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StartseiteInformationen am MorgenLandwirte wollen mit Verbrauchern sprechen26.04.2017

Bundesweiter Aktionstag zur LandwirtschaftLandwirte wollen mit Verbrauchern sprechen

Der Deutsche Bauernverband veranstaltet heute einen bundesweiten Aktionstag. In rund 60 Städten kommen Landwirte in die Innenstädte und wollen mit Verbrauchern ins Gespräch kommen.

Von Jessica Sturmberg

Grasende Kühe stehen in Brandenburg auf einer Weide. (imago/Lars Reimann)
Viele Verbraucher wünschen sich Produkte von glücklichen Tieren - wollen aber nicht viel dafür bezahlen (imago/Lars Reimann)

Worum geht es bei diesem Aktionstag?

Die Landwirtschaft hat gerade nicht das beste Image mit den Diskussionen über Massentierhaltung, den "Tierfabriken", dem Einsatz von Antibiotika, umstrittenen Pflanzenschutzmitteln, und auch der Nitratbelastung von Böden. Das sind tiefgreifende Themen, über die gesprochen werden muss. Wichtig ist den Landwirten, direkt mit Konsumenten zu sprechen. Denn viele Menschen haben keine Verbindung mehr zu Bauernhöfen und wissen nicht, unter welchen Bedingungen Lebensmittel hergestellt werden.

Wie schwierig ist die Situation für die Landwirte?

Es ist ein globaler Wettbewerb, die Preise sind niedrig und speziell in Deutschland ist die Zahlungsbereitschaft im Schnitt für Lebensmittel – gerade auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie z.B. Frankreich oder Italien nicht so hoch. Aber selbst wenn mehr Zahlungsbereitschaft da ist, ist die Frage, ob das Geld auch bei den Erzeugern ankommt, die mehr in Umwelt- und Tierschutz investieren. Zugleich aber wünschen sich Verbraucher bessere Bedingungen für Landwirte und Tiere.

Es heißt Bioprodukte boomen in Deutschland. Stimmt das?

Die Wachstumszahlen sind zwar beachtlich, aber ausgehend von einem geringen Niveau. Der Anteil am Gesamtumsatz beläuft sich auf rund fünf Prozent. Auch wenn der Anteil steigt, ist man noch weit entfernt vom Ziel, dass dieser Biomarkt 20 Prozent ausmacht.

Was ist mit denen, die mehr Tierwohl haben möchten, aber nicht gleich Bioprodukte kaufen wollen?

Das ist genau die Herausforderung, ein Angebot für die vielen Verbraucher zu machen, die sich Bio entweder nicht leisten können oder denen es einfach zu teuer ist. Vor allem beim Fleisch ist das ein großes Thema. Ein Angebot also quasi für die Mitte.

Wie ist der Stand bei der Ausdifferenzierung? 

Es gibt da momentan keine gute Ausdifferenzierung wie beispielsweise bei den Eiern, wo die Kennzeichnung klar unterscheidet zwischen hohem Biostandard 0, Freilandhaltung 1, Bodenhaltung 2 und Käfighaltung 3.

Aber beim Fleisch kann ein gut gehaltenes Tier neben einem nicht gut gehaltenen Tier zum gleichen Preis in derselben Kühltruhe liegen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat Kriterien für die Initiative Tierwohl vorgestellt, ein Label, dass eine gewisse Qualität bescheinigt. Inwieweit kann das helfen?

Das Prinzip des Labels ist so gedacht, dass bei Erfüllung bestimmter Kriterien in der Tierhaltung Landwirte aus einem Fonds sechs Cent zusätzlich pro Kilogramm Fleisch bekommen. Das Geld soll vom Lebensmittelhandel kommen. Zunächst geht es nur um Schweinefleisch. Den generellen Gedanken dahinter begrüßen viele Landwirte, aber in der Ausgestaltung gibt es massive Kritik, unter anderem vom deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Was sind die Kritikpunkte?

Es ist nur ein freiwilliges Label. Wer kontrolliert es? Die bisher bekannten Kriterien gingen kaum über das gesetzliche Mindestmaß hinaus, Freilauf zum Beispiel gehöre nicht dazu, auch nicht Liegeflächen mit Stroh-Einstreu und das Kürzen der Ringelschwänze sei hierbei nicht verboten.

Insgesamt sei fraglich, wie viel Tierwohl tatsächlich in so einem Label stecken würde und ob das dann die Verbraucher auch überzeugt, mehr Geld für das Schweinefleisch zu bezahlen.

Wann wird dieses staatliche Tierwohl-Label kommen?

Frühestens 2018. In dieser Legislaturperiode wird es nicht mehr kommen, bestätigte auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Ob der nächste Bundeslandwirtschaftsminister das aufgreift, ist offen. Für die Landwirte ist das ein Problem, weil sie bei der vagen Lage nicht in die Veränderung ihrer Ställe investieren. Weil sie nicht wissen, welche Standards sie am Ende erfüllen müssen, um auch zu profitieren.

Wenn mir als Verbraucher Natur- und Tierschutz wichtig ist, welche Label wsind verlässlich?

Verbraucher, die Wert auf Tier- und Naturschutz legen, sind am besten mit kontrollierten Biolabeln bedient. Entweder das EG-Label mit dem Mindeststandard oder wer noch höhere Standards will, von den Anbauverbänden wie demeter, Bioland oder Naturland. In der konventionellen Tiermast gibt es das Neuland-Siegel, das Fleischfachgeschäfte oder Hofläden anbieten. Oder das Label vom Tierschutzverband, das aber wenig genutzt wird.

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