Montag, 16.07.2018
 
Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteCampus & Karriere"Nicht nur an einer Hochschule gucken"04.07.2018

Bundesweiter NC-Check "Nicht nur an einer Hochschule gucken"

Für viele Studienfächer gibt es keinen bundesweit einheitlichen Numerus Clausus. Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh empfiehlt Abiturienten daher, gegebenenfalls auf eine andere Stadt auszuweichen - oder auch auf einen fachverwandten Studiengang.

Cort-Denis Hachmeister im Gespräch mit Michael Böddeker

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Schild weist den Weg zu einem Immatrikulationsbüro bzw. zur Zulassungsstelle einer Universität. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt heute über das Zulassungsverfahren für das Medizinstudium. Es geht um die Frage, ob die Art der Studienplatzvergabe mit dem Grundgesetz vereinbar ist.  (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Bei der Zulassung zum Studium gebe es in Deutschland sehr unterschiedliche Regelungen, sagte Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh im Dlf (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

50 Jahre Numerus Clausus Die dauerhafte Notlösung

50 Jahre Numerus Clausus "Als Auswahlkriterium weiterhin zeitgemäß"

Numerus Clausus-Urteil Beim Medizin-Studium kommt es nicht nur aufs Abi an

Anwalt zu NC-Urteil Länder sollten Unis engere Regeln vorlegen

Numerus clausus-Urteil des Bundesverfassungsgerichts Studienplatz-Vergabe im Fach Medizin ist nicht grundgesetzkonform

Neuregelung Medizin-NC Talent- statt Wartezeitquote?

Michael Böddeker: Der Numerus Clausus ist an sich ja eine ganz praktische Angelegenheit. Anhand der Abi-Note können die Hochschulen so sehr einfach auswählen, wer bei ihnen studieren darf. Insgesamt rund 41 Prozent der Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, aber auch wenn es praktisch ist, so ganz fair ist das mit dem NC nicht unbedingt. Auch deshalb, weil es von Bundesland zu Bundesland leicht andere Bewertungen im Abitur gibt und auch beim NC gibt es von Land zu Land Unterschiede. Das besagt eine neue Studie des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Einer der Autoren ist Cort-Denis Hachmeister. Guten Tag!

Cort-Denis Hachmeister: Guten Tag!

Unterschiedlich viele zulassungsbeschränkte Studiengänge

Böddeker: Dann lassen Sie uns erst mal auf ganz Deutschland schauen: Wo gibt es denn besonders viele, und wo gibt es weniger NCs?

Hachmeister: Zunächst einmal haben wir ausgewertet, wie viele Studiengänge überhaupt Zulassungsbeschränkungen haben, unabhängig davon, wie dann im Einzelnen ausgewählt wird, ob nur nach der Abiturnote oder auch andere Kriterien herangezogen werden. Wir haben erst mal nur einfach ausgezählt, wie viele Studiengänge sind ganz zulassungsfrei, das heißt, man kann einfach hingehen und sich einschreiben, und bei wie vielen muss man sich bewerben und dann wird eben ausgewählt zwischen den Bewerbern. In Deutschland ist es tatsächlich so, dass es sehr große Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Das geht los von Berlin mit 64,8 Prozent zulassungsbeschränkte Studiengänge bis hin runter zu Thüringen mit nur 20 Prozent zulassungsbeschränkte Studiengänge.

Böddeker: 20 Prozent ist tatsächlich sehr wenig. Wie kommt das, dass in Thüringen gerade so wenig Studiengänge zulassungsbeschränkt sind?

Hachmeister: Gut, letztlich ist es immer eine Frage zwischen Angebot und Nachfrage, also das Verhältnis, dass dann relativ Wenige studieren wollen im Verhältnis zu der Anzahl der Studienplätze, die angeboten werden. Was jetzt die einzelnen Gründe sind, da kann man nur spekulieren, dass das irgendwie weniger attraktiv ist oder vielleicht besonders viele Studiengänge gibt. Was man auf der anderen Seite wiederum sagen kann, ist, dass es ja insgesamt in diesen Stadtstaaten Berlin, Hamburg und auch Bremen, da gibt es relativ häufig Zulassungsbeschränkungen. Das liegt wiederum auch daran, dass das Stadtstaaten sind, dass da große Bevölkerungsansammlungen sind und dann die Hochschulen aber nicht so groß sind, dass die dann alle Nachfragen aus diesen Städten oder aus der Region dann aufnehmen können.

Einige Fächer häufiger mit NC belegt

Böddeker: Wie sieht es bei den Studienfächern aus? In welchen Fächern gibt es besonders viele NCs?

Hachmeister: Da gibt es größere Unterschiede. Am besten sieht es aus bei den Sprach- und Kulturwissenschaften. Das sind diese Sprachen oder Erziehungswissenschaft und Geschichte. Da haben wir deutschlandweit nur 30 Prozent der Fälle NCs. Ähnlich ist es auch bei den Ingenieuren, da ist es 37 Prozent und Mathematik und Naturwissenschaften 39 Prozent. Die meisten NCs gibt es in der großen Fächergruppe der Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften.

Böddeker: Jetzt steht in Ihrer Studie, dass sich Studieninteressenten nicht so sehr abschrecken lassen sollten von den NCs, die es gibt. Warum nicht?

Hachmeister: Wie man schon gesehen hat, die sind sehr ungleich verteilt. Das heißt, es kann sein, dass in einer Stadt, wo man das studieren möchte, da der NC existiert und man auch eine gute Abiturnote braucht, aber in der nächsten Stadt kann das sein, dass es da gar keine Beschränkung gibt und man dann direkt sich einfach einschreiben kann in das gleich Fach. Und insgesamt gibt es bundesweit diese wenigen Fächer, wo das tatsächlich an allen Hochschulen einen Numerus Clausus gibt. Das sind die medizinischen Studiengänge, Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie und mit Einschränkungen auch Psychologie, Biologie, da gibt es auch viele Beschränkungen, aber in den allermeisten Studienfächern ist es tatsächlich so, dass es immer Studiengänge gibt, wo ausgewählt wird, wo ein hoher Andrang ist und auch woanders Studiengänge, wo es da nicht so eine starke Nachfrage gibt.

Böddeker: Das heißt, Sie würden Abiturienten raten, sich durchaus ein bisschen weiter umzuschauen und nicht nur an ein, zwei Standorten, sondern mal ins ganze Land zu schauen.

Hachmeister: Genau, auf jeden Fall nicht nur an einer Hochschule gucken, sagen, okay, das ist zulassungsbeschränkt, dann gilt das wahrscheinlich für ganz Deutschland, sondern tatsächlich gucken, wie sind die einzelnen Zulassungsmodalitäten an den einzelnen Hochschulen.

"Fachverwandten Studiengang wählen"

Böddeker: Abgesehen vom Standort, man könnte ja auch einfach auf ein etwas anderes Fach wechseln, das vielleicht noch was mit dem zu tun hat, was einen interessiert, aber nicht ganz so sehr zulassungsbeschränkt ist.

Hachmeister: Genau, das ist auch eine Variante, dass man einen fachverwandten Studiengang wählt, was so fachlich in der Nähe ist. Andere Möglichkeit ist auch, dass man guckt, ob man zum Beispiel eine andere Hochschule in der gleichen Stadt findet, also von einer Universität dann sich doch für eine Fachhochschule entscheidet oder umgekehrt. An Universitäten sind die Zulassungsbeschränkungen etwas niedriger als an Fachhochschulen, also prozentuale Angabe. Also insofern kann man sowohl räumlich als auch fachlich, inhaltlich in der Nähe schauen, ob es da nicht andere Alternativen gibt, wo man dann relativ leicht reinkommt.

"Trend geht dahin, mehr Kriterien zu verwenden"

Böddeker: Sie haben eben schon das Fach Medizin angesprochen. Bei Medizin soll sich ja was ändern. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Die Abiturnote soll in Zukunft eine etwas kleinere Rolle spielen bei der Auswahl der Bewerber zum Medizinstudium. Was glauben Sie, geht der Trend langfristig eher weg vom Numerus Clausus?

Hachmeister: Der Trend ist tatsächlich, dass man nicht nur die Abiturnote berücksichtigt, sondern auch noch andere Kriterien, dass man einfach sagt, dass die Abiturnote nicht immer so vergleichbar ist, sie ist auch nur ein Kriterium unter mehreren, die vielleicht für die Eignung der Studienbewerber spricht. Insofern ist schon der Trend dahin, mehr Kriterien zu verwenden, aber ohne, dass man die Abiturnote jetzt ganz außen vor lässt.

Böddeker: Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh war das und wir haben über den neuen bundesweiten NC-Check gesprochen. Laut dem gibt es beim Numerus Clausus sehr große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Vielen Dank für das Gespräch!

Hachmeister: Bitte schön!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk