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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Virus schwächt die Weltwirtschaft03.02.2020

Corona breitet sich weiter aus Ein Virus schwächt die Weltwirtschaft

Die Furcht vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat Chinas Aktienmärkten große Verluste beschert. Die Wirtschaftsaktivität in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werde heruntergefahren, kommentiert Klemens Kindermann. Das müsse auch allmählich Deutschland umtreiben.

Von Klemens Kindermann

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Illustration des Coronavirus nCoV im Jahr 2019. (imago images / ZUMA Press)
Corona - noch gibt es kein Gegenmittel (imago images / ZUMA Press)
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Es ist ganz sicher richtig, angesichts der möglichen Ausbreitung des Coronavirus nicht in Panik zu verfallen und den sachlichen Einordnungen von Virologen Gehör zu schenken. Kühlen Blutes muss man allerdings feststellen, dass das Virus sich allmählich auch zu einem ökonomischen Risiko entwickelt.

Finanzmärkte unter Druck

Dass die Finanzmärkte in China die größten Verluste seit der Börsenkrise 2015 verzeichnen, dass die chinesische Währung Yuan erheblich unter Druck gerät – das sind sichtbare Zeichen der Verunsicherung der Finanzmärkte, auf denen stets die Zukunft gehandelt wird. Die Unsicherheit führt bereits zu einer bemerkenswerten faktischen Reaktion: Die chinesische Zentralbank stellte den Geschäftsbanken heute umgerechnet mehr als 150 Milliarden Euro Liquidität zur Verfügung, um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren – die größte Geldoperation der chinesischen Notenbank seit mehr als 15 Jahren. Ähnliche Zentralbank-Interventionen sind Europäern und Amerikanern aus den letzten Finanzkrisen nur allzu bekannt.

Das Corona-Virus vom Typ 2019-nCoV – auch bekannt als Wuhan-Virus. (imago images | Zuma Press | Cover Images) (imago images | Zuma Press | Cover Images)Lungenkrankheit: Wie gefährlich ist das neuartige Coronavirus?
Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in China ist weiter angestiegen. In Deutschland wurden inzwischen mehrere Fälle bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation rief den "internationalen Gesundheitsnotstand" aus.

Mindestens ebenso Anlass zur Sorge geben die bereits schwerwiegenden realwirtschaftlichen Folgen in China. Wenn etwa der Ölkonzern Sinopec die Produktion in der größten Raffinerie des Landes um 600.000 Barrel pro Tag senkt, und das voraussichtlich bis März, zeigt das deutlich: die Wirtschaftsaktivität in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wird heruntergefahren.

Deutsche Branchen müssen wachsam sein

Das muss uns in Deutschland - nicht in Panik, sondern kühlen Blutes - allmählich auch umtreiben. Sinopec zum Beispiel ist seit vielen Jahren engster Kooperationspartner des deutschen Chemiekonzerns BASF in China. Aber auch andere Branchen wie Auto- oder Maschinenbau, deren Hauptabsatzmärkte mittlerweile in China liegen, müssen wachsam sein. Wenn Millionenstädte abgeriegelt und Verkehrswege unterbrochen werden, dann sind irgendwann auch Fertigungsketten und Produktion deutscher Unternehmen in China betroffen.

Während andernorts die ökonomischen Risiken des Coronavirus bereits deutlich adressiert werden, etwa durch die US-Notenbank oder den Internationalen Währungsfonds, ist in Deutschland noch wenig davon die Rede. Dabei ist die Wirtschaft, die in Europa am meisten davon betroffen sein könnte, die deutsche. 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

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