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StartseiteSprechstundeFür Schwangere zweimal pro Woche Fisch 08.01.2019

Bundeszentrum für ErnährungFür Schwangere zweimal pro Woche Fisch

Jede zehnte Frau raucht in der Schwangerschaft, viele trinken Alkohol, jede dritte Frau im gebärfähigen Alter ist übergewichtig: Keine guten Voraussetzungen für einen gesunden Start ins Leben. Deshalb gibt es nun vom Bundeszentrum für Ernährung neue nationale Empfehlungen für die Schwangerschaft.

Von Renate Rutta

Eine schwangere Frau mit ihrem Handy in der Hand in der Küche (Imago)
Werdende Mütter können durch Ernährung und Lebensstil die Gesundheit ihres Kindes beeinflussen (Imago)
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Kein "Essen für zwei" Richtige Ernährung in der Schwangerschaft

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Fast 800.000 Kinder wurden im Jahr 2017 in Deutschland geboren. Ob sie gesund oder medizinisch vorbelastet ins Leben starten, hängt häufig vom Verhalten der Mutter ab - so Prof. Berthold Koletzko, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin:

"Die Datenlage zeigt mehr und mehr, dass die Art und Weise, wie eine Frau in die Schwangerschaft hineingeht, wie sie die Schwangerschaft beginnt, tatsächlich wichtig ist für den Schwangerschaftsverlauf und die langfristige Gesundheit des Kindes."

Ein Beispiel ist das Körpergewicht der werdenden Mutter zu Beginn der Schwangerschaft:

"Wenn eine Frau zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig ist, dann hat sie ein höheres Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft. Das Kind hat ein Risiko lebenslang Übergewicht zu entwickeln. Das heißt, eine besonders gute Vorbereitung auf die Schwangerschaft ist es, zu versuchen, das Gewicht dem Normalgewicht anzunähern."

Erhöhter Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen

In der Schwangerschaft selbst steigt der Bedarf an zusätzlichen Kalorien nur um bis zu zehn Prozent an – etwa 250 Kalorien am Tag. Die werdende Mutter muss also nicht für zwei essen, aber für zwei denken. Denn schon zu Beginn der Schwangerschaft braucht der Körper mehr Vitamine und Mineralstoffe, so Professor Koletzko:

"Wir empfehlen, von einzelnen Nährstoffen Supplemente einzunehmen. Das betrifft einmal das Folat, das B-Vitamin Folsäure, was vor der Schwangerschaft begonnen werden soll, um vor dem Auftreten kindlicher Fehlbildungen zu schützen. Und während der ganzen Schwangerschaft sollte eine Jodtablette eingenommen werden, weil man weiß, dass eine gute Jodversorgung verbunden ist mit einer besseren Hirnentwicklung des Kindes. In der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf an, aber gleichzeitig nimmt auch die Eisenresorption aus dem Darm zu und die Blutverluste, mit denen Eisen verloren geht fallen ja aus, weil die Monatsblutungen entfallen. Das heißt, man kann schwer vorhersagen, welche Frau Eisen braucht. Deshalb empfehlen wir, das individuell nach einer Untersuchung beim Arzt zu entscheiden."

Vorsicht ist angesagt bei rohen tierischen Produkten, um Lebensmittelinfektionen durch Listerien und Toxoplasmoseerreger vorzubeugen:

"Rohe tierische Produkte also Salami, Rohmilchkäse, Rohschinken, geräucherter Lachs sollte in der Schwangerschaft nicht verzehrt werden, weil damit das Risiko für Infektionen, die das Kind schädigen können, stark steigt."

Empfehlungen bei vegetarischer und veganer Ernährung

Wer als Vegetarierin viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte isst, kann sich auch in der Schwangerschaft fleischlos ernähren, wenn Eier, Milch und Milchprodukte dazukommen. Eine hohe Eiweißqualität haben Kombinationen aus Milch und Müsli, Kartoffeln und Ei sowie Linsen und Spätzle:

"Wir empfehlen, dass Frauen in der Schwangerschaft zweimal in der Woche eine Portion Fisch, Meeresfisch essen sollten oder wenn sie keinen Fisch essen, ein Omega-3-Supplement einnehmen sollten, weil viele Studien zeigen, dass durch eine gute Versorgung mit diesen Omega-3- Fettsäuren das Risiko für frühe Frühgeburten sinkt und es gibt auch Hinweise auf einen allergieschützenden Effekt."

Veganerinnen brauchen zusätzlich noch Vitamin B 12.Unabhängig von Spurenelementen und Vitaminen, eines tut allen in der Schwangerschaft gut: Körperliche Aktivität wie Walken oder Radfahren, so Prof. Christine Graf, Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention:

"Erstens bringt es nicht nur Vorteile für die Mutter, sondern auch für das werdende Kind und früher hat man gedacht, es macht bessere Stimmung, es sorgt für weniger Rückenschmerzen, weniger Krampfadern aber heute weiß man, dass es vor allem für den Stoffwechsel der Mutter und den Stoffwechsel des Kindes gut ist und man diesen gefürchteten Schwangerschaftsdiabetes vermeiden kann, wenn man sportlich aktiv ist."

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