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StartseiteKommentare und Themen der WocheEchte Reue sieht anders aus07.08.2019

Causa TönniesEchte Reue sieht anders aus

Kein Rücktritt, kein Rauswurf - Clemens Tönnies ist nach seiner rassistischen Äußerung mit einem milden Urteil davongekommen. Drei Monate lang lässt der Schalker Aufsichtsratschef sein Amt nun ruhen. Ein Schlusspunkt dieses Kapitels ist es nicht, kommentiert Jonas Reese.

Von Jonas Reese

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Tönnies gestikuliert bei einer Rede. Im Hintergrund sieht man des Vereins-Wappen (imago)
Clemens Tönnies lässt sein Amt als Schalke-Aufsichtsrat drei Monate ruhen (imago)
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Clemens Tönnies soll auf Schalke nur "der Chef" genannt werden. Seit 18 Jahren ist er dort Aufsichtsratsvorsitzender. An ihm geht keine gewichtige Entscheidung vorbei. Ganz schön cheffig hat er jetzt auch seine rassistische Entgleisung gemanagt. Nach einer Entschuldigung, die manche als halbherzig bezeichnet haben, verordnet sich Tönnies nun selbst drei Monate Ruhe von seinem Amt. Ganz nach dem Motto: Bedaure, kommt nicht wieder vor, in drei Monaten bin ich zurück und alles ist wieder so wie vorher. Doch so einfach ist es nicht.

Der Ehrenrat von Schalke 04 hat vor Bekanntgabe dieses Scheinmanövers fast fünf Stunden getagt. So lange brauchten die fünf Vereinsmitglieder des Ethik-Gremiums um festzustellen, dass die Tönnies-Aussage – zusammengefasst: Afrikaner führten ein primitives Leben - NICHT rassistisch sei. Mit dieser Einschätzung steht dieser Ehrenrat neben ein paar wenigen Altherren-Politikern ziemlich alleine da. Bundesjustizministerin Lambrecht zum Beispiel sprach dagegen ganz eindeutig von "dumpfem Rassismus".

Völlig abstrus wird die Beurteilung des Schalker Ehrenrates dann, wenn er Tönnies bescheinigt, zwar sich einerseits nicht rassistisch geäußert zu haben, aber andererseits doch gegen das Diskriminierungsverbot des vereinsinternen Leitbildes verstoßen zu haben. Spätestens damit ist dieser Vorgang als Winkelzug entlarvt und der Ehrenrat seiner Ehre beraubt. Denn was ist denn bitteschön die pauschale Diskriminierung gegenüber einer bestimmten Gruppe der Weltbevölkerung, wenn nicht: Rassismus?

Rassist ist, wer sich rassistisch äußert

Schlimmer noch als das, ist aber das Vorgehen von Tönnies selbst. Er macht mit seinem Alleingang klar: Wenn jemand Tönnies bestraft dann Tönnies höchstpersönlich. Und zwar so, wie er es für richtig hält.

Echte Reue sieht anders aus. Da reicht es nicht, sich allgemein und ungenau zu entschuldigen und einfach zu versichern, solche Aussagen in Zukunft nicht mehr zu tätigen. Hier läuft auch die gesellschaftliche Debatte häufig in eine falsche Richtung. Rassist ist, wer sich rassistisch äußert. Punkt. Da hilft es nicht, von Wegbegleitern ein ansonsten weltoffenes Handeln attestiert zu bekommen. Tönnies Aussage lässt tief blicken. Sie hat ein Schlaglicht geworfen auf sein Denken und zeigt ein Überlegenheitsgefühl gegenüber den von ihm pauschal erwähnten "Afrikanern". Dass sich dieses Denken in drei Monaten Ruhepause ändert, darf bezweifelt werden. An der Spitze eines Sportvereins hat niemand etwas zu suchen, der das nicht einsieht. Gerade dann, wenn er von allen "Chef" genannt wird.

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