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StartseiteUmwelt und VerbraucherHorrortrips mit Air Berlin und TUIfly20.10.2016

Chaos in der UrlaubszeitHorrortrips mit Air Berlin und TUIfly

Flug gestrichen, Koffer weg, keine Informationen: Immer wieder machen Reisende ärgerliche Erfahrungen mit Fluglinien. Bei TUIfly und Air Berlin mussten Fluggäste in den letzten Wochen wegen zahlreicher Krankmeldungen besonders oft in den sauren Apfel beißen.

Von Andreas Burman

Erschöpfte Urlauber warten am Flughafen in Hannover (Niedersachsen), nachdem ihr Tuifly-Flug um 4.00 Uhr nach Antalya kurzfristig gestrichen wurde.  (picture-alliance/ dpa/ Julian Stratenschulte)
Erschöpfte Urlauber warten am Flughafen in Hannover (Niedersachsen), nachdem ihr Tuifly-Flug um 4.00 Uhr nach Antalya kurzfristig gestrichen wurde. (picture-alliance/ dpa/ Julian Stratenschulte)

Kurz nach Mitternacht wollte Maren Köster mit ihrer Freundin in Köln-Bonn landen. Eine Stunde davor sitzt sie noch im Abflugbereich in Palma de Mallorca, wie die übrigen 179 Fluggäste von Air Berlin vertröstet mit einem Verzehr-Gutschein von fünf Euro. Angesichts ihrer frischen Erfahrungen mit der Fluglinie für die Kölnerin ein schwacher Trost:

"Wir sollten um fünf Uhr letzten Sonntag losfliegen und sind umgebucht worden auf einen Flug, der verspätet war. Sind dann auf einen Flug umgebucht worden, wofür wir noch hätten weiter reisen müssen, noch mal umsteigen, und haben dann einen Flug bekommen am nächsten Tag, aber erst abends – von Frankfurt. Also da mussten wir noch mit dem ICE fahren, und waren dann zwei Tage später im Urlaub. Anstatt acht Tage hatten wir sechs Tage Urlaub. Und jetzt ist der Flug schon wieder verspätet."

Andere Passagiere berichten von ähnlichen Erfahrungen. Kurz vor Mitternacht dann die Mitteilung: Flugzeug defekt, der Flug gestrichen, bitte das Gepäck abholen und zum Ausgang begeben. Dort erklärt ein Air-Berlin-Mitarbeiter, dass es mit Bussen in zwei Hotels geht. Allerdings: Viele Passagiere bekommen das zunächst nicht mit, stehen am großen Busparkplatz und wissen nicht, wo sie einsteigen sollen. Der Air-Berlin-Angestellte gibt sein Bestes, ruhig, sehr professionell, kann aber nicht überall zugleich sein. Ironisch meint er:

"Ich hab‘ das selber nicht organisiert. Ich bin einfach nur der nette Mensch, der kommt und die schlechten Nachrichten mitteilt." – "Haben Sie denn versucht, noch jemanden zu bekommen, der Ihnen unter die Arme greifen kann?" – "Meine Chefin hilft mir, per Telefon, gibt mir Kraft." – "Ok…" – "Ja, also …"

Bus zu klein, Koffer weg

Seinen Namen möchte er nicht nennen, obgleich er davon ausgeht, seinen Job bei Air Berlin ohnehin bald los zu sein. Die Passagiere sitzen schließlich in den Bussen:

"Möchte mal erst im Hotel ankommen, ich glaube noch gar nicht dran. Sind wir in zwei Stunden vielleicht, und dann ist die Frage, wann sie uns aus dem Bett holen, um uns wieder nach Hause zu fliegen."

Am gleichen Morgen, gegen halb neun, weiter wie gehabt: Nur ein Bus steht am Hotel, zu wenig für alle Passagiere. Der Busfahrer zuckt mit den Achseln, lässt Leute ihre Koffer mühsam in den Laderaum stopfen. Wie er seinen Koffer verstaut hat, frage ich einen herumstehenden Mann:

"Keine Ahnung, ich hab‘ keinen, meiner ist weg."

Er hat sein aufgegebenes Gepäck in der Nacht nicht zurückbekommen. Einem Familienvater aus Köln reicht es: "Kein Informationsfluss, weder gestern Nacht am Flughafen, noch jetzt. Alles durch Zufall. Eben kam mir noch jemand in Badelatschen auf dem Flur entgegen, der fragte, wann’s losgeht. Da hab‘ ich ihm gesagt, in zehn Minuten. Da hat er nur noch den Vogel gezeigt."

Klarer Fall für Ausgleichszahlungen

Eine 81-jährige Kölnerin pflichtet bei: "Dass sich keiner gezeigt hat, auch gestern Abend nicht. Es ist niemand gekommen und hat gesagt, was los ist. Kein Mensch. Und das, find‘ ich, ist ‘ne Sauerei."

Am späten Vormittag fliegen tatsächlich alle nach Hause. Passagiere eines gestrichenen Air-Berlin-Flugs nach Münster müssen aber auf Hannover ausweichen.

Unterm Strich ein klarer Fall für Ausgleichszahlungen, sagt Reiserechtler Kay Rodegra:

"Das ist ein Betrag zwischen 250 und 600 Euro, die Höhe ist abhängig von der Länge der Flugstrecke. Das ist ein Bargeldanspruch, man muss sich hier nicht mit Fluggutscheinen zufrieden geben. Und dann muss man ein kurzes Schreiben aufsetzen - man sollte keine Romane schreiben -, was passiert ist, eine Forderung stellen, eine Frist setzen, zwei, drei Wochen halte ich für ausreichend. Und wenn die Airline dann nicht reagiert, ist es absolut gerechtfertigt, sich einen Anwalt zu nehmen, und theoretisch muss die Airline dann die Anwaltskosten auch tragen, weil dann eine sogenannte Verzugslage eingetreten ist."

Air Berlin bedauert die entstandenen Unannehmlichkeiten, sieht die Passagiere gleichwohl servicegerecht versorgt, will die Vorwürfe dennoch prüfen. Ein Interview wird abgelehnt. Air-Berlin-Chef Stefan Pichler hat zuletzt in einer Pressekonferenz zum wichtigen Touristikgeschäft gesagt:

"Ist die Frage, wie man’s betreibt. Wir untersuchen derzeit strategische Optionen, wenn wir so weit sind, dann melden wir uns natürlich. Vielen Dank."

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