie statt. Der Lockdown sei für die Kinos wirtschaftlich eine Katastrophe, sagte Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino, im Dlf. Kinobetreiber seien für eine sichere Öffnung bereit.

Christian Bräuer im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Delphi-Kino in Stuttgart hat wegen der erneuten pandemiebedingten Schließung eine sarkastische Filmankündigung platziert: The Virus Strikes Back, Part Two. One of the worst movies ever made (imago-images / Arnulf Hettrich )
Kino und Kultur leiden unter der Corona-Pandemie besonders (imago-images / Arnulf Hettrich )
Mehr zum Thema

ControlCOVID-Strategie des RKI Wie können Öffnungen verantwortlich gelingen?

Debatte um Öffnungen Hamburgs Kultursenator: Recht auf Kunstfreiheit höher zu bewerten als Gewerbefreiheit

Unterhaltung unter Corona Das Glück der TV-Produzenten

Rückblick auf das Kulturjahr 2020 Alles nur Corona?

Europäische Filmbranche "Corona ist wie der Borkenkäfer für den filmischen Mittelstand"

Berlinale 2021 Die Pandemie kriecht in den Kopf

Festivalchefin zur Berlinale 2021 "Im Sommer erwarte ich sehr viel Festivalatmosphäre"

Berlinale stellt Programm vor Ein sehr solider Jahrgang – trotz Corona

Am 1. März 2021 beginnt die Berlinale, die coronabedingt nur als virtuelles Filmfestival stattfinden kann. Normalerweise sitzen Journalisten, Filmschaffende und Kinofans hier dicht an dicht. Aber was für die Berlinale gilt, ist seit Monaten auch bittere Realität für die Kinos: Die Filmsäle müssen geschlossen bleiben.

Der Platz vor dem Berlinale Palast mit Berlinale-Emblem am Potsdamer Platz. (dpa / picture alliance) (dpa / picture alliance)Berlinale 2021 - Endlich weg vom Februar 
Ein Treffen der internationalen Filmbranche ist wegen der Corona-Pandemie undenkbar. Die Berlinale 2021 wird aufgeteilt: Die Filmprofis treffen sich im März im Netz, das Publikum geht im Sommer hoffentlich ins Kino. Das kann auch eine Chance sein.

Weil das für viele Häuser existenzbedrohend ist, soll ein bundesweiter Aktionstag auf die Lage der Kinos und der Branche aufmerksam machen - unter dem Motto: "Kino leuchtet. Für dich." Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater, betonte, die Kinobetreiber wären bereit für eine sichere Öffnung.

Umsätze sind eingebrochen

2020 haben die Kinos 69 Prozent weniger Einnahmen erzielt als im Jahr zuvor. Wirtschaftlich sei das katastropahl, so Bräuer, "und wenn man die ganzen Filmschaffenden dahinter sieht, die warten, dass ihre Filme auf die große Leinwand kommen, dann ist da natürlich auch unser Herz in Not."

Entwicklung des Kinoumsatzes in Deutschland 2002 bis 2020

Entwicklung des Kinoumsatzes in Deutschland in den Jahren 2002 bis 2020: Laut der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden wegen der geschlossenen Kinos nur rund 318 Millionen Euro erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr stellt das einen Rückgang um mehr als 700 Millionen Euro dar.  (Statista)Laut der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden wegen der geschlossenen Kinos 2020 nur rund 318 Millionen Euro erwirtschaftet. (Statista)

Jeder einzelne Gutschein, den Kinofreunde in den vergangenen 12 Monaten gekauft hätten, habe geholfen, die Kinos seien dankbar für diese Unterstützung, das wirke "wie zinslose Darlehen". Vielfach seien die Novemberhilfen nämlich noch nicht bei den Betreibern angekommen.

Hygienekonzepte sind vorhanden

Sollten Öffnungen bald beschlossen werden, dann stünden die Kinos mit Hygienekonzepten bereit, versichtert Christian Bräuer. Die Aerosol-Belastung sei zudem mit Belüftungsanlagen in der Kinos sehr gering, das zeigten mittlerweile mehrere Studien. "Das ist eine wichtige Basis, dass man die Kinos, wie Museen auch, sehr schnell wieder öffnen kann, wenn es die Lage hergibt." Er wünsche sich eine Gesamtstrategie in der Pandemiebekämpfung, so Bräuer, "nicht nur Lockdown, sondern auch: Impfen, Schnelltests, Kontaktverfolgung und Hygienekonzepte zusammenbringen."

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Institut (RKI)  (dpa/ picture alliance/ Michael Kappeler) (dpa/ picture alliance/ Michael Kappeler)Wie können Öffnungen verantwortlich gelingen? 
Der Druck vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen ist hoch, die Forderungen nach einem Plan für mögliche Corona-Lockerungen mehren sich. Das Robert Koch-Institut hat dazu einen Vier-Stufen-Plan entworfen. Die Bundesregierung will einen ähnlichen Entwurf vorstellen.

Zuhause klickt man schneller weg

Kino sei ein wichtiger Bestandteil der Kultur auch abseits des Mainstream, deswegen bedaure er auch, dass die Berlinale ab dem 1. März 2021 nur virtuell stattfinden könne. "Viele Filme, gerade die, die es bei Filmfestivals zu sehen gibt, die findet man gar nicht auf Plattformen. Oftmals landen die da überhaut nicht. Ich glaube, im Kino lässt man sich ganz anders ein." Zuhause auf der Couch würde man viel schneller wegklicken. "Im Kino hat man ein ganz wunderbares Erlebnis."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk