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StartseiteKommentare und Themen der WocheViele Hausaufgaben zu erledigen10.09.2020

Bundesweiter WarntagViele Hausaufgaben zu erledigen

Eigentlich sollten am Donnerstag pünktlich um 11 Uhr bundesweit Sirenen und Alarm-Systeme getestet werden – so richtig geklappt hat es nicht. Allerdings sei es ja auch eine Übung gewesen, kommentiert Mario Dobovisek. Dennoch dürfe eine Überlastung nicht zur Blockade eines so wichtigen Warnsystems führen.

Von Mario Dobovisek

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Eine Alarmsirene steht auf einem Hausdach. (dpa-Bildfunk / Jens Büttner)
Bundesweiter Warntag (dpa-Bildfunk / Jens Büttner)
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"Das war wohl nichts, wir werden alle sterben, die zuständige Behörde sollte sofort in Bundesamt für Katastrophen umbenannt werden." Spott und Häme gab es heute reichlich am Warntag in den sozialen Medien. Aber vielleicht können wir an dieser Stelle gemeinsam wieder runterkommen vom Baum: Der Warntag war eine Übung. Ein Test. Ein Test von Systemen, die in diesem Umfang zusammen noch nie ausprobiert worden sind. Da kann es Pannen geben – keine Frage. Dafür sind diese Tests auch da.

Aus Fehlern lernen, besser werden für den Ernstfall. Das Motto übrigens einer jeden Katastrophenschutz- oder Feuerwehrübung in jedem noch so kleinen Provinzdorf.  Aber -  und das aber ist an diesem Tag laut und deutlich in die Welt zu rufen – lauter als es die meisten Warnmittel um 11 Uhr waren, weil sie beharrlich weiter schwiegen - warum wird das im Vorfeld nicht so klar kommuniziert? Warum lautet das Mantra nur "wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren"? Unkenrufe gebe es so oder so, aber mit Klartext hätten sich die Verantwortlichen zumindest ein Stück weit die Peinlichkeit von heute ersparen können.

Eine halbe Stunde Warten

Dass Sirenen an manchen Orten pünktlich aufheulten lag wohl nur daran, dass in vielen Städten und Gemeinden die zuständigen Katastrophenschützer pünktlich auf den Knopf gedrückt haben, ohne erst auf die offizielle Meldung aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn zu warten. Denn die steckte noch irgendwo in der Leitung. 34 unerklärliche Minuten lang. Pünktlich um 10:56 Uhr auf den Weg gebracht – spuckte sie das sogenannte Modulare Warnsystem bei seinen Empfängern erst um 11:30 Uhr wieder aus. Erst dann meldeten sich auch die diversen Apps zu Wort. Das ist unsäglich, ja.

Brandenburg, Guben: Bundeswehrsoldaten befüllen Sandsäcke während der Katastrophenschutzübung «Flood 2018» unweit des deutsch-polnischen Grenzflusses Neiße. Die Bundeswehr führt die Übung gemeinsam mit polnischen Streitkräften, den zivilen Verwaltungsstäben und der Polizei und Feuerwehr beider Länder vom 9. bis 11. Oktober 2018 durch.  (dpa/picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB) (dpa/picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB)Katastrophenschutz - Frühwarnsysteme müssen umfassender werdenPrognosen über Stürme und Unwetter müssen richtig kommuniziert werden und die Menschen direkt vor Ort erreichen, sonst sind sie umsonst – so das Fazit der Weltorganisation für Meteorologie. Doch der Katastrophenschutz steht in Zeiten des Klimawandels noch vor weiteren Herausforderungen, erklärt Dagmar Röhrlich.

Aber werfen wir einen Blick auf die Begründung der Behörde: das System sei überlastet gewesen. Durch eine "nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen." Ungewohnt deutlich zeigt das BBK in seiner ersten Twitter-Reaktion mit dem Finger auf die Länder und ihre Städte und Gemeinden: "Das Auslösekonzept sah eine reine Auslösung durch den Bund vor." Zitat Ende. Im Klartext: Weil Länder und Gemeinden sich nicht an Absprachen hielten und eigene Meldungen eingespeist haben, ist der Warntag ins Wasser gefallen. Indirekt bestätigt das auch unter anderem das Innenministerium von Baden-Württemberg.

Darf eine Überlastung ein Warnsystem blockieren?

Das legt den Finger tief in eine bekannte Wunde: Brandschutz ist Sache der Gemeinden, Katastrophenschutz die der Länder und der Bund ist mit dem Zivilschutz nur für den Verteidigungsfall zuständig. Das sorgt immer wieder für – sagen wir – Reibereien und Unstimmigkeiten. Insofern könnten wir die Mitteilung des Bundesamtes heute auch als eine Art Hilferuf deuten. Trotzdem bleibt die Frage: Darf eine "Überlastung" – egal welcher Art – dieses so wichtige bundesweite Warnsystem für mehr als eine halbe Stunde blockieren? Die Antwort kann nur nein lauten. So bleiben viele Hausaufgaben zu erledigen – nicht nur technische, sondern auch politische. In Bund, Ländern und Gemeinden! Denn Warnung und Schutz vor Gefahren kann nur gemeinsam gelingen.

Mario Dobovisek (Deutschlandradio / Annika Pesch)Mario Dobovisek (Deutschlandradio / Annika Pesch)Mario Dobovisek In Berlin geboren, Studium der Politikwissenschaft in Berlin, Frankfurt am Main und Ljubljana. Freier Korrespondent in Slowenien. Volontariat beim Deutschlandradio. Korrespondent im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio. Redakteur und Moderator im Zeitfunk des Deutschlandfunk. Zuvor tätig im Zivil- und Katastrophenschutz. 

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