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Causa ÖzilBundesregierung mahnt DFB: Eine Mannschaft gewinnt und verliert zusammen

Deutschland in der Kasan-Arena. Mesut Özil aus Deutschland geht über den Platz. (dpa-Bildfunk / Ina Fassbender)
Die Aufarbeitung der Niederlage gegen Südkorea schlägt auch noch zwei Wochen später hohe Wellen. (dpa-Bildfunk / Ina Fassbender)

Die Bundesregierung hat den Deutschen Fußballbund gemahnt, niemanden zum Sündebock zu machen.

Eine Mannschaft gewinne zusammen und eine Mannschaft verliere zusammen, sagte eine Sprecherin auf die Frage nach dem Umgang des DFB mit Nationalspieler Mesut Özil. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums führte aus, das bedauerliche Ausscheiden der Nationalmannschaft liege sicher nicht an einer einzigen Person. Der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Stamp nannte das Vorgehen des DFB unsportlich. Er habe Özil sowie den Spieler Ilkay Gündogan nach deren Foto-Termin mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ebenfalls öffentlich kritisiert, sagte der FDP-Politiker dem Portal "Der Westen". Aber er habe kein Verständnis dafür, wie der DFB nun versuche, das schwache Abschneiden bei der WM an einer einzelnen Person festzumachen. In vergangenen Tagen waren Rücktrittsforderungen gegen DFB-Präsident Grindel und DFB-Teammanager Bierhoff laut geworden, nachdem sie Özil nachträglich kritisiert hatten.

Kritik auch von Wirtschaftsexperten. Es werde ein Mitarbeiter in einer Art und Weise bloßgestellt, die inakzeptabel sei, sagte der Managementexperte Bodo Antonic der Wirtschaftswoche. Zuerst sei das passiv geschehen, indem Özil nicht gegen die Angriffe verteidigt worden sei, und dann aktiv, indem Bierhoff den Spieler öffentlich kritisiert habe: "Aus Managementsicht ist klar: Wenn negativ über einen Mitarbeiter gesprochen wird und das Management sich nicht vor ihn stellt, dann klagen die Mitarbeiter zu Recht über Illoyalität."

Heute Abend soll es in Frankfurt am Main eine Solidaritätskundgebung für Özil geben. Das berichtet die Frankfurter Rundschau. Der Nationalspieler sei einer "medialen Lynchkampagne" ausgesetzt, hätten die Organisatoren des Protestes, das "Junge Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit" (JuBIG), erklärt. Die DFB-Spitze habe den Rassismus gegen den türkischstämmigen Fußballer mit prekären Aussagen noch verschärft. Das JuBIG ist die Jugendorganisation der umstrittenen islamisch-konservativen Splitterpartei BIG, der eine Nähe zur türkischen Regierungspartei AKP vorgehalten wird.

Diese Nachricht wurde am 12.07.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.