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StartseiteInterview"Es wäre besser gewesen, die Bewohner nicht reisen zu lassen"26.06.2020

Corona-Hotspot Gütersloh"Es wäre besser gewesen, die Bewohner nicht reisen zu lassen"

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies haben einige Bundesländer ein Beherbergungsverbot für Menschen aus den betroffenen Kreisen Gütersloh und Warendorf verhängt. Nordrhein-Westfalen sollte diese gar nicht erst reisen lassen, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) im Dlf.

Carola Reimann im Gespräch mit Christiane Kaess

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Niedersachsen, Hannover: Carola Reimann (SPD), Niedersachsens Sozialministerin, spricht während einer Pressekonferenz im Landtag zur Entwicklung der Coronavirus-Ausbreitung und den weiteren Schutzmaßnahmen.  (Peter Steffen/dpa)
Carola Reimann (SPD) ist Gesundheits- und Sozialministerin in Niedersachsen (Peter Steffen/dpa)
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Der Corona-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh wurde bereits mit der Massenansteckung im österreichischen Skiort Ischgl zu Beginn der Coronakrise verglichen. Von dort aus hatten so viele Menschen das Virus in andere Länder getragen, dass Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar waren. Damit das nicht erneut passiert, müssen die Bürger im Kreis Gütersloh und Warendorf wieder mit starken Einschränkungen leben.

In ein anderes Bundesland dürften sie zwar eigentlich fahren, aber sie sind dort als Touristen vielleicht nicht willkommen. Immer mehr Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Leute aus Corona-Risikogebieten verhängt. Gut so, finden die einen. Denn nur so kann eine Verbreitung von COVID-19 verhindert werden. Von Stigmatisierung sprechen und Übertreibung sprechen die anderen.

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Verordnung begrenzt auf zwei Wochen

Auch die Landesregierung Niedersachen hat ein Beherbergungsverbot für Menschen aus den genannten Regionen verhängt. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hält dies für den richtigen Schritt. "Es geht darum zu verhindern, dass sich das Virus weiterverbreitet", sagte sie im Dlf. Nordrhein-Westfalen habe die Bürger weiterreisen lassen, daher zögen andere Bundesländer jetzt die Konsequenzen. Der Ausbruch sei so massiv gewesen mit über 250 Infektionen pro 100.000 Einwohner, daher brauche man diese Vorsichtmaßnahmen. "Die Verordnung ist begrenzt auf zwei Wochen", sagte sie.  "Und in dieser Zeit müssen wir die Schutzmaßnahmen aufrechterhalten." Es ginge nicht darum, Menschen zu stigmatisieren, sondern die Verbreitung des Coronavirus zu verhinden. "Das muss in unser aller Interesse sein", sagte Reimann.


Das vollständige Interview lesen Sie hier:

Christiane Kaess: Ihre Landesregierung hat ja auch ein Beherbergungsverbot für diejenigen beschlossen, die aus dem Kreis Gütersloh oder Warendorf kommen. Warum?

Carola Reimann: Es geht darum zu verhindern, dass sich das Virus weiter verbreitet. Wir haben ja leider aus der Erfahrung der letzten Monate gesehen, wie schnell und wie dynamisch diese Entwicklung abgehen kann, und deshalb gilt es, das zu verhindern.

Kaess: Jetzt ist es aber so, dass von 2000 Corona-Tests, die bis gestern im Kreis Gütersloh gemacht wurden, nur einer positiv war. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Reimann: Das ist sehr erfreulich, aber das war nicht zu sehen am Anfang, und die Nordrhein-Westfalen haben ja ihre Bewohner weiter reisen lassen. Das wäre die einfachste Regelung gewesen und deswegen ziehen natürlich jetzt alle anderen Bundesländer die Konsequenzen und sagen – und das tun wir ja auch -, bitte nur, wenn ihr gesund seid, könnt ihr kommen.

"Unsere Verordnung ist begrenzt auf zwei Wochen"

Kaess: Aber nachdem wir jetzt wissen, dass es eventuell gar nicht so viele betrifft, würden Sie bereit sein, vielleicht noch mal darüber nachzudenken?

Reimann: Wir hatten sehr, sehr hohe Inzidenzen. Das ist ein so massiver Ausbruch mit über 250 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und deshalb braucht es diese Vorsichtsmaßnahmen auch weiterhin. Unsere Verordnung ist begrenzt auf zwei Wochen und wir hoffen, dass sich das dann alles wieder verändert. Aber in der Zeit müssen wir diese Schutzmaßnahmen wirklich aufrecht erhalten, weil ich möchte, dass unsere schönen Urlaubsorte in Niedersachsen so sicher wie möglich sind.

