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StartseiteHintergrundMacau: Hongkongs unpolitischer Gegenpol19.12.2019

ChinaMacau: Hongkongs unpolitischer Gegenpol

Seit 20 Jahren gehört Macau als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zur Volksrepublik China - ähnlich wie der Nachbar Hongkong. Doch während dort gegen den wachsenden Einfluss Festlandchinas protestiert wird, sind die meisten Menschen in Macau zufrieden mit der Pekinger Staats- und Parteiführung.

Von Steffen Wurzel

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Blick auf die Skyline von Macau mit den vielen Casinos  (picture alliance/dpa/Duan Changzheng)
Reich statt rebellisch: Der Hauptgrund, weshalb es Macau wirtschaftlich ausgesprochen gut geht, ist vor allem das Glücksspiel. (picture alliance/dpa/Duan Changzheng)
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Der prächtige Largo do Senado - der Senatsplatz - ist das touristische Zentrum von Macau. Er grenzt an das Gebäude, in dem früher die Büros der portugiesischen Kolonialregierung untergebracht waren. Vor der Sankt-Dominikus-Kirche am Rande des Platzes steht Chen Qing Ying und macht Selfies mit drei Freundinnen. Sie sind zum Einkaufen nach Macau gekommen, erzählen sie fröhlich. Die vier Anfang-20-Jährigen wohnen in Zhuhai. Das ist die unmittelbare Nachbarstadt von Macau auf festlandchinesischer Seite, Luftlinie zehn Kilometer. Für Chen Qing Ying fühlt sich der Tagesausflug nach Macau aber an wie die Reise in ein anderes Land.

"Das ist alles so exotisch hier. So etwas gibt es nicht in Festland-China. Die Kultur ist nicht vergleichbar."

Und tatsächlich, auch wenn Macau seit nunmehr 20 Jahren als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zur Volksrepublik China gehört: Der prächtige Senatsplatz verströmt ein sehr europäisches Lebensgefühl. Die kleinen schwarzen und weißen Fliesen, mit denen der Platz wellenförmig-geschwungen gepflastert ist, erinnern an die Altstädte von Lissabon, Coimbra und Porto.

Mit einer Fläche von nur gut 30 Quadratkilometern ist die Sonderverwaltungsregion Macau der mit Abstand kleinste Landesteil der Volksrepublik. Zum Vergleich: Die Gesamtfläche Macaus entspricht rund einem Zehntel der Fläche des Bundeslandes Bremen.

Auch was die Bevölkerungszahl angeht, ist Macau der kleinste der 33 Landesteile Chinas: Auf engem Raum leben hier mit rund 650.000 Menschen - fast 100.000 mehr als in Bremen.

Auf der Südinsel von Macau, auf Taipa, befindet sich der Campus des Polytechnischen Instituts Macau und das Büro von Xu Chang. Der gebürtige Pekinger leitet das "Centro de Estudos de um país, dois sistemas", also das Zentrum für Ein-Land-Zwei-Systeme-Studien. 

Mehr als 400 Jahre lang herrschten hier die Portugiesen

Ein Land, zwei Systeme – ähnlich wie die Nachbarstadt und frühere britische Kolonie Hongkong, wird auch Macau seit 20 Jahren nach diesem völkerrechtlich sehr speziellen Prinzip regiert. Damals übergaben die Portugiesen ihre Kolonie Macau nach mehr als 400 Jahren Herrschaft über das Gebiet an die Volksrepublik China. Die Staats- und Parteiführung in Peking ist seitdem offiziell nur für Landesverteidigung und Außenpolitik von Macau zuständig. Den Rest regelt die Regierung der autonom regierten Stadt selbst. Mit der Art und Weise wie Macau heute regiert wird, ist Politologe Xu Chang zufrieden. Das überrascht nicht. Denn das von ihm geleitete "Zentrum für Ein-Land-Zwei-Systeme-Studien" ist ein ausdrücklich regierungsnahes Institut. Wirklich kritische Positionen sind also nicht zu erwarten. Xu verweist auf Statistiken, die belegen, dass es Macau wirtschaftlich so gut geht wie noch nie.

