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StartseiteComputer und KommunikationWas hinter Trumps Dekret gegen TikTok steckt08.08.2020

Chinesische TechfirmenWas hinter Trumps Dekret gegen TikTok steckt

US-Präsident Donald Trump geht per Dekret gegen chinesische Techfirmen vor - gegen die Mutterfirma des beliebten TikTok und gegen Tencent, dessen Dienst WeChat in den USA kaum Nutzer hat. Sicherheitsbedenken, Wahlkampf, Schützenhilfe für Microsofts Übernahmepläne bei TikTok? Die Hintergründe.

Marcus Schuler im Gespräch mit Manfred Kloiber

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Handy mit TikTok-Logo auf dem Display versinkt in US-Flagge (picture allianfe / NurPhoto / Nicolas Economou)
Trumps Dekret macht es TikTok in den USA schwerer, Geschäfte zu machen (picture allianfe / NurPhoto / Nicolas Economou)
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Bislang hatte TikTok in einer Aufmerksamkeits-Nische gelebt. Nur selten wurde der Social-Media-Dienst und das chinesische Unternehmen dahinter – ByteDance – wegen umstrittener Datennutzungspraktiken angegriffen. Dagegen standen amerikanische Unternehmen wie Facebook oder Google geradezu unter Dauerbeschuss.

Jetzt aber hat US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber China weiter verschärft und am Freitag eine Verfügung erlassen, die es US-Bürgern verbietet, mit dem TikTok-Mutterunternehmen ByteDance Geschäfte zu machen. Seine Begründung: Die besonders bei Jugendlichen beliebte App stelle eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar.

Gleichzeitig versucht Microsoft Teile des TikTok-Geschäftes zu übernehmen. Marcus Schuler in San Francisco erklärt, was hinter Trumps Dekret steckt.


Erhöht Trumps Dekret den Druck auf die gerade laufenden Übernahme-Gespräche zwischen Microsoft und dem TikTok-Unternehmen ByteDance?

Ja, bis Mitte September, so hat Microsoft-Chef Satya Nadella angekündigt, wolle er einen Vertrag mit ByteDance erreicht haben. Ziel ist es, die TikTok-App für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland zu übernehmen. Gerüchteweise ist Microsoft auch an der Übernahme des Europa-Geschäfts von TikTok interessiert. Die Befürchtung amerikanischer Sicherheitskreise ist, dass das chinesische Regime TikTok-Daten abschöpfen könnte. Zum Beispiel um großangelegte Bewegungsprofile von US-Amerikanern zu erstellen oder um Namen und Adressdaten zu nutzen.

07.05.2017, China: --FILE--In this unlocated photo, users turn on TikTok and WeChat on their smartphones, 7 May 2017. India on Monday banned 59 apps with Chinese links, saying their activities endanger the country?s sovereignty, defence and security. TikTok, which has over 120 million users, and WeChat, are affected as well. *** Local Caption *** fachaoshi Foto: Zhang Rongqing/HPIC/dpa | (picture alliance/Zhang Rongqing/HPIC/dpa) (picture alliance/Zhang Rongqing/HPIC/dpa)Microsofts TikTok-Pläne - Politische Vorsicht oder Machtkalkül?
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Trumps Dekret betrifft noch ein zweites Unternehmen aus China: Tencent. Was ist das für ein Unternehmen?

Das könnte von der Tragweite sehr viel schwerer wiegen, ist aber im Nachrichtentrubel untergegangen. Tencent ist der zweitwertvollste Tech-Konzern Asiens nach dem Versandhandelskonzern Alibaba. Tencent wird mit 686 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen ist vor allem für seine Chat-App WeChat bekannt. Sie kommt allein in China auf eine Milliarde Nutzer. In den USA nutzen diese App gut 1.5 Millionen Menschen. Dennoch besagt dieses Dekret, dass in 45 Tagen das Geschäftemachen mit Tencent in den USA verboten sein soll.

Eines ist wichtig zu wissen: TikTok hat zwar seinen Hauptsitz in Peking, die App gibt es aber nicht auf dem chinesischen Markt, weil sie den Zensurbedingungen der chinesischen Regierung nie standhalten könnte. WeChat dagegen ist eine der wichtigsten Apps in China, darüber kann man nicht nur mit anderen chatten, sondern auch Finanztransaktionen abwickeln.

Wieso geht Trump gegen Tencent vor, das in den USA gerade mal auf 1,5 Millionen Nutzer kommt?

Das haben sich auch viele Beobachter im Silicon Valley gefragt, was Trump damit bezweckt. Zum einen läuft in den USA der Präsidentschaftswahlkampf. Trump will sich als starker Mann zeigen, der vom Coronavirus nur als China-Virus spricht. Und wenn man dann öffentlich solch einen beliebten Dienst wie TikTok angreifen kann, dann gibt das viele Schlagzeilen und lenkt vom Versagen bei der Corona-Pandemie im eigenen Land ab.

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Zum anderen ist Tencent und sein WeChat für den US-Markt unbedeutend, das chinesische Unternehmen ist aber in viele US-Unternehmen investiert. Es hält zwölf Prozent an Snapchat, es besitzt viele US-Firmen, die Computerspiele entwickeln. Es ist aber auch ein großer Financier von Hollywood-Produktionen wie "Wonder Woman" oder "Top Gun Maverick", der bald in die Kinos kommen soll. Apple hat eine Partnerschaft mit Tencent und bietet die WeChat-App in seinem App-Store in China an. Wenn Apple diese App nun aus seinem chinesischen Angebot nehmen müsste, hätte das auch große Auswirkungen auf den Verkauf der iPhones in China. Denn WeChat gehört dort quasi zur Grundversorgung. So ganz macht dieses Dekret keinen Sinn, denn es könnte US-Unternehmen schaden.

Start-ups in den USA dürfen also nicht mehr auf Investionen von Tencent hoffen?

Genau. Die Trump-Regierung sagt, und da ist etwas dran, US-Unternehmen wird seit Jahren der Zugang zum chinesischen Markt verwehrt. Google, Facebook, Twitter, aber auch Zeitungen wie die "New York Times", kann man in China online nicht nutzen, weil sich diese Unternehmen weigern, sich an Zensur zu halten. In Amerika sagt man sich: Weshalb sollen wir dann unseren Markt für chinesische Unternehmen uneingeschränkt öffnen, wenn nicht dasselbe Recht für US-Unternehmen in China gilt?

Diese Woche hat Facebook auf seiner Fotoplattform Instagram eine neue Funktion freigeschaltet, Reels, die TikTok sehr ähnlich ist. Könnte Facebook der lachende Dritte sein?

Da muss man sicherlich die Gespräche zwischen Microsoft und ByteDance abwarten, um hier eine belastbare Aussage treffen zu können. Aber natürlich spekuliert der Konzern von Marc Zuckerberg darauf, die Phase der Unsicherheit für sich zu nutzen, um Nutzer von TikTok zu sich herüberzuziehen. Das ganze entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie. Denn vor gut anderthalb Wochen hat sich der Facebook-Chef noch vor dem US-Kongress dagegen gewehrt, andere Geschäftsideen zu kopieren.

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