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StartseiteKultur heute"Es waren selbstherrliche Entscheidungen"27.07.2019

Christoph Links über ostdeutsche Verlage nach 1989"Es waren selbstherrliche Entscheidungen"

Sommerreihe "Wendepunkte: Vorher - Nachher"

Nach dem Ende der DDR habe sich die Verlagslandschaft durchgreifend verändert. Plötzlich hätten die Verlage drucken können, was sie für richtig hielten, sagte Verleger Christoph Links im Dlf. Dann seien die Betriebe schnell und billig verkauft und viele geschlossen worden.

Christoph Links im Gespräch mit Änne Seidel

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Christoph Links im Gespräch (Deutschlandradio / David Kohlruss)
Verleger Christoph Links über die Veränderungen der Verlagslandschaft in Deutschland nach der Wende (Deutschlandradio / David Kohlruss)

Mit dem Ende der DDR hat sich die Verlagslandschaft im Osten radikal verändert, sagt der Verleger Christoph Links. Mit der Währungsunion 1990 hätten die Buchhandlungen im Osten Deutschlands die Produktion der ehemaligen DDR-Verlage aus den Regalen geräumt, auch schöne Goethe-Ausgaben oder neue Bücher von Christa Wolf. Der Umsatz der meisten Ostverlage sei dramatisch eingebrochen. In der Folge seien die meisten Ost-Verlage schnell und billig an Käufer aus dem Westen verkauft worden, die aber nicht selten nur an den Autoren und den Rechten interessiert gewesen seien.

"Man hätte die Pflichten, die die neuen Eigentümer bekommen haben, besser kontrollieren und überprüfen müssen. Es ist viel im Privatisierungsprozess kaputt gegangen, was nicht hätte sein müssen, wenn man sich mehr Zeit genommen hätte, die Umstrukturierungsprozesse begleitet hätte und die Käufer anders ausgewählt hätte. Aber es war ein völlig intransparentes Verfahren. Niemand wusste, wer sich bewirbt, niemand konnte Einblick nehmen. Es waren selbstherrliche, unkontrollierte Entscheidungen - oft mit fatalen Folgen."

Was mit der Verlagslandschaft passiert sei, stehe stellvertretend für das, was auch den anderen Wirtschaftsbereichen und den Menschen widerfuhr. Die Entwertung der Lebensläufe vieler Menschen im Osten sitze tief als Frust in den Menschen. Wenn man aus dem dumpfen Frust heraus wolle, müsse man über die Abwertung der Biografien reden. Daran sollten sich viele Verlage beteiligen.

Christoph Links ist 1954 in Caputh bei Potsdam geboren und war nach dem Studium Lateinamerika-Redakteur der Berliner Zeitung und später Assistent im Aufbau-Verlag. 1989 gründete er mit dem Christoph Links-Verlag einen der ersten privaten Verlage in der DDR. Seitdem verlegt er vor allem Bücher über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er ist Mitglied im Pen-Zentrum und Sprecher der Interessengemeinschaft Meinungsfreiheit im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. 

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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