Kommentare und Themen der Woche 11.01.2020

BuschbrändeIn Australien wird die Klimaerhitzung sichtbarVon Jule Reimer

Beitrag hören Verbrannte Landschaft im Flinders Chase National Park auf den Kangaroo Islands in Australien am 7. Januar 2020. (imago / David Mariuz)Die Schäden der Feuerkatastrophe in Australien sind verheerend - und gehören mit Dürren und Hitzerekorden zu den Folgen der Klimaerwärmung (imago / David Mariuz)

Das Wörtchen Klimawandel sei viel zu verharmlosend für das, was uns erwartet, kommentiert Jule Reimer mit Blick auf die Feuerkatastrophe in Australien. Die Auswirkungen der Klimaerhitzung würden uns früher oder später alle treffen - daher sollten sich auch alle damit befassen.

Stellen Sie sich vor, ein Drittel des Bundeslandes Rheinland-Pfalz steht in Flammen – und zwar als geschlossene Fläche, nicht addiert ein Brand mal hier, ein anderer dort. Dieser Super-Gau ist in Australien jetzt eingetreten, eine bereits erwartete größte anzunehmende Brandkatastrophe: Gleich drei Buschfeuer haben sich an den Grenzen der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria zu einem "Mega-Brand" vereint.  Daneben brennt es ja außerdem noch an anderen Stellen des Landes. Und schon vor einer Woche meldeten wir, in Australien sei bereits die Fläche von der Größe Belgiens durch Brände zerstört worden.

Hier wird die Klimaerhitzung sichtbar

Feuer gehören zu Australiens Natur. Die Indigenen, die Aborigines, wissen die Brände sogar geschickt zu nutzen, um die nachfolgende Vegetation gemäß ihren Versorgungsbedürfnissen zu steuern. Doch diese Brandkatastrophe hat nichts, aber auch gar nichts mit dem normalen Naturereignis Buschfeuer zu tun. Es wäre voreilig, bei jedem Wetterextrem den Klimawandel als Ursache auszumachen und deshalb sind die Klimawissenschaftler damit zurückhaltend. Im Fall Australiens dagegen sind sie sich einig. Ein Temperaturrekord nach dem anderen, immer näher an die 50-Grad-Grenze, extreme Dürre, Wasserknappheit, hier wird die Klimaerhitzung sichtbar.

Ja, Klimaerhitzung. Das Wörtchen Klimawandel ist viel zu verharmlosend für das, was uns erwartet. Und alle tun gut daran, sich die Prognosen der Klimawissenschaftler genau anzuschauen. Diese berechnen für den CO2-Anstieg und den damit verbundenen Temperaturanstieg immer mehrere Szenarien, konservativ-niedrig, mittlerer Anstieg oder auch Extremfall – Szenarien, die auf der Basis von strengen wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet werden und nicht nach politischen Vorlieben oder Glaubensfragen. Der Klimaforscher Mojib Latif berichtete in dieser Woche im Interview mit dem Deutschlandfunk, dass sich die Voraussagen bestätigen. Alle, die abwiegelten – "ist doch alles übertrieben" – haben leider Unrecht. Und jetzt kommt noch ein "leider": Latif sagte nämlich auch: "Im Moment sind wir noch auf Kurs, aber auf Kurs heißt auf Kurs eines Worst-Case-Szenarios." Heißt: Wenn die Staaten ihren CO2-Ausstoß nicht zügig und deutlich abschwächen und reduzieren, werden wir bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung von vier, vielleicht fünf Grad haben. Eine Erwärmung, die allerdings nicht gleichmäßig verteilt ist über die Erde. Denn sie wird vor allem von den Ozeanen gespeichert und dort den Meeresbewohnern das Leben schwer bis unmöglich machen. Oberhalb des Meeresspiegels trifft sie vor allem Regionen, die wie Australien, Afrika, Spanien, aber auch Brandenburg sowieso schon mit Dürren zu kämpfen haben.

Bei zwei Grad Erwärmung sind alle Korallen tot

Nicht umsonst lautet das Ziel des Pariser Klimaabkommens maximal plus zwei Grad, besser nur 1,5 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts. 0,5 Grad Unterschied, das klingt für Laien ziemlich mickrig. Mit einem Sonderbericht hat der Weltklimarat jedoch noch einmal warnend auf die Bedeutung hingewiesen. Bei zwei Grad Erwärmung sind alle Korallen tot, bei 1,5 Grad nur zwei Drittel. Es lohnt sich also, um jedes Zehntel Grad weniger zu kämpfen.

Schon jetzt sind die Schäden in Australien verheerend. Viele Prominente haben angekündigt, für die Brandopfer zu spenden, darunter die Sängerin Kylie Minogue und die Schauspielerin Nicole Kidman. Australiens Regierung muss sich von Oscar-Preisträger Russell Crowe und Leonardo di Caprio  sagen lassen, dass sie den Klimawandel nicht ignorieren darf. 

Das EU-Parlament wird sich in der kommenden Woche mit den Bränden in Australien befassen. Alle sollten dies tun. Australiens Regierung gehörte mit der von Brasilien, den USA und Saudi-Arabien zu denen, die gezielt Fortschritte auf der UN-Klimakonferenz in Madrid blockierten – weil sich die Regierung in Canberra wider besserem Wissens mit der Kohleindustrie verbündet hat. Aber wenn sich ein Brand erst einmal großflächig ausgebreitet hat, ist er kaum noch zu stoppen. Bei der Klimaerhitzung ist es ähnlich, ihre Auswirkungen werden uns früher oder später alle treffen.

Jule Reimer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Jule Reimer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Jule Reimer, Redakteurin in der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft des Deutschlandfunk, spezialisiert u. a. auf internationale Handels-, Rohstoff-, Agrar-, Energie- und Umweltpolitik. Studium der Volkswirtschaft und Portugiesisch an der Universität zu Köln, journalistische Ausbildung in der "Kölner Schule" und bei der Deutschen Welle. Kurzzeitkorrespondentenvertretung der ARD für das südliche Afrika. Neben der Leidenschaft für Globalisierungsthemen ein tiefe Zuneigung zur lusophonen Welt. Deshalb immer mal wieder Kommentare zu und Reportagen aus Brasilien, Angola, Mosambik.

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