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StartseiteInformationen am MorgenHoffen auf die Öffnung Nordkoreas11.06.2018

Chinesische Grenzstadt DandongHoffen auf die Öffnung Nordkoreas

Die Stadt Dandong ist die wichtigste chinesische Grenzstadt zu Nordkorea. Rund zwei Drittel des nordkoreanischen Handels läuft über Dandong. Weil derzeit viele auf eine Öffnung Nordkoreas hoffen, wächst die Laune der Investoren und die Preise für Wohnungen und die Hoffnungen der Menschen steigen.

Von Axel Dorloff

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Die Stadt Dandong am Yalu-Fluss ist die wichtigste chinesische Grenzstadt zu Nordkorea. (dpa/ picture alliance/ Yang Yang)
Die Yalu-Brücke über den Grenzfluss. Die Stadt Dandong ist die wichtigste chinesische Grenzstadt zu Nordkorea. (dpa/ picture alliance/ Yang Yang)
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Handel über den Grenzfluss Wie eine chinesische Stadt Nordkorea hilft

Singapur, kaum ein Name passt derzeit besser. Singapur City am Yalu-Fluss. So heißt eine Hochhaussiedlung in der nordostchinesischen Stadt Dandong. Aus den Wohnungen hat man freien Blick über den Yalu-Fluss nach Nordkorea. Auf grüne Maisfelder und graue, barackenartige Gebäude. Der 45-jährige Yangxiao Chun hat hier gerade eine Wohnung gekauft. 107 Quadratmeter, für sich und seine Frau. Fürs Alter, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind.

"Ich erwarte, dass sich die Situation auf der koreanischen Halbinsel stabilisiert. Und mit der Stabilität kommt die Entwicklung. Wenn ich in den Ruhestand gehe, hat sich das hier sicher prächtig entwickelt. Ich habe das verglichen: hier etwas zu kaufen, ist viel besser als in meiner Heimatstadt in Südchina. Der Wert kann enorm steigen."

Immobilien-Markt boomt

Die Immobilienpreise in Dandong sind heute rund doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Das Interesse an Immobilien steigt, seitdem sich die politische Situation entspannt. Die Menschen rechnen für die Grenzstadt Dandong über kurz oder lang mit einem Boom. Chun ist extra aus der südchinesischen Provinz Anhui gekommen, um in Dandong eine Wohnung zu kaufen. 1800 Kilometer weit weg.

"Als ich kam, musste ich mich in der Schlange anstellen, mehr als 20 Leute waren vor mir! Anfang Mai hat die Regierung in Dandong neue Maßnahmen eingeführt, um die Spekulation mit Immobilien zu verhindern. Käufer von außen dürfen jetzt Wohnungen fünf Jahre nicht verkaufen und brauchen 50 Prozent Eigenkapital. Wenn erstmal die neue Brücke geöffnet wird, ist diese Lage hier wirklich gut!"

Nur wenige hundert Meter weiter führt die neue, riesige Yalu-Brücke über den Grenzfluss. Sie wurde 2014 fertig gestellt, endet jedoch im nordkoreanischen Ackerland. Weil die Verkehrsanbindung auf koreanischer Seite bislang nicht existiert, lässt sie sich nicht nutzen. Aber Dandong ist auf den Tag vorbereitet, an dem es möglich sein wird, mit einem offenen Nordkorea Handel zu treiben.

Im Hafen von Dandong, etwas weiter stadteinwärts. Mit dem Boot kann man sich bis auf wenige Meter den Kaimauern der nordkoreanischen Stadt Sinuiju nähern. Der Grenzfluss Yalu verläuft zwischen Sinuiju und Dandong. 340.000 Einwohner auf nordkoreanischer und 2,5 Millionen auf chinesischer Seite.

Ein nordkoreanisches Ausflugsboot fährt vorbei, die Menschen tragen braun-graue Einheitsanzüge und Hüte, sie winken freundlich. Ob Fischer, Hafenarbeiter oder Wachsoldaten auf dem nordkoreanischen Festland, die Atmosphäre im Grenzhafen wirkt entspannt.

