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StartseiteInformationen am MorgenWer folgt auf Peter Tauber?19.02.2018

CDU-Generalsekretär Wer folgt auf Peter Tauber?

Für die CDU bricht eine Woche der Entscheidung an. Partei- und Regierungschefin Angela Merkel muss die Namen für die insgesamt sechs Ministerposten vorlegen - und einen Nachfolger für Generalsekretär Peter Tauber benennen. Er will heute seinen Rückzug aus dem Amt offiziell bekanntgeben.

Von Nadine Lindner

CDU-Generalsekretär Peter Tauber (picture alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)
Peter Tauber räumt seinen Posten als Generalsekretär der CDU (picture alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)
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Der 43-jährige Hesse war seit November erkrankt und hatte an den Koalitionsverhandlungen mit der SPD nicht mehr teilgenommen. Bereits bei den Sondierungen über ein Jamaika-Bündnis war er nur selten zu sehen gewesen.

Doch sein Rückzug erfolgt nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Tauber hatte bereits angedeutet, nicht die komplette Wahlperiode als Generalsekretär absolvieren zu wollen. Dennoch hatte er noch Anfang Februar in einem Interview angekündigt, nach der Genesung wieder in die Politik zurückkehren zu wollen. Seine politische Zukunft ist offen.

Tauber hatte das Amt des CDU-Generalsekretärs 2013 übernommen, es war eine überraschende Personalentscheidung Merkels. Eines seiner Hauptprojekte war die Modernisierung der Partei, er wollte mehr Mitbestimmung ermöglichen. 2015 noch bejubelt von Paul Ziemiak auf dem Deutschlandtag der Jungen Union:

"Er ist der Modernisierer der CDU Deutschlands. Du hast die Reformkommission für 'Meine CDU 2017' geleitet. Ich freue mich sehr, dass er da ist, Generalsekretär Peter Tauber."

Gemischte Bilanz

Mit seinem Bart, der auffälligen Brille und der Vorliebe für soziale Netzwerke hatte er auch das Image eines Nerds. Er sei einer der "digitalsten" Politiker Deutschlands, so schreibt es Conrad Clemens, Bundesgeschäftsführer der Jungen Union und Weggefährte Taubers auf Twitter. Anerkennung erfährt er auch von der politischen Konkurrenz, wie von Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen.

Trotzdem geht Tauber in seiner eigenen Partei mit einer gemischten Bilanz. Einigen Konservativen galt der Generalsekretär als zu liberal, weil er die Gleichstellung von Homosexuellen und die doppelte Staatsbürgerschaft unterstützte, die er auf dem CDU-Parteitag 2016 gegen Widerstände aus der eigenen Partei verteidigte:

"Und ich will aber, dass einer als Herzensentscheidung  sagt, ich will Bürger dieses Landes werden. Und das erreiche ich nicht durch den Zwang."

Trotz Kampfgeist wirkte Tauber mitunter glücklos. So verantwortete er den Wahlkampf 2017, der mit einem weichgespülten Motto - "Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" - und herben Verlusten für die Union endete.

Vor der Wahl gab sich der Merkel-Vertraute optimistisch:

"Die Ausgangslage für die Union ist gut. Wir liegen je nach Institut bei 40 Prozent."

Nach der Wahl - bei der die CDU 32,9 Prozent erreichte und damit über 8 Prozent verlor - bemühte er sich um Schadensbegrenzung:

"Ja, in der Tat, wir hätten uns ein besseres Ergebnis erhofft. Wir haben zwar die drei Wahlziele erreicht, Rot-Rot-Grün verhindern, Angela Merkel kann Kanzlerin bleiben. Jetzt muss man sich das in der Ruhe noch mal anschauen."

Wer wird Nachfolger? 

In Erinnerung sind auch Mobbing-Vorwürfe aus seinem Landesverband sowie ungeschickte Äußerungen auf Twitter gegen Mini-Jobber. Dass er längst mit nicht mehr die ganze Partei erreichte, wurde unter anderem im Herbst auf dem Deutschlandtag der – konservativ orientierten – Jungen Union deutlich, bei dem ihm für das schlechte Abschneiden der Partei deutlicher Unmut entgegenschlug.

Die Frage, wer ihm nachfolgen könnte, bringt einen neuen Impuls in die schwelende Personaldiskussion der CDU. Denn nun bricht eine Woche der Entscheidung für die Christdemokraten an. Bis zum 26. Februar muss Partei- und Regierungschefin Angela Merkel die Namen für die insgesamt sechs Ministerposten vorlegen. Die Forderungen aus der Partei nach personeller Verjüngung sind laut, nun muss auch die Nachfolge Taubers geklärt werden.

Obwohl noch keine Namen kursieren könnte der 37-Jährige Spahn eine interessante Personalie für den Posten des Generalsekretärs sein. Er gilt als konservativ und ehrgeizig, als Nummer zwei hinter Angela Merkel müsste er im Konrad-Adenauer-Haus aber eine Balance zwischen Veränderung und Kontinuität finden.

Möglich sind auch Julia Klöckner oder Helge Braun, ein Vertrauter Merkels aus dem Kanzleramt – und Hesse wie Tauber.

Am Vormittag tagen Präsidium und Vorstand in Berlin. Dann will Parteichefin Angela Merkel bereits einen Nachfolger für Peter Tauber benennen. Der könnte dann auf dem Parteitag der CDU am 26. Februar in Berlin gewählt werden.

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