Kaess: Der Landrat von Gütersloh, Sven Georg Adenauer, spricht trotzdem von einer Stigmatisierung.

Reimann: Darum geht es nicht, sondern es geht darum zu verhindern, dass sich das Virus weiter verbreitet, und das muss in unser aller Interesse sein. Deswegen reagieren ja auch alle Bundesländer. Es wäre für den Landrat besser gewesen, sage ich, die Bewohner nicht reisen zu lassen. Das wäre die konsequentere, gezieltere Maßnahme gewesen.

Kaess: Er hätte schneller eingreifen sollen?

Reimann: Es ging nicht um Schnelligkeit, sondern im Moment ist es ja so, dass Nordrhein-Westfalen die Bewohner der Landkreise weiter reisen lässt, und das löst diese Konsequenz aus.

Kaess: Und das hätte man verbieten sollen, sagen Sie?

Reimann: Das hätte man im Prinzip an der Stelle gezielter lösen können, ja.

Kaess: Wo liegt denn die Schwelle an Infektionen, um so eine Einschränkung zu verhängen?

Reimann: Das liegt an der Art und Weise des Ausbruchs, und deswegen sind die auch nicht immer alle vergleichbar. Es kommt darauf an, wie groß der Ausbruch ist, aber auch, wie klar er lokal einzugrenzen ist und dass er wirklich auch begrenzt bleibt und nicht weiter in der Bevölkerung und sich über die Landkreisgrenzen hinwegsetzt.

Kaess: Aber das heißt jetzt, bei jedem Corona-Hotspot, der in Deutschland auftaucht, werden Sie in Ihrer Landesregierung individuell entscheiden, von da aus dürfen jetzt noch Leute einreisen ohne Test oder eben nicht?

Reimann: Das Virus ist nicht weg und wir werden diese Ausbrüche sehr, sehr genau beobachten müssen, damit wir verhindern, dass sich die Infektion weiter ausbreitet und wir dann wieder in Situationen kommen, wie sie im März waren. Ja, das müssen wir.

"Wenn man aus Risikogebieten kommt, dann wird auch Quarantäne auferlegt"

Kaess: Und Sie werden jeden Ausbruch individuell beurteilen?

Reimann: Ja, man muss es jedes Mal individuell beobachten und wirklich gucken, ob es ein lokal eingrenzbarer Ausbruch ist, oder ob es einer ist, der über den Landkreis verteilt ist. Das wäre sehr viel schlimmer.

Kaess: Wird das auch gelten für mögliche Risikogebiete im Ausland, oder wäre das dann Sache der Bundesregierung?

Reimann: Das ist Sache des Robert-Koch-Instituts. Aber auch da werden ja Risikogebiete ausgewiesen und auch da wird sehr genau zu schauen sein. Wir werden, auch wenn man jetzt verreisen möchte, sehr genau gucken müssen, wo man hinfährt und wie da die Infektionslage ist.

Kaess: Ich meinte jetzt umgekehrt. Wenn wir einen Hotspot im Ausland hätten, würden auch Sie dann als Landesregierung sagen, von da aus bitte nur noch mit einem negativen Test einreisen?

Reimann: Das ist eine Sache, die über die Robert Koch und die Bundesebene geregelt wird. Das ist ja das, was wir im März auch schon hatten, dass Risikogebiete ausgewiesen sind, und wenn man aus den Risikogebieten kommt, dann natürlich Quarantäne auferlegt wird.

Kaess: Jetzt ist es so, dass die einen Bundesländer Maßnahmen ergreifen, die anderen nicht. Wieviel Sinn macht so ein Flickenteppich?

Reimann: Ich sehe, dass alle Länder das gleiche Ziel haben, nämlich die Infektionsketten abzubrechen und zu verhindern, dass die Infektion sich fortsetzt. Das sehe ich in all den Bundesländern. Das sehe ich auch wirklich überall, weil alle natürlich jetzt ihre Maßnahmen ergreifen. Einige schneller, einige langsamer, aber am Ende ist es ja so, dass alle jetzt auch darauf reagieren.

"Es braucht eine Bewertung jedes einzelnen Ausbruchs"

Kaess: Aber man konnte sich ja überhaupt nicht auf eine einheitliche Linie einigen. Warum wird das denn so unterschiedlich beurteilt? Denn alle haben es doch mit dem gleichen Virus zu tun.