Entspannte, fast euphorische Stimmung auch auf der so genannten "Zerbrochenen Brücke". Frauen in bunten Regenjacken drängeln sich auf die Aussichtsplattform, von der man durch Stand-Fernrohre nach Nordkorea blicken kann. Die "Zerbrochene Brücke" ist im Korea-Krieg zerstört und auf nordkoreanischer Seite nicht wieder aufgebaut worden. Der chinesische Teil endet in der Mitte des Flusses und ist heute eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten für Touristen in Dandong, wie Liu Yuqin.

"Wir waren glücklich, als wir gesehen haben, dass Nordkoreas Führer Kim zuletzt zweimal China besucht hat. Es ist unser Wunsch, dass die Beziehungen zwischen China und Nordkorea besser und besser werden."

Zuversicht und Optimismus in Dandong

Dandong gilt als Gradmesser für die Stimmung zwischen China und Nordkorea. Und die vergangenen Wochen haben viel verändert. Zweimal haben sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un getroffen. Einmal kam Kim überraschend mit dem Nachtzug nach Peking, ein anderes Mal zum Strandspaziergang in die nordostchinesische Stadt Dalian. Zuvor herrschte jahrelange Eiszeit. Dazu der Gipfel zwischen Kim und Trump. Es herrscht Zuversicht und Optimismus in Dandong, auch auf der Mondinsel. Ein Bauprojekt mitten im Yalu-Fluss, auf einer künstlich aufgeschütteten Insel.

Ein Highend-Wohnprojekt soll es sein, Leben auf dem Fluss, das ewige Urlaubsgefühl. Das zumindest verspricht der Werbeclip für die sieben Hochhäuser auf der Mondinsel. Maklerin Zhang Tong springt in ein kleines Elektromobil und zeigt die begehrten Wohnungen.

"Das Projekt verkauft sich gut, 60 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft. Die Gebäude sehen aus wie Segel. Auch unsere Insel hat die Form eines Segels. Wir haben viel Geld fürs Design ausgegeben. Alle Wohnungen sind nach Süden ausgerichtet. Diese Wohnung hier hat 110 Quadratmeter. Bequem und groß genug für eine Familie mit drei Personen."

Und mit Blick auf die Stadt Sinuiju. Sie ist Nordkoreas Tor für den Handel mit China, mit einer Eisenbahnverbindung in die Hauptstadt Pjöngjang. Vom Balkon sieht man die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke. Sie verbindet beide Länder per Schiene und Straße. Die Lebensader für das Regime in Nordkorea. Den ganzen Tag fahren Lastwagen mit Waren und Rohstoffen über die Grenze, auch wenn viele Produkte aufgrund der UN-Sanktionen zurzeit nicht gehandelt werden dürfen. In Dandong gibt es koreanische Straßenschilder, Händler und Restaurants. Mit Kellnerinnen aus Nordkorea, die den Gästen beim Essen Karaoke singen.

Hoffnung auf Beginn einer neuen Ära

Ob Nordkoreaner oder Chinesen, die Menschen hoffen auf den Beginn einer neuen Ära. Auch Wohnungskäufer Yangxiao Chun, der im Wohnkomplex Singapur City umgerechnet rund 100.000 Euro für 107 Quadratmeter gezahlt hat. Vor wenigen Monaten hat seine Wohnung noch die Hälfte gekostet. Chun setzt auf die Zukunft.

"Die ganze Welt sehnt sich nach wirtschaftlicher Entwicklung und Frieden. Trump und Kim treffen sich in Singapur. Unsere Wohnanlage heißt Singapur-City, das passt doch! Ich habe hier zwei Optionen: wenn der Preis steigt, kann ich die Immobilie mal verkaufen. Wenn nicht, verbringe ich hier meinen Lebensabend. Daher besteht für mich kein Risiko."

Auch, weil derzeit vieles möglich scheint. Eine atomwaffenfreie, koreanische Halbinsel, ein Friedensvertrag, eine wirtschaftliche Öffnung Nordkoreas. Und damit perspektivisch die Neuordnung Nordost-Asiens. Dann wäre Dandong keine abgelegene Grenzstadt mehr, sondern könnte zum Zentrum einer neuen Boom-Region werden. Mit Zügen, die von Moskau und Peking über Dandong nach Pjöngjang und Seoul fahren. Wenn in Singapur Geschichte gemacht wird, könnte das auch eine historische Chance für Dandong werden.

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