"Das Bruttoinlandsprodukt ist rasant gestiegen. 1999 lag es bei rund 15.000 US-Dollar pro Einwohner, 2018 waren es gut 112.000 US-Dollar pro Kopf. Dieser Wohlstand hat für umfassende gesellschaftliche Stabilität gesorgt."

Menschen flanieren über den geschmückten Largo do Senado-Platz in Macau (imago images / Danita Delimont)Der prächtige Largo do Senado - der Senatsplatz - ist das touristische Zentrum von Macau (imago images / Danita Delimont)
Die Politik der Regierungen von Macau seit der Übergabe habe der Stadt gut getan, betont Xu Chang. Auch die Staats- und Parteiführung in Peking habe einen Anteil an diesem wirtschaftlichen Erfolg.

Der Hauptgrund aber, dass es Macau wirtschaftlich so ausgesprochen gut geht, ist vor allem das Glücksspiel. Denn die frühere portugiesische Kolonie ist der einzige Ort in ganz China, an dem Spielcasinos erlaubt sind. Mehr als 40 gibt es in der Sonderverwaltungsregion, darunter auch das "Venetian Macau", das flächenmäßig größte Spielcasino der Welt.

Die meisten Besucher kommen aus Festlandchina. "In Macau geht es vor allem um Baccarat, Black Jack, Roulette, Würfelspiele, diverse Spiele, die es nur in China gibt - und um Poker."

Bella Vong arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Branche. Angefangen hat sie als Croupier, heute ist sie Managerin in einem der großen Casinos entlang des so genannten Taipa-Strips. Das ist die Mitte der 2000er-Jahre angelegte Prachtstraße, an der die größten und modernsten Casinos der Stadt liegen. Bella Vong ist eine von rund 110.000 Menschen in Macau, die in einem Spielcasino arbeiten.

"Ich sehe es so: Wir sind nun einmal eine Stadt der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Das darf den Menschen natürlich nicht schaden. Ich verstehe mich selbst als Unterhaltungs-Dienstleisterin und hoffe ganz einfach, dass die Leute hier eine gute Zeit haben."

Das wirtschaftliche Schicksal Macaus hängt am Glücksspiel

Glücksspiel hat eine lange Tradition in der früheren portugiesischen Kolonie. Doch erst nach Macaus Übergabe an China vor 20 Jahren nahm die Branche so richtig Fahrt auf, nachdem die Regierung der Sonderverwaltungsregion Anfang der 2000er-Jahre die Regeln für Casinos lockerte und so ausländische Anbieter anlockte. Innerhalb weniger Jahre wurde die Branche zum mit Abstand wichtigsten Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Im Jahr 2018 erzielten die Casinos in Macau einen Jahresumsatz von fast 35 Milliarden Euro. Es ist ein offenes Geheimnis: Das wirtschaftliche Schicksal Macaus hängt am Glücksspiel.

"Wir wissen alle, dass das gefährlich ist. Schon seit zehn Jahren spricht die Regierung darüber, dass wir unsere Wirtschaft vielseitiger aufstellen müssen und nicht nur auf Glücksspiel setzen dürfen." 

Agnes Lam ist Abgeordnete im Parlament von Macau. Obwohl sie eher dem pro-festlandchinesischen und regierungstreuen Lager im Parlament zuzuordnen ist, kritisiert die frühere Fernsehmoderatorin die Regierung in Bezug auf das Glücksspiel. Sie wünscht sich mehr staatliche Aufsicht und Kontrolle.

Die Casinos sorgen für üppig gefüllte staatliche Kassen in Macau. Von Januar bis Oktober 2019 zum Beispiel haben die Casinos der Sonderverwaltungsregion nach Branchenangaben so fast elf Milliarden Euro Steuern gezahlt. Trotzdem sagt die Abgeordnete Agnes Lam:

"Das tut Macau auf Dauer nicht gut. Ich finde, wir hängen wirtschaftlich zu stark von den Casinos ab. Das ist das eine. Außerdem bindet die Glücksspiel-Branche zu viele gesellschaftliche Ressourcen. Auch das schadet uns und treibt auch die Inflation nach oben."

