Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Donnerstag, 25.04.2019
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteKommentare und Themen der WocheZwei angeschlagene Banken-Boxer18.03.2019

Commerzbank und Deutsche BankZwei angeschlagene Banken-Boxer

Es falle schwer, Argumente für den Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank zu finden, kommentiert Klemens Kindermann. Beide seien nur ein Schatten ihrer selbst. Nur im Falle internationaler Fusionen und grenzüberschreitender Großfinanzierungen wäre ein solcher Global Player möglicherweise von Bedeutung.

Von Klemens Kindermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die Türme der Deutschen Bank und der Commerzbank mit ihrem jeweiligen Logo. Davor ein Baukran.  (Imago Images)
Einen Banken-Champion bestehend aus Deutscher Bank und Commerzbank bräuchte niemand, kommentiert Klemens Kindermann. (Imago Images)
Mehr zum Thema

Florian Toncar, FDP : "Wirtschaft hätte von einer Bankenfusion sehr, sehr wenig"

Deutsche Bank und Commerzbank Die riskante Großfusion

Deutsche Bank und Commerzbank Finanzminister Scholz bestätigt Fusionsgespräche

Deutsche Bank Der Danske Bank Geldwäsche-Skandal und die Folgen

Finanzwirtschaft Die Deutsche Bank im Niedergang

Tabubruch in der Finanzkrise Vor zehn Jahren stieg die Bundesrepublik bei der Commerzbank ein

DAX-Rauswurf Commerzbank - nicht mehr stark und wichtig genug

Banken Commerzbank streicht 9.600 Stellen

Was machen zwei angeschlagene Boxer, um wieder einen Kampf zu gewinnen? Bestimmt keinen gemeinsamen Boxstall gründen. Denn dadurch werden sie nicht zu besseren Boxern. In etwa so ist das allgemeine Echo auf die Ankündigung von Deutscher Bank und Commerzbank ausgefallen, Fusionsgespräche zu führen. Zu Recht: denn es fällt schwer, Argumente für einen Zusammenschluss der beiden notleidenden Banken zu ersinnen, die jede nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.

Weniger Kosten - mehr Geld für die Aktionäre

Einzig die Börsianer machten es sich heute einfach: Sie ließen die Kurse beider Institute erst einmal steigen. Ihre Rechnung: Da fallen zehntausende Arbeitsplätze weg, Kosten werden reduziert, also bleibt mehr für die Aktionäre. Das ist kurzfristige Spekulation, aber kein Argument.

Wo also soll dieses herkommen? Am ehesten könnte ein strategisches Anliegen bei Bundesfinanzminister Scholz vermutet werden, der die Fusion vorantreibt. Er will einen nationalen Champion der Finanzwirtschaft durchdrücken, noch bevor sich die schwarz-rote Koalition im Herbst selbst auf den Prüfstand stellt und möglicherweise feststellt, dass sie nicht mehr weitermachen will. Der Zeitdruck ist aus der Perspektive von Scholz verständlich, das Argument nicht.

Deutsche Wirtschaft braucht keinen Banken-Champion

Denn was für ein Nutzen soll ein solcher Banken-Champion überhaupt haben? Niemand braucht ihn, am Allerwenigsten die deutsche Wirtschaft. Die mittelständischen Unternehmen, aus denen der wesentliche Teil unserer Wirtschaft besteht, benötigen die Unterstützung einer global agierenden Bank in der Regel nicht. Für die finanzielle Begleitung der Exportgeschäfte reichen auch die Fähigkeiten der aktuell am Markt arbeitenden Banken. Nur in zwei Fällen, bei internationalen Fusionen und bei grenzüberschreitenden Großfinanzierungen, wäre ein solcher Global Player möglicherweise von Bedeutung.

Doch die Realität zeigt: Deutsche Konzerne beschäftigen bei Auslandsübernahmen ohnehin schon die weltweiten Spezialisten wie Morgan Stanley, Rothschild oder die Bank of America, etwa für Bayer beim Kauf von Monsanto tätig. Bleiben Finanzierungen: doch damit haben deutsche Unternehmen wegen der niedrigen Zinsen ohnehin keine Probleme. Im Zweifel werden Unternehmensanleihen aufgelegt. Wenn aber – auch bei intensivem Nachsinnen – kein Grund für diese Fusion am Horizont auftaucht, sollte man die beiden Banken-Boxer jeweils in der eigenen Ecke Kräfte sammeln lassen.

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk