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StartseiteWissenschaft im BrennpunktEine Zeitreise in die griechische Antike08.12.2019

Carlo Rovelli: "Die Geburt der Wissenschaft - Anaximander und sein Erbe"Eine Zeitreise in die griechische Antike

In seinem neuen Sachbuch widmet sich der italienische Physiker dem griechischen Philosophen Anaximander, der für ihn der Vater der Naturwissenschaften ist. Er zeichnet in seinem Buch ein idealisiertes Bild von ihm, welches dem Leser dennoch die Antike und das Denken der Menschen eingängig erklärt.

Von Dagmar Röhrlich

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Ein Porträt des Physikers Carlo Rovelli. (picture alliance / Leemage)
Der Physiker und Buchautor Carlo Rovelli (picture alliance / Leemage)
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Für Carlo Rovelli gebührt dem griechischen Philosophen Anaximander der Titel "Vater der Naturwissenschaften". Den verdient er sich in den Augen des italienischen Physikers unter anderem aufgrund seiner Idee, dass die Erde im Weltraum schwebt. Zu diesem Schluss gelangte Anaximander, weil es keine ausgezeichnete Richtung gibt, in die unser Planet fallen könnte. Die Erde säße vielmehr im Zentrum und werde von keinem anderen Körper beherrscht. Das stimmt zwar nicht, wie so einiges andere auch, das der griechische Philosoph aus seinen Überlegungen geschlossen hat, doch der Gedanke war vor 2600 Jahren revolutionär.

Donner und Blitz sind keine Laune der Götter

Um das deutlich zu machen, nimmt Caro Rovelli den Leser mit auf eine Zeitreise in die griechische Antike. Genauer: in die Hafenstadt Milet, in der Anaximander 610 v.Chr. geboren wurde. Der Philosoph war ein vielseitig interessierter Mann. Er entwickelte die erste bekannte geographische Weltkarte und er soll den Gnomon in die griechische Welt eingeführt haben: einen senkrecht in die Erde gesteckten Stab, der die Länge des Schattens misst und der dabei hilft, die komplexe Astronomie der Sonnenbewegungen nachzuvollziehen. Und er erkannte, dass meteorologische Phänomene natürliche Ursachen haben: Das Wasser des Regens sei Wasser, das die Hitze der Sonnenstrahlen aus den Meeren und Flüssen verdunsten ließe. Und Donner und Blitz entstünden durch das gewaltsame Zusammenstoßen der Wolken und nicht durch eine Laune der Götter.

"Anaximander", so schreibt Carlo Rovelli, "öffnete die Tür zur Physik, zur Geographie, zum Studium meteorologischer Phänomene und zur Biologie." Rovelli hebt den antiken Denker deshalb so hervor, weil naturwissenschaftliche Forschung für Anaximander bedeutete, bereit zu sein, alle Gewissheiten über Bord zu werfen, wenn die sich als falsch herausstellten: "Die Wissenschaft macht Fortschritte, indem sie Probleme löst, und die Lösung impliziert in den allermeisten Fällen eine Neuformulierung des Problems selbst."

Ein idealisiertes Bild des Philosophen Anaximander

Allerdings macht Rovelli in seinem Buch klar, dass er ein idealisiertes Bild von Anaximander zeichnet. Denn was wir über den Philosophen wissen, beruht nicht auf seinen Werken, die sind verloren, sondern auf den Fragmenten, die spätere Generationen über ihn hinterlassen haben. Es ist also ein Blick in einen recht blinden Spiegel auf dem er seine Geschichte aufbaut. Dass dieser Blick sich trotzdem lohnt, liegt daran, dass der Autor in eingängiger Sprache die Welt der Antike und das Denken der Menschen erklärt. Eine kluges Unterhaltungsbuch für lange Winterabende.

Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft - Anaximander und sein Erbe
Aus dem Italienischen übersetzt von Monika Niehaus
Rowohlt-Verlag, 232 Seiten. 22 Euro.

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