Nicht nur das, denn selbst die Glücksspiel-Branche ist nicht gefeit vor den Auswirkungen der wirtschaftlichen Turbulenzen in Festlandchina und vor den Folgen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Weil die Besucher aus Festlandchina nun weniger Geld einsetzen, sind die Umsätze der Casinos in Macau zuletzt gesunken. Das könnte die Sonderverwaltungsregion nächstes Jahr sogar in eine Rezession stürzen, sagen Analysten. Auch deswegen fordern immer mehr Bürger, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft, die Wirtschaft Macaus breiter als bisher aufzustellen. Doch das ist leichter gesagt, als getan, sagt Casino-Managerin Bella Vong: 

"Ich habe schon das Gefühl, dass die Regierung die Betreiber dazu drängt, auch Unterhaltungsangebote aufzubauen, die nichts mit Glücksspiel zu tun haben. Allerdings müssen wir feststellen, dass zum Beispiel internationale Unterhaltungsshows und dergleichen einfach nicht genügend Zuschauer anlocken. Das liegt vermutlich daran, dass sich unsere Gäste aus Festlandchina nicht genügend dafür interessieren."

Echte Demokratie gibt es in der Sonderverwaltungsregion nicht

Trotz der sich abschwächenden Wirtschaft in Festlandchina sind die Säle mit den Roulett-, Blackjack- und Pokertischen immer noch gut gefüllt. Die Spielcasinos machen zwar weniger Gewinne als bisher, aber ganz offensichtlich funktioniert das Konzept der Riesen-Spielcasinos mit den angeschlossenen Hotels und Einkaufszentren immer noch zu gut, um grundsätzlich etwas zu ändern.

Die Annehmlichkeiten, die das schnelle und vor allem viele Geld schafft, haben in Macau auch dazu geführt, dass sich viel weniger Menschen für Politik interessieren, als zum Beispiel in der Nachbarstadt Hongkong. Eine laute Opposition oder gar Proteste und Demonstrationen gegen die Regierung gibt, das gibt es in Macau nicht. Seit dem Abzug der Portugiesen vor 20 Jahren wird die Stadt von ausdrücklich festlandchina-freundlichen Politikern regiert. Echte Demokratie gibt es in der Sonderverwaltungsregion Macau nicht. Ähnlich wie in Hongkong werden etwa die Regierungschefs von einem nicht demokratisch legitimierten Wahlleute-Gremium bestimmt. Und de facto wird der Kandidat oder die Kandidatin vorab von der kommunistischen Staatsführung in Peking ausgesucht. Teilweise demokratisch gewählt wird zumindest das Parlament. Doch auch hier sorgen bestimmte Gesetze dafür, dass pro-festlandchinesische Abgeordnete immer die Mehrheit behalten. Denn von den 33 Sitzen werden nur 14, und damit nicht einmal die Hälfte, frei gewählt von den Menschen in Macau.

Macau: Casino im Galaxy Hotel (picture alliance / dpa / Ym Yik)Die Casinos sorgen für üppig gefüllte staatliche Kassen in Macau (picture alliance / dpa / Ym Yik)
Einer dieser frei gewählten Abgeordneten ist Sulu Sou. Der 28-Jährige ist der jüngste Politiker im Legislativrat von Macau. Anders als die ebenfalls frei gewählte Abgeordnete und frühere Fernsehmoderatorin Agnes Lam sieht sich Sulu Sou als Regierungskritiker im Parlament. Einfach ist es für ihn und seine Partei "Vereinigung Neues Macau" nicht.

Nicht nur im Parlament seien sie in der Minderheit, sagt Sulu Sou, sondern auch in der Gesellschaft von Macau. Trotzdem habe seine Arbeit und die der wenigen anderen regierungskritischen Abgeordneten durchaus Sinn.

