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StartseiteWirtschaft und GesellschaftNoch nicht abschreiben29.01.2016

Chinas WirtschaftNoch nicht abschreiben

Chinas Wirtschaft steckt in der Krise. Diese Aussage hört man in letzter Zeit häufig. Doch so einfach ist es nicht. Während weltweit Manager, Analysten und Politiker vor einem Crash warnen, sehen das Wirtschaftsexperten in China selbst ganz anders.

Von Steffen Wurzel

In einem Hafen im Osten Chinas werden Container verladen. (afp / STR)
Früher galt China als "Werkbank der Welt". Das gesamte Wirtschaftskonzept der Volksrepublik war auf den Export ausgerichtet. (afp / STR)

Chinas Wirtschaft wächst

Vergangenes Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt um 6,9 Prozent gewachsen, so die offizielle Zahl. Gut möglich, dass die tatsächliche Zahl sogar darunter liegt. Im Vergleich zu den zweistelligen Wachstumsraten vor zehn Jahren ist das wenig. Unterm Strich ist Chinas Wirtschaftswachstum aber immer noch beeindruckend. Analysten rechnen vor: In absoluten Zahlen hat das Inlandsprodukt in China vergangenes Jahr mehr zugelegt als 2005, obwohl damals die Wachstumsrate viel höher war. Das Tempo des Wachstums hat sich zwar verlangsamt. Aber eine Rezession, also ein Rückgang der Wirtschaftsleistung, ist nicht absehbar. Von einem Abschwung zu sprechen wäre also falsch.

In China leben immer mehr wohlhabende Menschen

Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten in China steigen. Ebenso der Lebensstandard. Nach einer Studie der britischen Zeitschrift "Economist" zählen inzwischen rund 25 Prozent der chinesischen Bevölkerung zur Mittelschicht. Vor zehn Jahren waren es nur zehn Prozent. Diese Mittelschicht ist bereit Geld auszugeben und zu konsumieren. In China trägt der Privatkonsum bisher rund 37 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. In den USA ist es fast doppelt so viel. Aus Sicht der Konsumwirtschaft ist also noch einiges aufzuholen in China.

Chinas neue Wachstumsbranchen bringen viele Chancen

Früher galt China als "Werkbank der Welt". Das gesamte Wirtschaftskonzept der Volksrepublik war auf den Export ausgerichtet. Kleidung, Alltagsgegenstände und einfache Elektronikprodukte wurden sehr billig und in sehr großen Mengen in chinesischen Fabriken hergestellt und auf dem ganzen Weltmarkt verkauft. Inzwischen wird in anderen Ländern billiger produziert. Chinas Wirtschaft wandelt sich. Künftige Wachstumsbranchen sind Felder wie Biotech, erneuerbare Energien und Internet-Technologie. Davon dürften deutsche Firmen überdurchschnittlich profitieren.

China hat riesigen Nachholbedarf im Bereich Service

Chinesische Verbraucher geben immer mehr Geld auch für Dienstleistungen aus. Künftige Wachstumsbranchen sind zum Beispiel Bildung, Pflege und Sport. Auch der Unterhaltungssektor wächst in China rasant. Beispiel Kino: Der Umsatz durch den Verkauf von Kinokarten ist zuletzt um fast 50 Prozent gestiegen. Fürs laufende Jahr rechnen Experten mit einem Anstieg um weitere 25 Prozent.

Vor Chinas Börse sollten wir keine Angst haben

Die chinesischen Börsen haben in den vergangenen Monaten mehrere Crashs erlebt. Auch Anlegern in Europa hat das Sorgen gemacht. Die sind berechtigt, dürfen aber nicht übertrieben werden. Die Regeln, die für an Chinas Börsen gelistete Unternehmen gelten, sind viel laxer als bei uns. An Chinas Börsen geht es unseriöser zu als in Europa oder Amerika. Deswegen auch die auffälligen Kursausschläge an den Börsen in Schanghai und Shenzhen. Mit denen in Frankfurt, London oder New York sind die festland-chinesischen Börsen nicht zu vergleichen.

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