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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Vernunft hat gesiegt25.04.2019

Commerzbank und Deutsche BankDie Vernunft hat gesiegt

Das Ende der Fusionsgespräche zwischen Commerzbank und Deutscher Bank ist eine vernünftige Entscheidung, kommentiert Brigitte Scholtes. Ein Zusammengehen der beiden Geldhäuser hätte einen zusammengeflickten Bankkonzern geschaffen. Nun sei es Zeit für die Rückkehr zum operativen Geschäft.

Von Brigitte Scholtes

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Die Türme der Deutschen Bank und der Commerzbank mit ihrem jeweiligen Logo. Davor ein Baukran.  (Imago Images)
Keine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank (Imago Images)
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Die Vernunft hat gesiegt. Dass die Deutsche Bank und die Commerzbank ihre Gespräche über ein Zusammengehen beendet haben, kann man nur begrüßen. Zu groß wären die Probleme, zu gering die möglichen Vorteile gewesen. Eine solche Fusion hätte nur Sinn ergeben, wenn man massiv Kosten hätte einsparen können. Das aber wäre nur möglich gewesen über einen Kahlschlag bei den Mitarbeitern. Der aber wäre gesellschaftlich nicht akzeptiert worden. Die Banken, die ja seit der Finanzkrise ohnehin um das Vertrauen ihrer Kunden kämpfen müssen, hätten dies auf absehbare Zeit nicht wieder gewinnen können. Vertrauen aber ist das wichtigste Gut im Bankgeschäft. Tatsächlich hätte man wirklich Kosten erst in einigen Jahren eingespart. Denn eine Restrukturierung verschlingt viel Geld. Sich diese Lasten noch zusätzlich aufzubürden, wo doch die Deutsche Bank immer noch damit beschäftigt ist, die Postbank zu integrieren, wäre geradezu wahnwitzig gewesen.

Nationaler Bankenchampion

So vernünftig waren die beteiligten Manager immerhin, die eigentlich ja nur unter dem mehr oder minder sanften Druck der Politik jetzt schon in diese Gespräche hineingegangen waren. Sie können ihre Absage nun rein betriebswirtschaftlich begründen anhand der Modellrechnungen, die sie erstellt haben. Einen nationalen Bankenchampion, wie ihn Bundesfinanzminister Olaf Scholz gefordert hat, den wird es jetzt nicht geben – es wäre aber auch weniger ein Champion als ein zusammengeflickter Bankkonzern gewesen. Vielleicht hatte Scholz sich mit dieser Idee auch elegant aus der Staatsbeteiligung von immerhin noch 15 Prozent an der Commerzbank verabschieden wollen, die dem Bund bisher nichts als Verlust  - etwa drei Milliarden Euro nämlich- eingebracht hatte. Doch um welchen Preis? Wäre die neue deutsche Großbank ins Straucheln gekommen, dann hätte der Staat sie wegen der schieren Größe retten müssen, weil das Risiko für die gesamte Wirtschaft sonst zu groß gewesen wäre. Und das allen Versprechen nach der Finanzkrise zum Trotz, nie wieder werde der Steuerzahler für die Fehler der Banken einstehen müssen.

Armutszeugnis

Doch die Banken dürften nun zunächst damit zu tun haben, ihren Kunden und Aktionären zu zeigen, wie gut sie allein klarkommen. 200 Millionen Euro Gewinn vermeldet die Deutsche Bank stolz für das erste Quartal. Das ist zwar mehr, als man erwarten konnte. Doch der Vergleich mit den amerikanischen Banken zeigt, wie lächerlich gering dieser Gewinn ist: die scheffeln nämlich Milliardengewinne. Den Anschluss an die internationale Konkurrenz haben sie schon lange verloren – ein Armutszeugnis für eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Klar ist nur, die Manager müssen nun schnell daran gehen, überzeugende Lösungen für ihre Häuser zu finden, ob allein oder mit vielleicht auch internationalen Partnern. Sie haben mit den Gesprächen viel Zeit verloren. Jetzt sollten sie sich wieder auf ihr operatives Geschäft besinnen. Das darf und muss man von ihnen erwarten. Es wird höchste Zeit.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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