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StartseiteAndruck - Das Magazin für Politische Literatur"Inside Iran: Alte Nation und neue Macht?"13.08.2018

Cornelius Adebahr"Inside Iran: Alte Nation und neue Macht?"

Nach dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen sind die US-Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft. Unterdessen versucht die EU, das Abkommen zu retten. Kann das noch funktionieren? "Cornelius Adebahr analysiert die Lage genau und versucht, Ordnung zu schaffen in der Rumpelkammer der Iran-Klischees" sagt unsere Rezensentin.

Stephanie Rohde im Gespräch mit Melanie Longerich

Buchcover: "Inside Iran" von Cornelius Adebahr, Dietz Verlag. Hintergrundbild: Eines von zwei Minaretten und die Kuppel der großen Schah-Moschee auf dem zentralen Meidan-Platz in Isfahan. (Cover: Dietz Verlag /Hintergrundfoto: dpa/Boris Roessler)
Ist der Iran eine Demokratie oder eine Diktatur? Darf man Geschäfte mit dem Iran betreiben? Sollte man dort hinreisen? Der Autor Cornelius Adebahr findet Antworten auf diese Fragen. (Cover: Dietz Verlag /Hintergrundfoto: dpa/Boris Roessler)
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Was muss man eigentlich über den Iran wissen, um den wieder aufgeflammten Konflikt zwischen den USA und der islamischen Republik zu verstehen? Einige Antworten darauf gibt Cornelius Adebahr in seinem neuen Buch "Inside Iran - Alte Nation, neue Macht?". Der Politikwissenschaftler und Berater arbeitet unter anderem für die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und hat von 2011 bis 2013 mit seiner Familie in Teheran gelebt.

In seinem neuen Buch analysiert Adebahr das Land anhand von zwölf Fragen, die ihm in der Öffentlichkeit immer wieder gestellt wurden. Zum Teil handelt es sich dabei um eher generelle Fragen, etwa ob der Iran eine Demokratie oder eine Diktatur ist, oder warum das Land einmal Persien hieß. Auch die Frage, ob man Geschäfte mit dem Iran treiben darf oder dort hinreisen sollte, beantwortet er.

"Gleichzeitig aber geht er auch sehr detailliert auf aktuelle Fragen ein", sagt unsere Rezensentin Stephanie Rohde, "etwa warum die USA und Iran eigentlich so sehr im Streit liegen, warum die Europäer immer diplomatischer mit dem Iran umgegangen sind und welche Perspektiven es eigentlich nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen gibt."

Viele Herausforderungen stehen an

Dass das 2015 ausgehandelte Atom-Abkommen scheitern könnte, hält der Wissenschaftler für durchaus möglich: "Adebahr analysiert sehr genau, dass die EU schon immer anders mit dem Iran verhandelt hat als die USA."

Die EU habe bislang recht erfolgreich auf Dialog und Kompromiss gesetzt, die vor 15 Jahren gesteckten Ziele verwirklicht, nämlich einen weiteren Krieg zu verhindern.  Allerdings - und das macht Adebahr deutlich - "hat die USA, mit ihren Sanktions- und Kriegsandrohungen der EU-Diplomatie dabei den nötigen Biss verliehen. Das ist jetzt offensichtlich nicht mehr so."

Das Fazit der Rezensentin: Der fragende Untertitel von Adebahrs Buches, nämlich "Alte Nation und neue Macht?" sei durchaus berechtigt. Das Land könne beides sein - wenn es ihm gelänge, sich als neuer Nationalstaat zu reformieren, um zu alter Macht zurückzukehren.

"Dabei stellen sich allerdings viele Herausforderungen. Und die analysiert Adebahr kenntnisreich mit vielen historischen Vergleichen. Ihm gelingt es, sowohl grundlegendes Wissen über Iran zu vermitteln als auch detailreiche Analysen anzubieten."

Allerdings ist ihr der deskriptive Stil des Buches zu wenig thesenstark: "Mitunter muten einige Teile wie politikwissenschaftliche Proseminare an. Dennoch: ein Lesenswertes Buch für Iran-Interessierte, ebenso wie für Iran-Kenner."

Cornelius Adebahr: "Inside Iran. Alte Nation und neue Macht."
Verlag J.H.W. Dietz, 248 Seiten, 22 Euro. 

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