Reimann: Ja. Das liegt daran, dass die Verordnungen unterschiedlich von der Basis her sind. Einige nehmen zwei Wochen Quarantäne, das ist ja auch eine Möglichkeit. Das halten wir aber zum Beispiel für nicht so sinnvoll, weil wir wollen ja auch, dass die, die gesund sind, einreisen können. Deswegen finde ich das die bessere Lösung.

Kaess: Aber glauben Sie nicht, dass es für die Menschen im Land einfacher und übersichtlicher wäre, wenn man wüsste, es wird im ganzen Land einheitlich gehandhabt?

Reimann: Ja, das kann man sich wünschen, und wir werden da sicher auch mit den Ländern weiter darüber sprechen, ob das noch einheitlicher zu handhaben ist. Aber ich habe vorhin ja gesagt: Es braucht eine Bewertung jedes einzelnen Ausbruchs und jeweils eine individuelle Situationsbewertung des Ausbruchs und der Infektionssituation.

Kaess: Und für die Bekämpfung des Virus glauben Sie nicht, dass es sinnvoller wäre, wenn alle Bundesländer sich auf eine einheitliche Linie einigen würden?

Reimann: Das versuchen wir ja ab und an und regelmäßig. Das ist aber, weil auch in den Bundesländern die Situation ja sehr unterschiedlich ist und das Infektionsgeschehen unterschiedlich war und ist, deswegen nicht ganz leicht.

Kaess: Allerdings wenn es einen Hotspot gibt, dann ist das, was die anderen Bundesländer betrifft, eigentlich die gleiche Situation.

Reimann: Für den Fall, dass Leute reisen, ja.

Kaess: Warum? Schildern Sie uns mal, warum ist das so schwierig? Sie haben ja mit den anderen Gesundheitsministern gesprochen. Warum ist das so schwierig? Was kommen da für Argumente, dass man nicht eine einheitliche Linie finden kann?

Reimann: Die Situation ist: Das Virus reist mit, und wir wollen nicht, dass es entsprechend Verbreitung findet. Da ist aber die Situation - die Nordländer sind da sehr einheitlich, haben sehr schnell Konsequenzen gezogen -, dass die Bewohner dieser betroffenen Landkreise weiter reisen dürfen. Deswegen diese Beherbergungsverbote und die Quarantäne-Anordnung der verschiedenen Bundesländer.

"Wir wollen, dass unsere Urlaubsorte in Niedersachsen so sicher wie möglich sind"

Kaess: Und die anderen, so muss man sich das dann im Austausch der Gesundheitsminister der Länder vorstellen, sagen dann, nein, wir sehen das nicht so dramatisch?

Reimann: Das haben wir nicht gehört. Aber sie sind in dieser Situation dann nicht diejenigen, die auch noch eine Regelung machen, sondern die das ungeregelt lassen.

Kaess: Was bringt denn ein negativer Test, den ja Niedersachsen verlangt, wenn Menschen aus einem Risikogebiet einreisen wollen, wenn dieser Test eigentlich nur eine Momentaufnahme ist und noch dazu auch falsch sein kann?

Reimann: Das ist eine Momentaufnahme. Das ist richtig. Aber das ist die maximale Sicherheit oder die mögliche Sicherheit, die wir haben. Wir wollen, dass unsere Urlaubsorte in Niedersachsen so sicher wie möglich sind, und deswegen können die, die gesund sind und ein ärztliches Attest haben, auch gerne bei uns Urlaub machen.

Kaess: Die maximale Sicherheit wäre doch die Quarantäne-Regelung.

Reimann: Ja, aber dann ist das ja wohl kein Urlaub, oder?

Kaess: Aber Sie haben gerade gesagt, es geht Ihnen um maximale Sicherheit.

Reimann: Ich kann mir schwer vorstellen, dass es einen Urlaub in Quarantäne gibt.

"Auch da werde wir konsequent handeln"

Kaess: Umgekehrt hat ja auch Niedersachsen Corona-Hotspots. Da denkt man zum Beispiel an dieses Hochhaus in Göttingen. Wie würden Sie denn reagieren, wenn andere Bundesländer deshalb Einschränkungen verhängen würden?

Reimann: Das ist deren Recht. Aber Göttingen und die Situation in Nordrhein-Westfalen ist nicht vergleichbar. Das sind wirklich zwei ganz unterschiedliche Ausbrüche. Und in Göttingen ist es so: Die Neuinfektionszahlen sind andere pro 100.000 Einwohner. Es ist auch so, dass es anders eingrenzbar ist.