"Bei Parlamentsabstimmungen können wir zwar nicht das Ergebnis beeinflussen, aber wir nehmen Einfluss auf die Gesetzgebung und die Gestaltung der Politik. Wir erhalten während der Beratungen Regierungsinformationen aus erster Hand. Und diese können wir unmittelbar der Öffentlichkeit und der Presse zur Verfügung stellen."

16.000 öffentliche Kameras

Sulu Sou sieht seine Aufgabe in erster Linie darin, das Handeln der Politik transparent zu machen. Entsprechend sind er und seine Partei online sehr aktiv, vor allem bei Facebook. Das Thema, das Sulu Sou zurzeit besonders politisch umtreibt, sind die zahlreichen neuen Überwachungskameras in der Stadt.

"Seit Beginn der Demokratiebewegung in Hongkong, der sogenannten Regenschirmbewegung vor fünf Jahren, ist die Regierung von Macau vorsichtiger geworden. Sie hat zahlreiche Gesetze zur öffentlichen Sicherheit durchs Parlament gebracht und eine Menge Überwachungskameras wurden überall in der Stadt installiert. Wir haben jetzt bereits 16.000 öffentliche Kameras in dieser kleinen Stadt. Ab nächstem Jahr sollen sie auch mit Gesichtserkennung ausgerüstet werden. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf dieses Thema lenken."

Nicht nur beim Thema Überwachungskameras erwähnt der junge Abgeordnete Vorgänge in der Nachbarstadt Hongkong. Im Gespräch bezieht er sich mehrmals auf die nur rund 40 Kilometer östlich von Macau gelegene frühere britische Kolonie. Beide Städte hätten einiges gemeinsam, es gebe aber auch viel Trennendes, betont Sulu Sou:

"Hongkong und Macau, das sind unterschiedliche Gesellschaften. Wir haben eine unterschiedliche Geschichte. Wir sind komplett verschieden. Aber wir teilen ein gemeinsames Schicksal: Wir sind die einzigen beiden Sonderverwaltungsregionen im Herrschaftsbereich der Pekinger Führung."

Gemeinsam haben beide Städte den politischen Sonderstatus unter dem Motto "Ein Land, zwei Systeme." Die Bürger in Macau genießen wie die in Hongkong gewisse Autonomierechte wie Meinungsfreiheit und unzensiertes Internet. Außerdem hat Macau wie Hongkong eine eigene Währung, ein eigenes Zollsystem und Passkontrollen an den Grenzen zu Festlandchina. Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten, sagt Xu Cheng vom Zentrum für Ein-Land-Zwei-Systeme-Studien:

"Macau ist in einem weitaus besseren Zustand als das Hongkong, das wir gerade erleben. Wir haben stabile politische Verhältnisse, eine wachsende Wirtschaft und ein gutes gesellschaftliches Miteinander. Das ist ganz offensichtlich." 

Die Mehrheit der Menschen hat sich arrangiert

Während das benachbarte Hongkong seit Juni die größte politische Krise seit Ende der Kolonialzeit durchlebt, mit Demonstrationen, Massenprotesten, Streiks, Ausschreitungen und blutigen Polizeieinsätzen, hat sich eine Mehrheit der Menschen in Macau mit dem pro-festlandchinesischen Kurs der Regierung ganz offensichtlich arrangiert. Das hat eine lange Tradition: Als es Ende der 60er-Jahren zu Anti-Portugiesischen Protesten in Macau kam, ließen sich die damaligen Kolonialherren auf ein Geschäft ein: Chinas kommunistische Staats- und Parteiführung wurde indirekt eingebunden in die Regierungsgeschäfte von Macau, weit vor der eigentlichen Übergabe der Stadt vor 20 Jahren. Nach Ansicht des pro-demokratischen Abgeordneten Sulu Sou heißt das aber nicht, dass alle zufrieden sind mit den Zuständen in Macau. Natürlich gebe es auch hier viel Frust und Unzufriedenheit.

