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ComputerspieleKriminologe Pfeiffer: E-Sport mitverantwortlich für Leistungskrise

Computerspieler vor dem Bildschirm: Spieler der Mannschaften "Snogard" während der E-Sport-Bundesliga. (picture alliance / dpa / lno / Angelika Warmuth )
Computerspieler vor dem Bildschirm: Spieler der Mannschaften "Snogard" während der E-Sport-Bundesliga. (picture alliance / dpa / lno / Angelika Warmuth )

Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in der wachsenden Beliebtheit von Computerspielen eine Gefahr vor allem für Jungen und junge Männer.

Zuviel Computerspielen habe einen Einfluss auf die Lernleistung von Kindern und Jugendlichen, sagte Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, im Deutschlandfunk. Es seien deutlich mehr Jungen davon betroffen als Mädchen. Die empirische Forschung habe ergeben, dass intensives und langes Computerspielen in hohem Maße verantwortlich für die bundesweit schlechten Leistungen von männlichen Jugendlichen und jungen Männern sei. Das gelte sowohl für Schüler als auch für Studenten.

Überlegungen in der Politik, E-Sport in der Frage der Gemeinnützigkeit mit analogen Sportarten gleichzustellen, kritisierte der Kriminologe scharf: "Es gibt keinen Grund, einer brummenden Industrie, die ihren Umsatz verdoppelt hat, auch noch Geld hinterherzuwerfen mit dem Label, sie seien gemeinnützig."

eSport-Bund Deutschland weist Kritik zurück

Der eSport-Bund Deutschland ESBD wies Pfeiffers Kritik als "nicht sachgerecht" zurück. In ihren Vereinen hätten der gesunde und maßvolle Umgang mit Computerspielen und die Vermittlung von Medienkompetenz "oberste Priorität". E-Sport trainiere schnelle Reaktionen, die soziale Gemeinschaft und den sportlichen Wettkampf. Wer das als vor-dem-Bildschirm-sitzen abtue, stecke mit dem Kopf als Digitalisierungsverweigerer im letzten Jahrhundert fest, hieß es.

Der ESBD geht davon aus, dass sich knapp vier Millionen Menschen in Deutschland für E-Sport begeistern. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind virtuelle Sportarten bereits offiziell anerkannt und werden gefördert. Auch in den Landesparlamenten in Schleswig-Holstein, Bayern und Rheinland-Pfalz wurde das Thema diskutiert. Wenn E-Sport auch auf Bundesebene ähnlich wie analoger Sport als gemeinnützig anerkannt wird, können Vereine und Organisatoren Steuervergünstigungen erhalten.

Weiterführende Lektüre

Der Deutsche Fußball-Bund hat einen eigenen ePokal-Wettbewerb ausgerufen.

Diese Nachricht wurde am 18.10.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.