Kommentare und Themen der Woche 08.07.2020

CDU und die FrauenquoteGleichstellung heißt auch, ein Stück vom Kuchen abzugebenVon Katharina Hamberger

Beitrag hören Delegierte stimmen auf dem Sonderparteitag der sächsischen CDU ab. Die Christdemokraten stimmten mit großer Mehrheit einer Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen zu. (ZB)In der CDU insgesamt liegt der Anteil weiblicher Mitglieder bei knapp 27 Prozent (ZB)

Die Frauenquote ist kein Instrument, das Frauen unbedingt wollen, meint Katharina Hamberger. Vielmehr ist es ein Instrument, um Strukturen aufzubrechen. Frauen bekommen so die Chance auf Mitbestimmmung - selbst wenn Männer schon alles unter sich ausgemacht haben.

Knapp 27 Prozent, so hoch ist der Frauenanteil in der CDU. Und seit den 1990er-Jahren hat sich daran kaum etwas verändert, bis auf eine verschwindend geringe Tendenz nach oben. Für eine Partei, die sich Volkspartei nennt, ist das eine nicht hinzunehmende Entwicklung.

Annegret Kramp-Karrenbauer lacht (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld) (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld)Vorschlag für Frauenquote - Wie die CDU weiblicher werden will
Politiker und Politikerinnen der CDU haben einen Vorschlag für eine verbindliche Frauenquote in ihrer Partei erarbeitet. Abschließend diskutiert wird er auf dem nächsten CDU-Parteitag im Dezember. Worum es dabei geht und wie die Quote umgesetzt werden soll – ein Überblick.

Das hat nun zumindest ein Teil der CDU offenbar erkannt. Die Entscheidung der Satzungs- und Strukturkommission, dass bis 2025 eine feste Quote von 50 Prozent für Vorstandswahlen ab der Kreisverbandsebene eingeführt werden soll, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn an einzelnen Stellen sicherlich noch mehr ginge, zum Beispiel dass Stühle leer bleiben müssen, wenn nicht genug Frauen kandidieren.

Jetzt kommen die üblichen Abwehrreaktionen

Aber es ist ein Anfang. Und es gilt jetzt für die CDU-Spitze auch die nötige Überzeugungsarbeit zu leisten, damit am Ende der Parteitag mitgeht. Denn schon jetzt kommen die üblichen Abwehrreaktionen.  

Da heißt es zum Beispiel, es gäbe ja keine Frauen, die sich bewerben wollten. Das mag im ein oder anderen Verband sicherlich zutreffen, aber es ist schon auch ein recht bequemes Argument. Wer das sagt, der akzeptiert im Endeffekt den Status Quo und zeigt mit dem Finger nur auf die Frauen, anstatt mal Strukturen zu hinterfragen, die Frauen möglicherweise davon abhalten zu kandidieren. Dann gibt es das Argument, es gehe ja auch ohne Quote. Wer das sagt, verschließt die Augen vor der Realität. Denn es hat ja jahrelang gerade nicht geklappt.

Die Frauenquote, sie ist kein Instrument, das Frauen unbedingt wollen, sondern sie ist eines, um diese Strukturen aufzubrechen und zu zeigen: Frauen haben die Chance, auch einen Posten zu bekommen, mitzubestimmen, ihre Sichtweise einzubringen, selbst wenn die Männer offenbar schon alles unter sich ausgemacht haben.

Und der Hinweis, Frauen können doch jetzt schon alles werden in der CDU, das sähe man doch an Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen, den kann man sich sparen. Denn klar, die drei sind Vorbilder. Sie zeigen, dass Frauen es schaffen können. Aber diese Vorbilder, die braucht es auch auf den unteren Ebenen, in der Kommunalpolitik, wo sie bislang an vielen Stellen fehlen. Sie zeigen anderen Frauen vor Ort, was man schon im Orts- oder Kreisverband bewegen kann, motivieren sie möglicherweise sich selbst zu engagieren. Nur so können auch weitere Frauen in der Partei nachwachsen.

Netzwerken, Absprachen und gegenseitige Förderung

Auch heißt es gerne, dass es mit einer Quote nicht mehr nach Leistung ginge. Von wegen. Männer, die qualifiziert sind, können ja nach wie vor einen Posten bekommen. Und man kann sich auch mal fragen, ob es wirklich so wenige qualifizierte Frauen gibt, oder ob es doch an etwas anderem liegt, dass Frauen seltener zum Zuge kommen.

Zudem stellt sich auch die Frage, ob tatsächlich jeder Mann seinen Posten nur auf Grund der Leistung bekommen hat, gerade in der CDU spielt zum Beispiel der Regionalproporz eine große Rolle und - auch wenn viele das nicht hören wollen - Postenbesetzungen sind oft eben auch von Netzwerken, Absprachen und gegenseitiger Förderung abhängig. Es schwingt hier also auch die Angst mit, Strukturen von denen Mann profitiert hat, aufgeben zu müssen. Da bietet die Quote doch auch gleich die Chance, sich selbst mal zu hinterfragen. Gleichstellung heißt halt auch, ein Stück vom Kuchen abzugeben. Oder wie die taz-Journalistin Anja Maier auf Twitter schrieb: "Ja, das tut jetzt mal ein bisschen weh".

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

 

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