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"Corona-Demos"Gegner der Corona-Maßnahmen sind in der Minderheit

"Ich bin dagegen" steht auf der Schutzmaske einer Frau geschrieben, die an der dritten Demonstration der "Querdenken"-Initiative auf dem Stuttgarter Schlossplatz teilnimmt (picture alliance/dpa/Christoph Schmidt)
In der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen. Die eindeutige Mehrheit steht aber hinter dem Kurs der Politik. (picture alliance/dpa/Christoph Schmidt)

Obwohl die Grundrechtsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zunehmend gelockert werden, finden weiter Proteste dagegen statt. Dabei ist eine Mehrheit der Bevölkerung mit den Schutzmaßnahmen einverstanden. Einigen gehen die Lockerungen sogar zu schnell.

Am Wochenende versammelten sich wieder einige tausend Menschen in deutschen Städten zu Demonstrationen gegen die Coronavirus-Beschränkungen. Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart waren nur 5.000 Teilnehmer erlaubt. Da mehr Demonstranten kamen, fanden sich viele auch außerhalb des ausgewiesenen Geländes zusammen. In München lag die genehmigte Teilnehmerzahl für die Demonstration auf dem Oktoberfestgelände bei 1.000. Neben dem Areal hatten sich gut 2.500 Menschen versammelt. In Berlin, Frankfurt und Hamburg gab es ähnliche Demonstrationen, aber auch Gegenproteste. In Frankfurt war die Zahl der Gegendemonstranten sogar größer.

"Zeit"-Journalist: Demonstrierende nicht pauschal verurteilen

Der Leiter des Leipziger Büros der Wochenzeitung "Die Zeit", Martin Machowecz, sagte im Deutschlandfunk, man müsse bei den Demonstrierenden differenzieren. Es gebe Verschwörungstheoretiker, mit denen man nicht reden müsse. Andere hätten berechtigte Anliegen, seien es Probleme mit den Shutdown-Maßnahmen, Zweifel an den Zahlen oder einfach Fragen. Mit ihnen müssten sich Politik und Journalismus beschäftigen. Er lobte, dass sich Politikerinnen und Politiker nun auch am Rande der Demonstrationen erkundigten, wer gesprächsbereit sei und was die Anliegen seien.

Machowecz hatte auch die "Pegida"-Proteste in Ostdeutschland begleitet und betonte, damals seien viele Pauschalisierungen passiert, was zu Verhärtungen bei den Demonstrierenden geführt habe. Dies sollte sich heute möglichst nicht wiederholen.

Soziologe: Noch nicht dramatisch

Der Soziologe Raj Kollmorgen warnt vor einer Überschätzung der aktuellen Proteste. "Ich finde die Corona-Proteste wirklich noch nicht dramatisch. Ich sehe keine Explosion. Wenn wir die erste Demo über 50.000 Menschen haben, dann bin ich bereit, darüber noch einmal nachzudenken", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Mehrere Umfragen verdeutlichen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung hinter den Corona-Maßnahmen steht. Einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF vom 15. Mai zufolge, finden 66 Prozent die geltenden Maßnahmen richtig, 17 Prozent finden sie übertrieben und 15 Prozent meinen, sie müssten eher härter ausfallen. Lediglich unter den Anhängern der AfD ist eine Mehrheit (59 Prozent) der Meinung, dass die Maßnahmen übertrieben sind.

Ein ähnliches Bild zeichnet der ARD-Deutschlandtrend. Demnach spricht sich mehr als die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) dafür aus, die aktuell bestehenden Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beizubehalten (Stand 14.5.2020). 40 Prozent der Befragten würden es befürworten, wenn Maßnahmen weiter gelockert würden.

Ähnliche Situation in der Schweiz

Auch in der Schweiz gibt es ein widersprüchliches Bild. Auf den Straßen demonstrieren einige hundert Menschen gegen die Auflagen, die Mehrheit der Bevölkerung stützt einer Umfrage zufolge allerdings den Kurs der Politik. Konkret gaben sogar 38 Prozent der über 26.000 Befragten an, dass für sie die Geschwindigkeit der Lockerungen zu hoch sei. Anfang Juni soll in der Schweiz die nächste Lockerungsetappe beginnen, so dass wieder mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit unterwegs sein dürfen. 54 Prozent der Befragten erachten dies als zu früh.

Der Soziologe Kollmorgen fordert dennoch, dass sich die Politik "mit den Erosionserscheinungen unserer parlamentarischen Demokratie" auseinandersetzt. Denn die Corona-Krise könne die Distanz zu ihr weiter vergrößern. Auch die stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Bärbel Bas ruft dazu auf, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten, um mehr Verständnis für Maßnahmen zu erhalten. Sie räumte im Deutschlandfunk ein, dass es viele Irritationen gegeben habe, als die Bundesliga die Erlaubnis für die Fortsetzung erhalten habe, aber Spielplätze und der Sportvereine weiter geschlossen blieben.

Sorge vor Unterwanderung

Rechtsextremisten versuchen nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden, die Proteste gegen Corona-Auflagen für sich zu nutzen. "Wir sehen einen Trend, dass Extremisten, insbesondere Rechtsextremisten, das Demonstrationsgeschehen instrumentalisieren", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, der "Welt am Sonntag". Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes betonte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ebenfalls, das rechte Lager fühle sich zunehmend von den Demonstrationen angesprochen.

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