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StartseiteForschung aktuellRätselraten über spontane Selbstentzündung16.08.2017

Buschbrände auf GrönlandRätselraten über spontane Selbstentzündung

Wenn es zwei Orte auf der Welt gibt, an denen man sich keine brennenden Landschaften vorstellen kann, dann sind das wohl die Arktis und die Antarktis – schneebedeckte Gebiete ohne Vegetation. Doch in Grönland brennt es ziemlich heftig seit Ende Juli - und es ist kein Ende abzusehen.

Von Guido Meyer

Vogelperspektive auf Grönland. Neben Eis befinden sich dort vor allem Gräser, Büsche und Moore. Forscher berichten von Bräsen seit Ende Juli.  (imago / Kata)
Vogelperspektive auf Grönland. Neben Eis befinden sich dort vor allem Gräser, Büsche und Moore. Forscher berichten von Bränden seit Ende Juli. (imago / Kata)
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Am 31. Juli ist der amerikanische Wettersatellit Suomi NPP über Grönland geflogen. Wenige Tage später folgten Landsat 8, GOES-16 und der europäische Sentinel-2. Alle drei sahen das Gleiche: Da unten brennt es. Und zwar etwa 250 Kilometer nördlich von Sisimiut, der zweitgrößten Stadt Grönlands. Hier leben rund 5.000 Menschen. Die Satellitendaten werden unter anderem von der Geowissenschaftlerin Jessica McCarty von der Abteilung für Geografie der Miami University im US-Bundesstaat Ohio ausgewertet.

"Das Feuer brach vor zweieinhalb Wochen aus, ungefähr siebzig Kilometer westlich des Eisschildes, der fast ganz Grönland bedeckt. Bislang hat sich das Feuer ein paar Hundert Meter pro Tag ausgedehnt. Das ist eher langsam, verglichen mit Waldbränden in Portugal und Südfrankreich, die sich mehrere Kilometer am Tag ausbreiten."

Gras, Gebüsch und Moore brennen

Derzeit brennt es auf einer ellipsenförmigen Fläche, die fünf bis sechs Kilometer lang ist und zwei bis drei Kilometer breit. Ebenfalls im Westen Grönlands, etwa einhundert Kilometer weiter südlich, ist mittlerweile ein zweiter Brandherd entstanden. Auch Stef Lhermitte von der Abteilung für Geowissenschaften und Fernerkundung der holländischen Delft University of Technology ist an der Auswertung der Daten aus dem All beteiligt.

"Das ist ein Phänomen, das wir in einem Land, das zu mehr als 80 Prozent von Eis bedeckt ist, nicht erwarten würden. Aber an den Rändern gibt es Landstriche mit Gras, Gebüsch und Mooren."

Und genau das scheint es wohl zu sein, was in Brand geraten ist, ergänzt um Moos und Flechten. Was aus dieser Tundralandschaft aufsteigt, ist weißer Rauch. 

"Das bedeutet, dass eine ganze Menge Wasserdampf in dem Rauch vorhanden sein muss. Somit muss auch der Brennstoff des Feuers über viel Wasser verfügen. Das weist auf einen feuchten Boden hin. Wir befinden uns hier auf fast siebzig Grad nördlicher Breite und damit im Permafrost. Taut der Permafrost, setzt er Torf frei, also abgestorbenes organisches Material. Es besteht vor allem aus Kohlenstoff. Der reagiert mit dem Luftsauerstoff, und es wird Kohlendioxid freigesetzt."

Treibhauseffekt könnte Grund für Brände sein

Damit tragen die Buschbrände in Grönland einerseits zum Treibhauseffekt bei. Und andererseits könnte die globale Erwärmung überhaupt erst der Grund für die Feuer gewesen sein. Denn der derzeitige Brand ist nicht der erste, aber der größte, der in Grönland je entdeckt wurde. 

"Für Grönland ist ein solch riesiges Feuer einzigartig. Es hat schon 2001 und 2015 kleinere Torfbrände gegeben. Die haben aber immer nur einen Tag oder so gedauert. Wir können nicht definitiv sagen, dass der Klimawandel an diesem Feuer schuld ist. Aber es ist eine Tatsache, dass es derzeit einfach mehr Brennmaterial gibt. Die Vegetation ist insgesamt trockener. Und das wäre sie nicht, würde sich das Klima nicht erwärmen."

Chemische Prozesse als mögliche Ursache

In der Gegend um Sisimiut hatte es im Juni so gut wie gar nicht geregnet und im Juli nur halb so viel wie sonst. In den letzten Tagen vor dem Ausbruch des Feuers Ende Juli waren die Temperaturen im Westen Grönlands auf plus zwölf Grad geklettert. Das könnte reichen, um durch chemische Prozesse eine spontane Selbstentzündung der trockenen Landschaft auszulösen. Da das zweite, kleinere Feuer an einem Wanderweg entstanden ist, vermuten die Wissenschaftler hier Menschen als Verursacher. Andere Auslöser wie Blitz- oder Meteoriteneinschlag schließen die Forscher aus.

"Das Feuer brennt derzeit immer noch. Die aktuellen Satellitenaufnahmen zeigen, dass es sich weiter ausbreitet. Es gibt genügend Brennmaterial, um das Feuer aufrecht zu erhalten. Nur starke Regenfälle könnten es löschen."

Im September dürfte in Grönland der erste Schnee fallen. Sollten die Brände bis dahin nicht erloschen sein, könnten sie zu sogenannten Zombie-Feuern werden. Dann glühen sie unter dem Schnee weiter und lodern im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt, erneut auf.

 

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