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StartseiteInformationen am MorgenDie Hölle am Himmel13.08.2018

Chaos in der LuftfahrtDie Hölle am Himmel

Urlaubssaison: Chaos, überfüllte Terminals, stundenlanges Warten. Auch unabhängig von Pilotenstreiks sind viele Flughäfen überfordert. Von der stetig steigenden Passagierzahl aber auch von der veralteten Infrastruktur vieler Flughäfen. Dadurch entstehen Verzögerungen oder die Flieger bleiben gleich am Boden.

Von Mischa Ehrhardt

Ein Flugzeug fliegt der Morgensonne entgegen.  (imago stock&people, 84894481)
Im ersten Halbjahr flogen an deutschen Flughäfen 112 Millionen Passagiere - gut zwei Prozent mehr als im ersten Halbjahr vergangenen Jahres (imago stock&people, 84894481)
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Brütende Hitze und stundenlanges Warten an den Flughäfen in Bremen, Frankfurt oder München. Folge menschlichen Versagens an den Sicherheitskontrollen, wo Fluggäste unkontrolliert in den Abflugbereich gelangt sind. Ergebnis: zigtausende Passagiere mussten stundenlang warten oder verpassten ihre Flüge. In München wurden während eines solchen Vorfalls vor wenigen Tagen 330 Flüge gestrichen. Einer der Gründe für die auffällig oft auftretende Misere: Probleme bei der Bodenabfertigung. So beklagte Lufthansa Chef Carsten Spohr:

"Insbesondere bei den Sicherheitskontrollen gibt es sichtbare Probleme. Passagiere verpassen teilweise zu tausenden Ihre Flüge, weil die Infrastruktur nicht ausreicht. Oder weil die Infrastruktur oder die Prozesse veraltet sind."

Passagierzahlen gehen stetig und steil nach oben

So warnte auch der Flughafenverband ADV, dass die für Sicherheitskontrollen verfügbare Infrastruktur dem Wachstum des Weltluftverkehrs auf Dauer nicht standhalten könne. In der Tat gehen die Passagierzahlen stetig und steil nach oben: Im ersten Halbjahr flogen allein an deutschen Flughäfen 112 Millionen Passagiere - gut zwei Prozent mehr als im ersten Halbjahr vergangenen Jahres. Wohl jeder Deutsche kann sich heute einen Flug leisten – die Economy-Klasse bei den klassischen Airlines und vor allem die Billigairlines, die in den vergangenen 20 Jahren durch die Luft schwirren, haben das möglich gemacht. Gestrandete Urlauber am Freitag sind Ergebnis davon, dass irgendwer die Zeche zahlen muss. Die Piloten des Billigfliegers meinen, sie sind das. Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt fordern sie. Den Fluggast einer anderen Airline wundert nicht, dass dann auch mal Flüge wegen Streiks ausfallen können.

"Ja klar, also wer für 20 Euro auf der ganzen Welt irgendwohin fliegen will, der bekommt auch Probleme".

Hautquellen für menschengemachten CO2-Ausstoß

Die Probleme haben am Freitag in Europa rund 55.000 Ryanair-Kunden erfahren. Dass sie allerdings die Probleme der Vielfliegerei in brütender Hitze aussitzen oder ausschwitzen mussten, liegt auch an ihnen selbst. Denn der Flugverkehr ist eine der Hautquellen für den menschlichen CO2-Ausstoß. So gibt der oft auch als "Weltklimarat" bezeichnete Ausschuss für Klimaänderungen an, dass der Flugverkehr rund 5 Prozent zur globalen Erwärmung beitrage. Mobilitätsforscher Andreas Knie, vom Wissenschaftszentrum in Berlin, sagte zu dem Umweltproblem Flugverkehr anlässlich des Ryanairstreiks im Deutschlandfunk:

"Das ist tatsächlich immer noch ein Problem, solange die Flugpreise noch so skandalös billig sind, solange wir keine Kerosinsteuer haben, keine CO2 Belastung noch nicht mal Mehrwertsteuer das muss man sich mal vorstellen, jedes Produkt in Deutschland und Europa hat eine Mehrwertsteuer, nur der Flugpreis eben nicht, das sind alles noch Überlegungen gewesen die wir aus den 50er und 60er Jahren hatten, als den Menschen gesagt worden ist, fliegen ist das größte, das muss man unbedingt tun."

Aus dieser Perspektive – und wenn man sich das Chaos in den letzten Wochen an den deutschen Flughäfen ansieht – sollte man unbedingt nicht fliegen. Sonst jedenfalls wird man ihr nicht entkommen, der selbstgeschaffenen Hölle am Himmel – und am Boden.

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