Mittwoch, 05. Oktober 2022

Kommentar zur Thronfolge
Charles III. wird beliebt werden – und zwar rasch und zu Recht

König Charles III. sei gut in sein neues Amt gestartet, kommentiert Christine Heuer. Er habe bereits Zeichen für eine mögliche Modernisierung des Königshauses gesetzt. Eines davon sei die politische Positionierung als Staatsraison.

Ein Kommentar von Christine Heuer | 10.09.2022

Großbritanniens König Charles III.
Großbritanniens König Charles III. (picture alliance / ap / Aaron Chown)
Kontinuität und Wandel: Diesen Spagat muss der neue König schaffen. Und er geht diese Aufgabe souverän an. In seiner ersten offiziellen Ansprache hat Charles III. genau den richtigen Ton getroffen. Er sprach als König und als Mensch. Der 73-Jährige erneuerte für sich den Schwur, den die Queen schon als junge Frau geleistet hatte: Das Leben des Monarchen dem Dienst an der Nation zu widmen.
Dann wurde er persönlich, fast intim, sprach von seiner „geliebten Mama“ und ließ spüren, wie sehr er sich nach der Thronbesteigung angewiesen fühlt auf die Unterstützung seiner Frau und des neuen Thronfolgerpaars William und Kate. Spagat Nummer 1: Staatsraison und ein Blick hinter die Kulissen – erstere stand für die Queen immer an oberster Stelle, letzteren gewährte sie so gut wie nie. Mit Charles an seiner Spitze könnte das Königshaus durchlässiger werden, menschlicher wirken.

Charles lässt politischen Ansichten durchblicken

Seine Mutter hatte den Thron im Nachkriegsengland bestiegen, er tut es in einer historischen Wirtschaftskrise und politisch äußerst volatilen Zeiten. Auf was ist noch Verlass in Brexit-Britain? Auf die Demokratie und die Monarchie, antwortet der neue Regent, ganz in der Tradition der verstorbenen Queen. Anders als Elizabeth neigt Charles jedoch dazu, seine politischen Ansichten durchblicken zu lassen. Das darf er eigentlich nicht.

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Meinungsstärke als Qualität

Großbritannien ist eine konstitutionelle Monarchie, aber wenn es ihm gelingt, seine Überzeugungen als roten Faden mit einzuflechten in die Neuaufstellung seines Landes, könnte sich seine Meinungsstärke als wertvolle Qualität erweisen. Schon als junger Mann hat Charles sich für Natur- und Klimaschutz stark gemacht – damals belächelt, heute die größte Herausforderung für die Menschheit. Er könnte ein „grüner König“ werden, es wäre eine Modernisierung der Monarchie, die gerade junge Britinnen und Briten überzeugend fänden. Spagat Nummer 2: Politische Positionierung als Staatsraison.

 Weniger Glamour, aber auch weniger Verschwendung

Schon zu Lebzeiten der Queen und mit ihr gemeinsam hat Charles damit begonnen, das Königshaus zu verschlanken. Vorbei die Zeiten, in denen auch Royals ab der dritten Reihe stets im Rampenlicht standen. Der neue König fokussiert sich auf die direkte Thronlinie: seine Geschwister (bis auf Andrew), seine Söhne (bis auf Harry) und deren Familien. Weniger Glamour, aber auch weniger Verschwendung. Das englische Königshaus wird skandinavischer. So mancher Kritik am Luxus einer Monarchie im 21. Jahrhundert dürfte das die Spitze nehmen. Spagat Nummer 3: Die Institution durch Modernisierung bewahren.

Kein schlechter Start

Bemerkenswert viele Chancen, die sich da auftun zu Beginn von Charles‘ Regentschaft. Keine davon ist Zufall, er hat sie alle selbst eröffnet, nun wird er versuchen, sie zu nutzen. Kein schlechter Start für einen König, der den größten Teil seines Lebens im Wartestand auf den Thron verbracht hat und nie sonderlich beliebt war. Auch das wird sich ändern, und zwar rasch.
Christine Heuer
Christine Heuer, geboren 1967 in Bonn, studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Anglistik. Sie war für den Deutschlandfunk freie Korrespondenten im Bonner und Berliner Hauptstadtstudio, Landeskorrespondentin in Nordrhein-Westfalen und in der Kölner Chefredaktion Chefin vom Dienst. Heuer war zuletzt Redakteurin in der Abteilung Aktuelles und moderierte viele Jahre lang die Sendung "Informationen am Morgen" im Deutschlandfunk. Seit 2020 berichtet sie als Korrespondentin aus Großbritannien und Irland.