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StartseiteUmwelt und VerbraucherBunt, groß und giftig?21.10.2010

Bunt, groß und giftig?

Stiftung Warentest zur Sicherheit von Spielzeug

Vor allem in Plastik-Spielzeug finden Warentester immer wieder Weichmacher oder andere Substanzen, die nicht in Kinderhände oder Kindermünder gehören. Stiftung Warentest legte erschreckende Untersuchungsergebnisse vor.

Von Dieter Nürnberger

Spielzeug mit gefährlichem Weichmacher oder harmlos? (Stock.XCHNG / Allan Browne)
Spielzeug mit gefährlichem Weichmacher oder harmlos? (Stock.XCHNG / Allan Browne)

Die Stiftung Warentest spricht anhand der heute vorgelegten Untersuchungsergebnisse durchaus von einer bösen Überraschung. Denn ein Großteil des getesteten Spielzeugs hat gängige Sicherheitschecks nicht bestanden. Diese Anforderungen lauteten beispielsweise, dass sich keine verschluckbaren Kleinteile vom Spielzeug lösen sollten. Ein anderes Kriterium sind natürlich Schadstoffe, die sich aus Lacken lösen können, und die die Kinder somit über die Haut oder durch die Atmung aufnehmen könnten. Der Organismus von Kindern ist da ja nicht so widerstandsfähig wie bei Erwachsenen. Das Untersuchungsergebnis sei alarmierend, sagt Hubertus Primus, Bereichsleiter bei der Stiftung Warentest.

"Mehr als 80 Prozent der 50 Spielzeuge sind mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet. Zwei Drittel sogar stark bis sehr stark. Besonders häufig konnten wir PAK nachweisen - polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - Verunreinigungen von Weichmachern, Phthalate, zinnorganische Verbindungen und das wenig bekannte Nonylphenol."

Über die Hälfte der Spielzeuge stammt übrigens aus China, acht Prozent wurde in Deutschland hergestellt und eine anderer großer Teil trug überhaupt keine Deklaration des Herstellerlandes. Einen prägnanten Zusammenhang zwischen Herstellerland und Sicherheit haben die Warentester aber nicht gefunden. Und die interessierten Eltern können auch nicht per se auf Holzspielzeug als Alternative vertrauen: Denn diese Gruppe enttäuschte am meisten, hier werden nicht selten gesundheitsgefährdende Lacke oder Holzschutzmittel verwendet.

Ein Ergebnis dieser Untersuchung ist auch die Tatsache, dass einiges, was da verkauft wurde, nicht hätte verkauft werden dürfen - etwa Spielzeug, wo kleine Teile sich ablösen können oder auch brennbare Plüschtiere beispielsweise, sagt Holger Brackemann, der Untersuchungsleiter:

"Dieser Punkt ist rechtlich in Europa klar geregelt - diese vier Spielzeuge sind nicht verkehrsfähig und hätten gar nicht verkauft werden dürfen. Dazu gesellt sich der Plüschaffe von sigikid, der zu schnell in Flammen aufging. Auch er dürfte nach den einschlägigen Bestimmungen gar nicht in die Kinderzimmer gelangen."

Bei den geschilderten Fällen hätten die Kunden ein Rückgaberecht. Einige der kritisierten Spielzeuge war zudem vom TÜV getestet worden - das wird wohl noch ein Nachspiel haben. Und Kritik gab es zudem an der 2008 verabschiedeten EU-Spielzeug-Richtlinie, die muss noch im kommenden Jahr in nationales Recht umgesetzt werden. Die Stiftung Warentest sagt, dass diese Richtlinie keine Verbesserung sei.

"Sie lässt beispielsweise für viele krebserregende Stoffe einen Gehalt von bis zu 1000 mg/kg zu - eine aus dem Chemikalienrecht offensichtlich abgeleitete und für Spielzeug absolut inakzeptable Größenordnung. Diese Regelung ist unter anderem vom Bundesinstitut für Risikobewertung BfR deutlich kritisiert worden. Dieser Grenzwert wird dann auch für die Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) gelten. Einzelne Vertreter dieser Stoffgruppe können Krebs erzeugen und das Erbgut schädigen."

Das Gesamtergebnis sei alarmierend, so die Warentester. Gefordert seien nun eigentlich alle beteiligten Akteure - Hersteller, Händler, die Prüfinstitute und nicht zuletzt natürlich auch die Politik.

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