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StartseiteSport am WochenendeKommt die Gehaltsobergrenze?19.09.2021

Champions LeagueKommt die Gehaltsobergrenze?

Ronaldo, Messi, Griezmann: Trotz Pandemie kaufen europäische Top-Clubs weiter. Die UEFA hat erkannt, dass das Financial Fair Play auch künftig weitgehend unwirksam bleiben wird und möchte fortan die Gehaltsbudgets der Champions-League-Teilnehmer regulieren. Aber auch diese Idee hat ihre Haken.

Von Constantin Eckner

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Ronaldo grinst im Laufen (AP Photo/Rui Vieira/dpa/picture-alliance)
Christiano Ronaldo bei seiner Rückkehr zu Manchester United (AP Photo/Rui Vieira/dpa/picture-alliance)
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Unter großem Jubel wurde Lionel Messi vor wenigen Wochen den Anhängern von Paris Saint-Germain präsentiert. Der Wechsel des Fußball-Megastars hat in diesem Sommer nicht nur eine Ära bei seinem Ex-Club FC Barcelona beendet, sondern war gewissermaßen auch der letzte Sargnagel für das Financial Fair Play.

Das Financial Fair Play, kurz FFP, wurde 2012 eingeführt, um die Ausgaben der Europapokalteilnehmer zu kontrollieren und Exzesse zu verhindern. Neun Jahre später hat sich nur wenig verändert. Immer noch werden horrende Transfersummen und Gehälter gezahlt, immer noch existiert beispielsweise in der Champions League eine Zwei- bis Drei-Klassengesellschaft.

Der europäische Fußballverband UEFA mit seinem ambitionierten Präsidenten Aleksander Čeferin möchte nun ein neues Regularium ins Leben rufen – konkret geht es um eine Deckelung der Gehälter. Martyn Ziegler von der britischen Tageszeitung "The Times" berichtete als erster darüber: "Die Gehaltsobergrenze wird gemessen am Gesamtumsatz des Clubs – zum Beispiel 70 Prozent des Umsatzes. Und Clubs, die diese Gehaltsobergrenze überschreiten, müssen eine Luxussteuer zahlen. Wenn man also die Obergrenze um 50 Millionen Euro überschreitet, muss man weitere 50 Millionen zahlen. Dieses Geld wird dann unter den Teilnehmern der Champions League aufgeteilt."

Wolfsburg's French defender Maxence Lacroix (L) and Leverkusen's German forward Florian Wirtz vie for the ball during the German first division Bundesliga football match VfL Wolfsburg v Bayer Leverkusen in Wolfsburg, northern Germany, on September 20, 2020. (Photo by Ronny Hartmann / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (AFP) (AFP)Fußball-Bundesliga - Entscheidende Phase im Kampf um 50plus1
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Transfersummen spielen dem Vernehmen nach im angedachten "Ausgaben-Kontroll-System", wie es Čeferin bezeichnet, keine Rolle. Stattdessen werden die Gehaltsstrukturen ins Auge gefasst. Bei den deutschen Vertretern wird jedoch die kolportierte 70-Prozent-Klausel ohnehin für kein Kopfzerbrechen sorgen, wie Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln sagt:

"Das ist weit über dem Prozentsatz, den die Bundesliga für Spieler ausgibt. Tatsächlich wissen wir heute noch nicht, wie Einnahmen definiert werden, ob die Einnahmen beispielsweise weiter gefasst werden als ursprünglich im Financial Fair Play. Dort waren es die relevanten Einnahmen, also die Einnahmen, die die Clubs unmittelbar aus ihrer fußballerischen Geschäftstätigkeit erzielten, entweder durch den Verkauf von Medienrechten, Zuschauereinnahmen oder durch Spielerverkäufe. In der alten Regelung waren Einnahmen durch Investoren explizit ausgeschlossen."

Transparenz durch die "Luxussteuer"

Dieser Aspekt beispielsweise wurde durch die UEFA noch nicht abschließend erläutert und könnte die Wirksamkeit des neuen Regelwerks entscheidend beeinflussen. Immerhin würde die angedachte Luxussteuer mehr Transparenz bei der Bestrafung schaffen. Im Rahmen des Financial Fair Play urteilte eine UEFA-Kontrollkommission, die auf teils diffuse Weise die Clubs abstrafte.

Čeferin sagte vergangene Woche in einem Zeitungsinterview: "Die Strafe muss hoch sein, um abzuschrecken. Wenn du mit den Strafzahlungen die anderen belohnst, die sich an die Regeln halten, könnte das zusätzlich helfen. Wir müssen zum Ende der Saison zu einer Entscheidung kommen. Es ist möglich, wobei unsere Mitarbeiter noch auf eine finale Antwort der Europäischen Kommission warten."

Bislang hieß es immer, dass die Entscheider in Brüssel einer Gehaltsobergrenze kritisch gegenüberstehen. Allerdings glauben mittlerweile viele innerhalb der UEFA, dass sich die Kommission mit dem vorgeschlagenen Modell anfreunden wird.

Milliarden nach Belieben

Trotz des löblichen Ansatzes könnte jedoch mit dem neuen Regelwerk aus der Zwei- nun endgültig eine Drei-Klassen-Gesellschaft werden. Denn unter den Top-Clubs gibt es jene mit großen und jene mit fast unerschöpflichen Finanzressourcen. Zu Letzteren gehören insbesondere die Teams in Besitz von Ölstaaten und Oligarchen.

Beispielsweise Paris Saint-Germain, also Messis neue Heimat, kann fast nach Belieben die Milliarden Katars ausgeben. Eine Strafzahlung von ein paar Millionen Euro wäre ein Klacks für die Emire. Ziegler dazu: "Geld ist für sie wirklich kein Problem. Ich denke, vor allem die älteren etablierten Clubs wie Real Madrid, Manchester United, Barcelona, Juventus halten das bestimmt für keine gute Idee, weil ihnen FFP auf gewisse Weise half."

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Kommen wir noch einmal zur Vorstellung von Messi in Paris. Neben dem kleinen Argentinier stand Nasser Al-Khelaifi. Der Katari ist ein Mann mit vielen Hüten: Präsident der Pariser, Präsident des TV-Rechteinhabers beIN Sports, Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees und Präsident der Europäischen Club-Vereinigung ECA. In seiner Funktion bei der ECA wird er auch an weiteren Beratungen zur angedachten Finanzregulierung teilnehmen.

Bislang wich Al-Khelaifi gekonnt Fragen aus, aber insgeheim wird er sich wünschen, dass es genau so kommt. Nachdem der Kelch namens Financial Fair Play an ihm vorübergegangen war, kann er wohl auch künftig Superstars wie Messi nach Belieben einkaufen.

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