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StartseiteKommentare und Themen der WocheKein Grund zur Entwarnung02.04.2019

CO2-Bilanz 2018Kein Grund zur Entwarnung

Die gesunkenen Treibhausgas-Emissionen zeigen, dass höhere Preise auf den CO2-Ausstoß wirken, kommentiert Georg Ehring. Etwa beim Verkehr und beim Wohnungsbestand könne die Methode ebenfalls helfen. Höhere Spritpreise und stärkere Wärmedämmung-Förderung seien richtige Mittel.

Von Georg Ehring

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Im Auftrag der Bundesregierung soll die Kohle-Kommission Ideen vorlegen für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle-Verstromung. (dpa / picture alliance)
Der Rückgang der Steinkohleverbrennung dürfte damit zu tun haben, dass sie deutlich teurer geworden ist, meint Georg Ehring. (dpa / picture alliance)

Na bitte, es geht doch. Um immerhin 4,2 Prozent ist der Ausstoß von Treibhausgasen bei uns im vergangenen Jahr gesunken, auch weil wegen der warmen Temperaturen weniger geheizt wurde. Wie schön: Wenn das Wetter mitspielt, dann kann Deutschland auch Klimaschutz. Doch seien wir fair – es war nicht nur das Wetter. Der deutliche Rückgang der Emissionen hat auch damit zu tun, dass unser Land mehr Windräder und Solaranlagen in Betrieb genommen und die Verbrennung von Steinkohle deutlich verringert hat. Wir sind also auch ein kleines bisschen vorangekommen.

Diese Entwicklung ist nicht nur erfreulich, sie ist auch lehrreich: Der Rückgang der Steinkohleverbrennung dürfte damit zu tun haben, dass sie deutlich teurer geworden ist. Im Emissionshandel hat sich der Preis für das Recht, eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen, im vergangenen Jahr in etwa verdreifacht. Das trifft vor allem die Kohle, denn pro Energieeinheit gerechnet, fällt bei ihr besonders viel CO2 an. Und auch der Benzinpreis tendierte im vergangenen Jahr nach oben – so mancher Autofahrer hat vermutlich stärker auf den Verbrauch geachtet oder sich ein nicht ganz so spritdurstiges Fahrzeug angeschafft.

Das alles zeigt: Ein Preissignal kann wirken, auch und gerade im Klimaschutz. Vor allem dann, wenn es deutlich genug ist.

Totalausfall Verkehrssektor

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will in diesem Jahr ein Klimaschutz-Gesetz durchbringen, sie sollte darin die Lehren aus der jüngsten Emissionsstatistik berücksichtigen. Wir brauchen nicht nur verbindliche Vorgaben für die einzelnen Sektoren wie Energiegewinnung, Verkehr, Industrie, Wohnungs- und Landwirtschaft. Wir brauchen auch einen zusätzlichen Preis für den Ausstoß von CO2, denn das ist eine besonders wirksame Methode, die Emissionen weiter sinken zu lassen. Er könnte vor allem in den Bereichen wirken, die ausgenommen sind.

Besonders im Fokus: Der Verkehrssektor, denn der ist im Klimaschutz bisher ein Totalausfall. Spürbar höhere Spritpreise würden Autohersteller dazu anregen, schneller auf Elektroautos oder andere emissionsfreie Technologien umzusteigen. Norwegen zeigt in diesen Tagen, dass das viel schneller möglich ist als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer es wahr haben will. Im März liefen dort fast 60 Prozent der neu zugelassenen Autos mit Batterie, bei uns dümpelt der Anteil stromgetriebener Fahrzeuge bei gerade einmal zwei Prozent.

Eine weitere Großbaustelle ist der Wohnungsbestand. Seit Jahren verhandelt die Bundesregierung über eine stärkere Förderung von Wärmedämmung und sparsamer Heizung – passiert ist nahezu nichts.

Die seit Wochen demonstrierenden Schülerinnen und Schüler werden die neuen Zahlen zu den CO2-Emissionen nicht beruhigen und das völlig zu Recht. Sie wissen, dass wir nach wie vor dabei sind, ihre Zukunft zu verheizen. Um die Erderwärmung in erträglichem Rahmen zu halten, müssen die Emissionen auch dann Jahr für Jahr deutlich sinken, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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