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StartseiteKalenderblattErfinderin, politische Aktivistin, Philanthropin23.12.2017

C.J. Walker vor 150 Jahren geborenErfinderin, politische Aktivistin, Philanthropin

Geboren als Kind zweier früherer Sklaven, Frühwaise, jung verwitwet und alleinerziehend: Die Afroamerikanerin Madam C.J. Walker hatte keinen leichten Start ins Leben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kannte dennoch jeder in den USA ihren Namen - und das nicht nur wegen des von ihr gegründeten Kosmetikimperiums.

Von Christoph Goldmann

Porträt von C.J. Walker (imago stock&people)
C. J. Walker, 1914 (imago stock&people)
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"Ihre Geschichte ist wirklich eine der erstaunlichsten amerikanischen Erfolgsgeschichten. Sie wurde zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges auf der gleichen Plantage geboren, wo ihre Eltern als Sklaven gearbeitet hatten. Als sie starb, war sie Millionärin, Philanthropin und eine politische Aktivistin, die enorm viel Geld an gemeinnützige Organisationen spendete."

Für A'Lelia Bundles, Biografin und Ur-Ur-Enkelin von Madam C.J. Walker, steht die Geschichte ihrer Vorfahrin für Willenskraft, Erfindergeist und vor allem für menschliches Mitgefühl.

Ein schwerer Start ins Leben

Madam Walker wird als Sarah Breedlove am 23. Dezember 1867 auf einer Baumwollplantage in Delta/Louisiana geboren. Die Abschaffung der Sklaverei liegt gerade zwei Jahre zurück. An den miserablen Lebensumständen der Plantagenarbeiter am Mississippi aber hat sich seitdem nichts geändert. Sarah Breedlove ist sieben, als beide Eltern an Gelbfieber sterben.

"Ihr frühes Leben war wirklich schwer, aber sie hatte großes Durchhaltevermögen und Widerstandskraft."

Nach dem Tod ihrer Eltern überlebt Sarah Breedlove noch einige Jahre als Baumwollpflückerin, bevor sie bei ihrer Schwester unterkommt. Sie heiratet mit 14, um ihrem grausamen Schwager zu entfliehen. Gerade 18, bekommt sie eine Tochter. Ihr Ehemann stirbt zwei Jahre später bei einem Unfall. Sarah Breedlove geht nach St. Louis. Dort betreiben ihre drei Brüder einen Barbershop. Die alleinstehende Mutter verdient als Wäscherin weniger als einen Dollar die Woche, lernt abends in der St. Paul Church lesen und schreiben.

"Die Frauen in der Kirche nehmen sie und ihre Tochter unter ihre Fittiche und bestärken sie darin, mehr aus ihrem Leben zu machen."

Erfinderin aus der Not heraus

Zu Beginn der 1890er-Jahre erkrankt Sarah Breedlove wie so viele andere schwarze Frauen ihrer Generation an einer Kopfhautentzündung. Ihre Haare fallen aus. Armut, schlechte Ernährung und mangelnde Hygiene fordern ihren Tribut.

Sarah Breedlove sucht Rat bei ihren Brüdern im Barbershop, beim Apotheker um die Ecke und beginnt selbst mit Tinkturen und Lotionen zu experimentieren.

"Sie entwickelte ein Shampoo, animierte andere Frauen, sich öfters die Haare zu waschen und eine Packung auf Sulfat- und Petroleumbasis auf die saubere Kopfhaut aufzutragen."

Sarah Breedloves Rezeptur wirkt. Ihre Haare wachsen nach - voller und schöner denn je. Auch andere Frauen wollen ihr Mittel ausprobieren. Sarah füllt ihre Lösung ab und beginnt sie zu verkaufen. 1906 heiratet sie in dritter Ehe Charles Joseph Walker, einen Zeitungsannoncenverkäufer, und nennt sich von nun an "Madam C.J. Walker". Unermüdlich bereist das Paar die Städte der Südstaaten, zieht von Tür zu Tür, schaltet Anzeigen. "Madam C. J. Walker's Wonderful Hairgrower" wird ein Verkaufsschlager. Auch deshalb, weil die junge Unternehmerin wagt, das eigene Konterfei auf ihre Produkte zu drucken - zu einer Zeit, als Frauen nicht wählen, keinen eigenen Besitz, kein eigenes Konto haben dürfen.

1908 eröffnet sie in Pittsburgh eine Kosmetikschule. Hier bildet sie arme Afroamerikanerinnen zu "Madam C. J. Walkers Haarkulturistinnen" aus.

 "Zu allererst der Menschlichkeit verpflichtet"

"Sie sagte ihnen: Ihr sollt verstehen, dass ihr als Walker-Agentinnen zu allererst der Menschlichkeit verpflichtet seid. So zeichnete sie Frauen aus, die am besten verkaufen, die meisten neuen Vertreterinnen geworben hatten. Aber eben auch jene Frauen, die am meisten für wohltätige Zwecke gespendet hatten."

1910 lässt sich Madam C. J. Walker in Indianapolis nieder. Baut ihre eigene Fabrik samt Forschungslabor, Apotheke und Ausbildungsstätten. Fast alle Führungspositionen sind mit afroamerikanischen Frauen besetzt. Fast 20.000 Handelsvertreterinnen sind zu dieser Zeit in ganz Amerika und der Karibik unterwegs.

"Es ging ihr darum, Selbstbewusstsein zu wecken, Frauen ein unabhängiges Einkommen zu verschaffen."

Bewegtes Leben, früher Tod

In den Jahren bis zu ihrem Tod fördert Madam C. J. Walker unzählige Schulen und andere soziale Projekte, gründet eine Gewerkschaft für ihre mittlerweile 20.000 Haarkulturistinnen, engagiert sich für die Rechte afroamerikanischer US-Soldaten im Ersten Weltkrieg und setzt sich an die Spitze einer Bewegung, die sich für das landesweite Verbot der Lynchjustiz einsetzt.

Am 25. Mai 1919 stirbt Madam C.J. Walker mit 51 Jahren in ihrer Luxusvilla in New York. Als politische Aktivistin und geachtete Philanthropin.

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