Donnerstag, 18. August 2022

Kostenpflichtige Bürgertests
Es geht um mehr als drei Euro – es geht um den Preis der Eigenverantwortung

Die drei Euro Regel für den Bürgertest treffe vor allem die Geringverdiener, kommentiert Volkart Wildermuth. Denn in die Testzentren würden vor allem die gehen, die keine Alternative hätten. Der Preis der Eigenverantwortung sollte für alle so niedrig wie möglich liegen.

Ein Kommentar von Volkart Wildermuth | 30.06.2022

Corona-Testzentrum
Ab dem 1. Juli 2022 kosten die Bürgertest drei Euro, das trifft vor allem eine Gruppe, findet Volkart Wildermuth: die Einkommensschwachen (IMAGO / Wolfgang Maria Weber)
Karl Lauterbach hätte die kostenlosen Corona-Bürgertests gerne weiter beibehalten. Und mit ihm laut Umfragen die Hälfte der Bevölkerung. Doch der Bundesgesundheitsminister konnte sich nicht durchsetzen, er muss sparen. Umsonst werden also unter anderem nur noch Kinder bis fünf Jahre getestet, Schwangere im ersten Trimester, Infizierte, die sich freitesten lassen wollen, Menschen mit Symptomen sowie Heimbesucher und -bewohner. Die letzten Gruppen sind sicher entscheidend, hier können einfache Tests Hochrisiko-Infektionen verhindern, wenn auch nicht völlig ausschließen.

Viele denken offenbar, Corona sei vorbei

Alle anderen müssen also drei Euro für den Bürgertest berappen. Ist das ein Problem? Eigentlich nicht. Denn Bürgertests sollen Übertragungsketten unterbrechen. Das funktioniert, aber in der Omikronwelle funktioniert es nur noch eingeschränkt, weil die Tests oft erst recht spät anschlagen. Außerdem wird die offizielle Bestätigung kaum noch abgefragt. Und viele denken offenbar, Corona sei vorbei, Omikron im Grunde eine neue Art Schnupfen. Dabei gibt es wieder mehr Coronafälle auf den Intensivstationen und auch Menschen ohne jede Vorerkrankung haben mit längeren Beschwerden zu kämpfen, entwickeln vielleicht Long Covid.
Drinnen Maske tragen bleibt genauso sinnvoll, wie sich freiwillig zu testen, wenn man Veranstaltungen in Innenräumen besuchen will oder Kontakt zu Risikopersonen haben wird. Hier geht es um mehr als drei Euro – es geht um den Preis der Eigenverantwortung. Er trifft nur eine Minderheit. Viele nutzen längst Tests aus dem Drogeriemarkt. Für unter zwei Euro erhält man damit Klarheit und muss dafür nicht mal aus dem Haus gehen. Die drei Euro Regel trifft vor allem die Geringverdiener, die eben nicht einfach in der Drogerie einen Packen Selbsttests auf das Band legen können. Die aber genauso unter möglich Infektionen leiden, die genauso ihre Angehörigen und Freunde schützen wollen. In der Coronapandemie hat es sowieso eine soziale Schieflage gegeben.

Testzentren bleiben wichtige Infrastruktur

Deshalb sollten die kostenlosen Bürgertests für alle weiterlaufen. Die Mittel fließen an die richtige Stelle, denn in die Testzentren gehen ja vor allem die, die keine Alternative haben. Auch der finanzielle Aufwand dürfte sich für die Bundesregierung in Grenzen halten, denn aktuell sind die Testzentren meist leer. Viele haben bereits geschlossen, die drei Euro Regel wird die Zahl der Anbieter weiter abnehmen lassen. Dabei bleiben die Testzentren eine wichtige Infrastruktur. Für die finanziell Schwachen sowieso und für alle anderen spätestens im Herbst.
Also weg mit der drei Euro Regel, der Preis der Eigenverantwortung sollte für alle so niedrig wie möglich liegen.
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist
Volkart Wildermuth, geboren 1962 in München. Studium der Biochemie in Tübingen und Berlin. Parallel Radioreporter rund um Tübingen. Nach dem Diplom Volontariat beim WDR. Seitdem freier Wissenschaftsjournalist für das Deutschlandradio und die ARD-Anstalten.