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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Stunde der Gladiatoren und Einzelkämpfer24.02.2020

CDU-ParteivorsitzDie Stunde der Gladiatoren und Einzelkämpfer

Die CDU zerstöre sich nun selbst, kommentierte Stephan Detjen im Dlf. Die derzeitige Parteiführung habe keinen Einfluss mehr darauf, ob der Wettkampf zwischen den vier Kandidaten um den Parteivorsitz zur offenen Feld- oder Schlammschlacht werde - auch die CSU sei ausgebootet worden.

Von Stephan Detjen

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Annegret Kramp-Karrenbauer geht von der Bühne bei Ihrer Rede auf dem 32. Parteitag der CDU Deutschland in Leipzig 2019 (picture alliance/dpa - Flashpic/Jens Krick)
Annegret Kramp-Karrenbauer: Das Konrad-Adenauer-Haus habe keinen Einfluss mehr auf die Art, wie die neue Führung bestimmt wird, findet Stephan Detjen (picture alliance/dpa - Flashpic/Jens Krick)
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Diese CDU braucht keinen Youtuber Rezo mehr. Sie besorgt ihre Zerstörung jetzt selbst. Die Präsidiumssitzung, auf der die Parteispitze den Prozess der kommenden Wochen und Monate kanalisieren wollte, war eine Kapitulationserklärung. Die CDU hat keine Führung mehr.

Der Zeitplan, den Annegret Kramp-Karrenbauer vor ihrer Rückzugserklärung vor zwei Wochen verkündet hatte, war schon wenige Stunden später aus München abgeräumt worden. Nicht erst Klärung der Kanzlerkandidatur und dann Übergabe des Vorsitzes, wie Kramp-Karrenbauer es wollte, sondern erst Ordnung in der CDU, diktierte Markus Söder aus München und machte deutlich, wo in diesen Zeiten die letzte Ordnungsmacht in der Union ist.

Der Hamburger CDU-Spitzenkandidat Weinberg spricht mit der Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer, Bundeskanzlerin Merkel und dem stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Laschet (dpa/Michael Kappeler) (dpa/Michael Kappeler)Sonderparteitag: CDU plant den Wechsel
Über den neuen CDU-Vorsitz soll am 25. April auf einem Sonderparteitag in Berlin entschieden werden. Dies bestätigte die scheidende CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer nach Beratungen der Parteispitze in Berlin. Die möglichen Bewerber sollen sich noch in dieser Woche erklären.

Kramp-Karrenbauer sollte nun zunächst also das Kandidatenfeld sichten, verlangte das CDU-Präsidium und schickte die noch amtierenden Vorsitzenden damit auf eine politische 'Mission Impossible'. Norbert Röttgen führte den Führungsanspruch der Vorsitzenden und ihrer Stellvertreter ad absurdum, indem er mit seiner Überraschungskandidatur das ohnehin unübersichtliche Schachbrett von der Seite umwarf.

Die anderen Aspiranten ließen Kramp-Karrenbauer letzte Woche abtropfen und machten deutlich, dass sie sich von niemandem vorschreiben lassen wollen, wann, wo und wie sie sich zu einer Kandidatur erklären.

Das Adenauer-Haus hat keinen Einfluss mehr

Nicht einmal Regionalkonferenzen will die Parteispitze mehr organisieren. 2018 hatte sich die CDU noch dafür gefeiert. Das Format zwang die damaligen Kandidaten immerhin dazu, sich einem von der Partei bestimmten Reglement ihres Wettbewerbs zu unterwerfen. Jetzt liegt es an jedem Einzelnen, wie er seine Kampagne in den kommenden Wochen organisiert. Das Adenauer-Haus hat jedenfalls keinen Einfluss mehr darauf, ob der Wettkampf zur offenen Feld- oder Schlammschlacht wird.

Ausgebootet wurde heute auch die CSU, die gehofft hatte, der großen Schwesterpartei auf einer gemeinsamen Präsidiumssitzung Vernunft und Mäßigung zu predigen. Vor allem wollten die Bayern die CDU davor warnen, jenes Experiment zu wiederholen, mit dem die CSU vor der Landtagswahl 2018 gescheitert war: nämlich durch eine einseitige Fixierung auf die konservative Klientel am rechten Rand Wähler von der AfD zurückzugewinnen.

Der bedrohlichere Aderlass der Union findet zu den Grünen statt. Das dürfte auch die bayerische Kommunalwahl im März noch einmal belegen. Ob die CDU dann noch für solche Lehren erreichbar ist, steht in den Sternen.

In der Partei hat die Stunde der Einzelkämpfer und politischen Gladiatoren geschlagen.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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