Kaess: Aber es gibt auch in Niedersachsen wieder neue Corona-Fälle: Die Mitarbeiter einer Putenschlachterei des Wiesenhof-Konzerns. Machen Sie sich da Sorge, dass der Ausbruch größer werden könnte?

Reimann: Ja, das sehen wir sehr genau an, und das muss auch Konsequenzen haben, wenn das weitergeht und wenn sich mehr Infektionen jetzt da noch zeigen werden. Das sehen wir sehr, sehr genau an und da werden wir sehr konsequent auch handeln.

Kaess: Wann werden Sie da mehr wissen?

Reimann: Im Laufe des Tages gehe ich davon aus. Es werden ja regelmäßig und laufend jetzt noch mal zusätzlich die Beschäftigten getestet und davon hängt ab, wie das dann in den Konsequenzen ist.

"Die Kontaktnachverfolgung ist wirklich das A und O"

Kaess: Und wenn das ein größerer Ausbruch sein sollte, dann hätten Sie Verständnis dafür, wenn Menschen aus der Region in anderen Bundesländern nicht mehr willkommen wären?

Reimann: Dann ist vor allen Dingen das Gesundheitsamt da vor Ort gefordert, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, und das könnte auch bedeuten, dass man sagt, die Bewohner sollten aus dem Landkreis nicht reisen.

Kaess: Es hat ja viel Kritik am Krisenmanagement der nordrhein-westfälischen Landesregierung gegeben. Jetzt kam gestern noch dazu, dass der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann von der CDU Versäumnisse bei der Nachverfolgung von Infektionsketten zugeben musste. Bei einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses hat er gesagt, er könne nicht ausschließen, dass manche Tönnies-Mitarbeiter nicht auf Corona getestet worden sind. Es sei möglich, dass "uns 20, 30 durch die Lappen gegangen sind." Ist das Schlamperei, oder ist so was einfach nicht zu verhindern?

Reimann: Die Kontaktnachverfolgung ist wirklich das A und O und das ist das, was unsere Gesundheitsämter vor Ort jetzt auch massiv fordert. Die Tatsache aber, dass ja nicht gleich klar war, wo die Beschäftigten gewohnt haben, so wie ich das von weitem gesehen habe, war eine der Schwierigkeiten, die in Nordrhein-Westfalen aufgetreten sind, und das legt natürlich jetzt auch wieder den Finger in die Wunde der Fleischindustrie, dass da ganz systematische Probleme da sind mit Werkverträgen und auch mit entsprechenden Wohnunterkünften, die jetzt zu Tage treten.

Kaess: Meine Frage zielte auf das Krisenmanagement der nordrhein-westfälischen Landesregierung, denn auch der Ministerpräsident Armin Laschet stand ja sehr stark für Lockerungen dieser strikten Corona-Einschränkungen. Rächt sich das jetzt?

Reimann: Was wir gesehen haben ist, dass hier recht spät die Konsequenzen für die betroffenen Kreise getroffen worden sind. Ich hätte mir da auch gewünscht, dass ein Bestandteil gewesen wäre, dass die Bewohner nicht reisen können. Dann hätten wir die ganze Debatte, über die wir jetzt gesprochen haben, gar nicht.

Kaess: Frau Reimann, schauen wir zum Schluss noch kurz auf die Diskussion um den Immunitätsausweis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte so einen einführen. Ihre Partei, die SPD ist dagegen. Warum sträuben Sie sich so?

Reimann: Ich finde, das ist eine Phantomdebatte jetzt. Es ist noch nicht mal klar: Es ist ja so, dass man nach einer Infektion einen Titer bildet nach einer gewissen Zeit, aber es ist heute noch nicht klar, ob der schützt, wie lange der schützt. Das ist alles nicht belegt. Und das jetzt mit einem amtlichen Dokument irgendwie zu versehen, das halte ich für eine Überhöhung und auch eine irreführende Wertigkeit. Das ist ja kein belastbares Ergebnis, was da jetzt ist. Die Fragen, die daran hängen, sind natürlich, was hat das für Konsequenzen, wenn man ein Dokument dieser Art hat.

Kaess: Was für Konsequenzen befürchten Sie?

Reimann: Da befürchten wir, dass es zu zwei Klassen von Personen kommt, und das darf auf keinen Fall sein.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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