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Christchurch"Bild" veröffentlicht Video-Sequenz von Terroranschlag - Presserat prüft Beschwerden

Ein Ausschnitt aus der Aufmachung von bild.de. (Screenshot / bild.de )
Ein Ausschnitt aus der Aufmachung von bild.de. (Screenshot / bild.de )

Der Deutsche Presserat prüft ein Verfahren gegen "Bild.de", nachdem dort das Täter-Video vom Terroranschlag in der neuseeländischen Stadt Christchurch veröffentlicht wurde.

Wie eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst in Berlin sagte, gingen bis Mittag sechs Beschwerden dazu bei dem Selbstkontrollorgan der deutschen Presse ein. Das Video wurde auch via Facebook-Auftritt von "Bild.de" verbreitet. Es zeigt auschnittsweise Originalaufnahmen während der Tat, die offensichtlich der Täter oder einer der Täter gefilmt und veröffentlicht hatte; Opfer und brutale Szenen sind bei "Bild.de" nicht zu sehen. Nach den ersten Szenen bricht das Video ab: "Ab hier zeigt BILD keine Filmsequenzen mehr aus dem Video des rechtsextremen Killers, nur noch Standbilder. Die Bewegtbild-Szenen sind unerträglich", heißt es weiter.

Nach Angaben des Presserats wird geprüft, ob Verstöße gegen den Artikel 11 des Pressekodex vorliegen. Dort heißt es unter anderem: Bei der Berichterstattung über Gewalttaten wäge die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichte über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lasse sich aber dabei nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen.

Artikel 11.5 führt zudem aus: "Die Veröffentlichung so genannter Verbrecher-Memoiren verstößt gegen die Publizistischen Grundsätze, wenn Straftaten nachträglich gerechtfertigt oder relativiert werden, die Opfer unangemessen belastet und durch eine detaillierte Schilderung eines Verbrechens lediglich Sensationsbedürfnisse befriedigt werden."

Laut Polizei handelt es sich bei dem Mann um einen 28-jährigen rechtsextremistischen Australier. Bei den Anschlägen auf zwei Moscheen starben mindestens 49 Menschen, die Polizei nahm vier Verdächtige fest.