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StartseiteCorsoSex in alten und neuen Medien28.08.2019

Charlotte RocheSex in alten und neuen Medien

Charlotte Roche ist wieder mit ihren Themen Liebe und Sex unterwegs – aber nicht mehr als Krawall-Autorin, sondern als Podcasterin und Doku-Filmerin. Gut zehn Jahre nach "Feuchtgebiete" und "Schoßgebete" kann sich die Generation 30-Plus bei ihr ausheulen, informieren und bestätigen.

Von Sammy Khamis

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Charlotte Roche auf dem Kanamara-Matsuri - dem "Penisfest", wo Japanerinnen und Japaner in Kawasaki Dildos in die Luft halten (Arte/Florianfilm)
Charlotte Roche auf dem Kanamara-Matsuri - dem "Penisfest", wo Japanerinnen und Japaner in Kawasaki Dildos in die Luft halten (Arte/Florianfilm)
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Charlotte Roche: "Ich habe Sachen gelernt und ich werde älter. Vieles, was ich früher gemacht habe, würde ich heute nicht mehr machen. Nicht, dass ich mich davon distanziere. Ich bin einfach eine andere Person geworden, und ich interessiere mich für andere Sachen. Die sind dann vielleicht auch etwas leiser, kann sein. Mich langweilt es sexuell, schockierende Sachen zu sagen. Über Sexualität in einer langen Beziehung zu reden, finde ich wieder okay - aber mehr mit leisen Tönen."

Sagt eine, von der man leise Töne nicht gewohnt ist: Charlotte Roche, Autorin, Moderatorin und seit diesem Jahr auch Podcasterin - ein Format in dem sie die leisen Töne geübt hat. Gemeinsam mit ihrem Mann - einmal die Woche.

Martin Keß: "Das ist doch schön, wenn man was hat; wenn du weißt: Einmal die Woche machen wir etwas zusammen."

Charlotte Roche: "Ich habe genau das gleiche gerade gedacht. Ich habe gerade hier die Dusche mit Wasser überschwemmt, also mit Duschwasser …"

Katzenurin, Seitensprünge und Wurfgeschosse

Seit dem Frühsommer ist ihr Podcast "Paardiologie" zu hören. Roche spricht mit ihrem Ehemann über ... ja über alles: Katzenurin, Seitensprünge und die Ausraster einer jungen Charlotte Roche:

Martin Keß: "Bei mir musst du dich nicht entschuldigen."

Charlotte Roche: "Warum?"

Martin Keß: "Weil ich mich freue, wenn du lachst. Ich hab' nichts dagegen, wenn es lustig wird."

Charlotte Roche: "Ich werfe schon viele Jahre nichts mehr nach meinem Mann. Das ist ein Ausdruck, dass irgendwas im Argen liegt, wenn man Gegenstände nach Leuten wirft. Ich bin kein Verfechter davon, wie es in romantischen Filmen dargestellt wird. Dass es ein Ausdruck von Leidenschaft ist. Ich bin eher der Meinung, das ist ein Ausdruck von Geistesgestörtheit an der man arbeiten muss, und das habe ich gemacht."

Neben dem Podcast von Charlotte Roche, der noch bis Ende September wöchentlich erscheint, hat sich die ehemalige Fernsehmoderation aber nicht ganz aus den alten Medien zurückgezogen.

Charlotte Roche: "Wir sind wieder in der Welt unterwegs in Sachen 'Liebes-Rituale.'"

Liebes- und Fruchtbarkeitsgesänge

Auf Arte startet gerade eine sechsteilige Doku-Serie mit dem Namen "Love Rituals". Der Inhalt: Liebe und Sex, aber nicht live aus Roches heimischem Schlafzimmer, sondern diesmal aus allen Teilen der Welt. In den ersten beiden Folgen reist die Moderatorin nach Israel und Japan - die Moderatorin besucht das Kanamara-Matsuri-Festival:

Charlotte Roche: "… dass die Japaner immer weniger Sex haben. Jetzt frage ich mich: Wie passt das alles zusammen?"

Charlotte Roche: "Das war ein schockierendes Erlebnis. Da tragen Mönche und Priester, also wirklich ernste seriöse Mönche und Priester, Phallen durch die Straßen, und tausende Tausende Menschen quetschen sich da dran und singen und beschwören die Liebe und die Fruchtbarkeit. Es wurden nur nur Penis- und vulvaförmige Sachen verkauft: als Eis, als Lutscher, als Kuchen, als Pralinen, als Holzschnitzfiguren. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich habe gedacht, ich bin auf LSD und im Himmel gelandet. Und das war für mich sehr schockierend zu sehen."

Chefaufkärerin der Nation

Charlotte Roche macht heute, was sie schon immer gemacht hat: Sie spricht über Sex und über Liebe. Das passiert in ihrem Podcast fast schon schonungslos persönlich - und trotzdem angenehm un-exibnitonistisch. In ihrer Doku-Reihe kommt das alles mit einem ethnologischen Touch daher - irgendwo zwischen Oberfläche und ehrlichem Interesse.

Mindestens so spannend wie die Entdeckungen der Sex-Ethnologin Charlotte Roche ist dabei ihre eigene Rolle: Denn Roche schafft es nicht zur neuen Chef-Aufklärerin der Nation zu verkommen - sie bleibt cool, entspannt, unverkrampft. Und das muss man ihr hoch anrechnen.

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