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StartseiteKultur heuteChopin für alle01.03.2010

Chopin für alle

Museum zu Ehren des Komponisten in Warschau

In Warschau wurde aus Anlass des 200. Geburtstages des Komponisten das Chopin-Museum eröffnet. Es ist ein Wunderwerk an Interaktion, mit unzähligen Originaldokumenten, Briefe, Bilder, sogar Chopins letztem Flügel.

Von Ludger Kaczmiercak

Blick in das Frédéric-Chopin-Museum im Ostrogski-Palast in Warschau (AP)
Blick in das Frédéric-Chopin-Museum im Ostrogski-Palast in Warschau (AP)
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Frédéric-Chopin-Museum im Ostrogski-Palast in Warschau

Der imposant auf einem Felsen nahe der Weichsel stehende Ostrogski-Palast hat schon immer eine Chopin-Sammlung beherbergt, aber seit dem Umbau, so Malgorzata Bloch-Wisniewska, ist hier nichts mehr, wie es mal war.

"Dieses Museum war eigentlich nichts anderes als eine Chopin-Gedenkkammer. Es bedurfte einer totalen Renovierung, ja man musste das Museum eigentlich neu schaffen. Und so ist hier ein Chopin-Zentrum entstanden, in das alle Institutionen einziehen werden, die sich mit Chopin beschäftigen. Es ist ein öffentlicher Raum für Studenten, Wissenschaftler und Musikliebhaber."

Für die Koordinatorin der Chopin-Geburtstags-Festivitäten in Warschau ist die Eröffnung des Hauses einer der Höhepunkte des Jahres. Das neue Konzept werde Besucher aller Altersgruppen und Bildungsschichten ansprechen, sagt Bloch-Wisniewska. Es sei wichtig, nicht nur Kenner und Chopin-Liebhaber anzulocken, sondern ein breites Publikum. Die Polen wüssten nämlich viel zu wenig über ihren größten Komponisten und damit zu wenig über die Geschichte ihres Landes.

"Wir haben vor zwei Jahren eine soziologische Untersuchung veranlasst, und diese hat gezeigt, dass nur 3,2 Prozent der Polen Chopin mit Warschau assoziiert haben. So ist das Bewusstsein hierzulande. Ich kann sagen, dass wir hier im Museum in den vergangenen drei Jahren einige Rückstande aufgeholt haben, aber wir müssen noch viel tun, um das Bewusstsein des Durchschnittspolen zu verbessern. Das heißt: Bildung, Bildung und nochmals Bildung."

Hinter den für rund 20 Millionen Euro renovierten Mauern des barocken Palastes erwarte den Besucher eine "multimediale Erlebnisreise", verspricht Ico Migliore, der aus Italien stammende Architekt der futuristisch designeten Ausstellung:

"Wenn du ein Museum kreierst, kreierst du eine Geschichte. Du musst eine Geschichte erzählen. Und du brauchst verschiedene Mittel, damit die Leute neue Wege und nicht einfach ein Museum betreten. Und jeder - vom kleinen Kind bis zum Chopin-Experten - sollte seinen Weg finden, um etwas Neues über Chopin zu erfahren."

Das Eintritts-Ticket gleicht einer Scheckkarte mit Mikrochip. Wer Chopin hören, sehen oder auf seinen Spuren wandeln will, muss mit seiner Karte, die verschiedenen computergesteuerten Programme in den elf Ausstellungsräumen aktivieren. So öffnen sich - entweder auf großen, raumfüllenden Displays oder auf kleinen Monitoren – die verschiedenen Welten des Frédéric Chopin. Und in spacig gestylten Klangboxen können die Besucher die Mazurken, Polonaisen, Walzer und Klavierkonzerte des großen Komponisten hören, und zwar in bestechender akustischer Qualität.

"Man wird Chopin hier eher erfahren als betrachten", sagt Alicja Kubat vom Chopin-Institut, das unterirdisch mit dem Museum verbunden ist. "Die Ausstellung soll überraschen. Es gibt mehrmals diesen Wow-Effekt, aber wir wollen es nicht übertreiben."

Im Erdgeschoss erleben die Besucher den jungen, den polnischen Chopin. Per Knopfdruck erklingen nicht nur die Werke des Genies, sondern auch die folkloristischen Lieder aus Mazowien und anderen Landstrichen Polens, die den Künstler zeit seines Lebens inspiriert haben. Die erste Etage ist den Frauen Chopins und den Pariser Jahren gewidmet. Seine Wohnung an der Place Vendome wurde mit so viel Liebe zum Detail nachgebaut, dass es sogar nach den von Chopin so geliebten Veilchen duftet. Und durchs Fenster dringt der Pariser Straßenlärm des 19. Jahrhunderts. Denn natürlich sieht das Museum nicht darüber hinweg, dass der Pole Szopen die Hälfte seines Lebens in Frankreich verbracht hat.

"Wir können wirklich stolz sein auf diesen damals 20-Jährigen, der mehrere Sprachen beherrschte und ohne Berührungsängste Europa erobert hat. Das ist ein ausgezeichnetes Vorbild für die heutige, junge Generation. Es geht nicht darum, dass wir das Patriotische betonen, denn das spricht längst nicht mehr an."

Im Saal des Todes nimmt der Museumsbesucher schließlich Abschied vom Helden dieser spektakulär inszenierten Geschichte. Kein anderer Schauplatz im Ostrogski-Palast spricht die Emotionen der Betrachter so sehr an, wie dieser schönste und faszinierendste Raum der gesamten Ausstellung. Leider steht das neue Chopin-Museum zunächst nur Besuchergruppen offen. Erst im April wird das Haus seine Türen für die breite Öffentlichkeit öffnen.

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