"Viele Leute hier, die unabhängig denken können, sind gegen den Kurs der Regierung von Macau. Gleichzeitig haben sie Angst, das öffentlich zu äußern. Sie fürchten sich vor Jobverlust, vor Problemen an der Universität und vor Stress mit der Familie. Deswegen sind wir in der Minderheit."

Wenn man mit dem Bus unterwegs ist, kann man die Sonderverwaltungs-region Macau in rund einer dreiviertel Stunde komplett von Nord nach Süd durchfahren. Die Haltestellen werden in vier Sprachen durchgesagt: auf Kantonesisch, Portugiesisch, Hochchinesisch und Englisch. 

Muttersprache ist für die meisten Menschen in Macau Kantonesisch, das auch in Hongkong und in weiten Teilen der angrenzenden festlandchinesischen Provinz Guangdong gesprochen wird. Das Hochchinesisch – auch Mandarin genannt – hat in den vergangenen 20 Jahren allerdings massiv an Bedeutung gewonnen, vor allem wegen der vielen Einwanderer aus Festlandchina. Sie stellen inzwischen mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Portugiesisch ist immer noch Amtssprache in Macau. Alle offiziellen Regierungsdokumente werden nach wie vor ins Portugiesische übersetzt. Auch Verkehrszeichen, Hinweisschilder, Banknoten und viele Werbetafeln sind in Macau portugiesisch beschriftet.

Der portugiesischste Ort in Macau ist das kleine, verschlafene Dorf Colonel, ganz im Süden von Taipa. Mit seiner gemütlichen Uferpromenade, der kleinen Kirche und einem mit Kolonaden umringten Marktplatz könnte Coloane auch als Dorf an der portugiesischen Algarve durchgehen.

Ein 72-Jähriger Ladenbesitzer sitzt vor seinem kleinen Kiosk, in dem es offensichtlich fast ausschließlich Bier und Limonade zu kaufen gibt. Er fühle sich sehr wohl hier im Dorf, erzählt er, denn jeder kenne hier jeden. Darauf sei Verlass.

Macau gehört zu den Städten in China mit den wenigsten Problemen

Seit 50 Jahren lebe er hier in dem Haus hinter dem Kiosk, erzählt der Ladenbesitzer. Verändert habe sich nicht besonders viel in Coloane. Daran habe auch die Übergabe von Portugal an China nicht viel geändert. Mit einer Ausnahme.

"Anders als früher haben wir alten Leute jetzt mehr Geld zur Verfügung. Jeden Monat gibt es einige hundert Euro vom Staat. Der Tag der Übergabe vor 20 Jahren - das war kein großes Ding für mich. Es hat sich ja nichts geändert. Aber natürlich bin ich froh, dass Macau jetzt wieder zu China gehört."

Zweifelsohne gehört Macau zu den Städten in China mit den wenigsten Problemen und Sorgen. Nirgendwo sonst in Ost-Asien sind die Menschen im Schnitt so reich, nirgendwo sonst werden sie so alt wie in der früheren portugiesischen Kolonie. Das verführe viele Menschen dazu, völlig zu verdrängen, dass es im Jahr 2049 vorbei ist mit dem Autonomiestatus von Macau, sagt der regierungskritische Abgeordnete Sulu Sou.

"In Hongkong wird bereits seit Jahren über das Ende des 50 Jahre dauernden Autonomie-Status diskutiert. Bei uns findet diese Debatte nicht statt. Die Menschen erfreuen sich an der guten wirtschaftlichen Lage."

Bis in Macau in 30 Jahren die mit Portugal ausgehandelte Übergangszeit ausläuft und der Status als autonome Sonderverwaltungsregion endet, will der 28-Jährige weiter kämpfen für die Bewahrung der Bürgerrechte und für mehr Demokratie in Macau. Auch, wenn das nicht einfach sei.

"Wir müssen optimistisch bleiben. Meine Mitstreiter und ich sind zwar eine Minderheit in Macau, aber wenn wir aufhören für diese wichtigen Grundwerte einzustehen, wer macht es dann? Das ist der Grund, warum ich nicht aufhöre, zu lächeln."

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