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StartseiteSport am Wochenende"Unfair, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird"06.09.2020

Chaos bei den US Open"Unfair, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird"

Nach dem Chaos um die Kontaktpersonen des positiv getesteten Tennisspielers Benoit Paire herrsche bei den US Open eine große Verunsicherung unter den Spielerinnen und Spielern, sagt Bundestrainerin Barbara Rittner im Dlf. Das größte Problem sei das Thema Kommunikation.

Barbara Rittner im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Barbara Rittner ist zu Gast auf dem Tennisplatz bei den German Ladies´ Series (imago / ZUMA Wire / Rob Prange)
Tennis-Bundestrainerin Barbara Ritter kritisert die schlechte Kommunikation der Veranstalter bei den US Open. (imago / ZUMA Wire / Rob Prange)
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Der französische Tennisspieler Benoit Paire wurde vor dem Start der US Open positiv auf das Coronavirus getestet und durfte daraufhin nicht beim ersten Grand-Slam-Turnier nach der Coronapause antreten. Weitere elf Spielerinnen und Spieler, die im engeren Kontakt mit Paire standen, durften daraufhin nur unter strengen Auflagen spielen. Sie wurden von anderen Spielern isoliert und durften sich nur zwischen Hotel, Trainingsplatz und Matchcourt bewegen.

Vor dem Spiel des Franzosen Adrian Mannarino gegen den Deutschen Alexander Zverev wurde es dann aber chaotisch. Der Staat New York, wo die US Open stattfinden, schaltete sich ein und untersagte Mannarino, den Platz zu betreten. Der 32-Jährige ist eine der Kontaktpersonen von Paire. Erst nach knapp drei Stunden und intensiven Verhandlungen des US-Tennisverbands mit den Gesundheitsbehörden durfte Mannarino letztlich doch antreten und unterlag Zverev in vier Sätzen. Aber nun wurde Kristina Mladenovic, trotz zweier negativer Corona-Tests, von den Veranstaltern aus dem Doppel-Wettbewerb genommen. "Das ist nicht fair, wenn da mit zweierlei Maß gemessen wird und ich bin sehr gespannt, was sich der Veranstalter oder der Staat New York überlegt hat als Rechtfertigung für diese unterschiedlichen Behandlungensarten von diversen Spielerinnen und Spielern", sagte Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner im Dlf.

"Das große Problem ist das Thema Kommunikation"

"Das große Problem ist, wie uns auch alle Spielerinnen und Spieler bestätigen, ist das Thema Kommunikation. Es wird einfach nicht klar kommuniziert, was jetzt der Fall ist und dann am Ende auch noch unterschiedlich entschieden", so Rittner. Zwar hätten die Veranstalter versichert, an alle Eventualitäten gedacht zu haben. "Aber plötzlich schaltet sich die Politik ein. Das ist zwar ihr gutes Recht, aber so sind diese Unstimmigkeiten entstanden und das geht natürlich auf Kosten der Spieler, die vor Ort alles dafür tun, sich so zu verhalten, wie es sich gehört. Das ist schade, denn der Sport sollte nicht darunter leiden."

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Rittner ist nicht nach New York gereist, sondern verfolgt die US Open in München. In New York befinden sich die Spieler in einer "Bubble", einer Art geschlossenem System, in dem sie sich aber frei bewegen können und auch Minigolf oder Basketball spielen können. "Man kann sich das Leben in der Blase schon okay gestalten", erfuhr Rittner von den deutschen Profis.

Nun herrsche in der "Bubble" aufgrund der jüngsten Entwicklungen und der inkonsistenten Entscheidungen aber große Unruhe, so Rittner. "Der Informationsfluss muss einfach besser und transparenter werden, damit alle wieder zu ihrer inneren Ruhe finden. Denn Tennis entscheidet sich wie viele Sportarten im Kopf. Und dazu brauchst du eine innere Balance."

"Wahrscheinlichkeit, dass jemand positiv getestet wird, ist da"

Was die Veranstalter hätten besser machen können, möchte Rittner nicht bewerten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass von den 500 oder 1.000 Leuten, die mit dem Turnier zu tun haben, jemand positiv getestet wird, ist natürlich da. Das wird auch in Zukunft so bleiben, da muss man sich drüber im Klaren sein."

Als Hauptproblem macht Rittner die schlechte Kommunikation mit den Spielern aus. "Dass einfach mit vielen nicht direkt kommuniziert wird und dass die Spieler viele Dinge erst aus der Presse erfahren, das kann nicht sein. Die Betroffenen sollten aus erster Hand wissen, welche Regeln nun in Kraft treten und nach was da gehandelt wird."

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