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Corona-ImpfstoffDie wichtigsten Fragen und Antworten zur Astrazeneca-Entscheidung

Eine Frau im Madrid (Spanien) bereitet eine Impfdosis mit Astrazeneca vor. (imago / Fernnando Villar)
Eine Frau bereitet eine Impfdosis mit Astrazeneca vor. (imago / Fernnando Villar)

In Deutschland wird der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca nur noch Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Wir haben für Sie zusammengefasst, was der Beschluss für unterschiedliche Gruppen und die Impfkampagne bedeutet - und welche Fragen noch offen sind.

Die Ständige Impfkommission hat ihre Altersempfehlung für den Impfstoff geändert. Hintergrund sind seltene Fälle von Thrombosen in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung. Davon betroffen sind vor allem jüngere Frauen. Auch in anderen Ländern, etwa Italien und Spanien, wird der Impfstoff inzwischen vor allem für Menschen ab 60 Jahren empfohlen, Frankreich und Belgien empfehlen die Impfung vor allem für Menschen ab 55 Jahre.

Die europäischen Arzneimittelagentur EMA kam nach erneuten Beratungen zu weiteren vereinzelten Thrombosefällen zu dem Schluss, dass der Nutzen des Wirkstoffes nach wie vor höher zu bewerten sei als die Risiken. Deshalb werde er weiterhin ohne Einschränkungen für alle Erwachsenen empfohlen. Wie die Behörde weiter mitteilte, wurde zwar ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff und seltenen Thrombose-Fällen festgestellt. Diese Thrombosen seien vor allem bei Frauen unter 60 Jahren aufgetreten. Spezifische Risikofaktoren seien nach den bisherigen Erkenntnissen nicht bestätigt worden. Die Möglichkeit der Blutgerinnsel soll jedoch in die Liste der Nebenwirkungen aufgenommen werden.

Ist der Einsatz von Astrazeneca bei den unter 60-Jährigen jetzt ausgeschlossen?

Impfberechtigte Personen unter 60 Jahren sollen sich nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung auch weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen können. Das gilt vor allem für Hochrisikopatienten, bei denen die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs besonders hoch ist. Die betroffenen Personen sollen vom impfenden Arzt sorgfältig beraten und aufgeklärt werden, die Entscheidung liegt bei der zu impfenden Person selbst. Wenn Menschen unter 60 sich für Astrazeneca entscheiden, sollen diese Impfungen grundsätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärzte erfolgen.

Allerdings sagte mittlerweile der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Hofmeister, man empfehle den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Astrazeneca nur bei Menschen über 60 zu verimpfen. Hofmeister begründete die Position im Interview des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ mit dem hohen Zeitbedarf für die Beratung und intensive Aufklärung jüngerer Patienten.

Was passiert, wenn ich als Unter-60-Jähriger bei meiner ersten Impfung Astrazeneca erhalten habe, die zweite Impfung aber noch aussteht?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, dass unter 60-Jährige, die eine erste Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat bekamen, bei der zweiten ein anderes Mittel erhalten sollen. Zwar gebe es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Impfungen mit verschiedenen Mitteln, Studien dazu laufen aber bereits länger. Bis entsprechende Daten vorlägen, werde jedoch eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwölf Wochen nach der Erstimpfung empfohlen. Zu dieser Klasse gehören die Produkte von Pfizer/Biontech und von Moderna. Bundesgesundheitsminister Spahn und seine Länder-Kollegen haben die konkrete Entscheidung vorerst vertagt. Sie wollen nun am Dienstag (13.4.) darüber beraten. Laut Spahn haben 2,2 Millionen Bürger unter 60 eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten.

Was ist, wenn ich als Unter-60-Jähriger bereits einen Termin für die Erstimpfung mit Astrazeneca habe?

Die Bundesländer versuchen in der Regel, die bereits vereinbarten Impftermine trotzdem stattfinden zu lassen, und die Menschen statt mit Astrazeneca mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna zu impfen. Sollte das nicht gelingen, müssen die Impftermine vorerst storniert und später nachgeholt werden.

Was bedeutet die Entscheidung für die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen?

Diese zahlenmäßig große Altersgruppe könnte nun früher als geplant geimpft werden. Den Bundesländern steht es jetzt frei, auch die 60- bis 69-Jährigen in die Impfkampagne mit Astrazeneca miteinzubeziehen; für die Organisation sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Bundesgesundheitsminister Spahn rief die Über-60-Jährigen auf, das Impfangebot auch wahrzunehmen.

Beim Umgang mit der Option driften die Bundesländer allerdings auseinander. Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Thüringen und Schleswig-Holstein kündigten an, dass sie keinen Gebrauch von der Möglichkeit machen wollen. Die Zahl der älteren Menschen, die noch nicht geimpft seien, sei noch zu groß, hieß es übereinstimmend zur Begründung. Dagegen impfen etwa Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen nun auch Personen ab 60, die zu keiner Risikogruppe gehören. Entsprechende Termine für rund 370.000 Erstimpfungen mit Astrazeneca waren etwa in Nordrhein-Westfalen nach rund anderthalb Tagen ausgebucht, erste Impfungen fanden über die Ostertage statt.

Wie wirkt sich die Entscheidung auf die Impfung der Lehrkräfte aus?

Der Deutsche Lehrerverband zeigt sich angesichts der neuen Altersempfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff alarmiert. Verbandspräsident Meidinger sprach von einem "katastrophalen Rückschlag für die gerade Fahrt aufnehmende Impfung von Lehrkräften". Er forderte eine schnelle Möglichkeit für jüngere Lehrerinnen und Lehrer, sich mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und demnächst mit Johnson & Johnson impfen lassen zu können. Wenn dieser Wechsel auf andere Vakzine nicht sofort stattfinde, werde die Durchimpfung von Lehrkräften im April nicht mehr zu schaffen sein, sagte er. Dies gefährde neben den steigenden Inzidenzen die Chancen, Schulen weiter offen zu halten.

Verzögert der Verzicht auf den Impfstoff für Jüngere die gesamte Impfkampagne?

Gesundheitsminister Spahn versicherte, dass man trotz der neuen Einschränkungen wahrscheinlich weiterhin allen Erwachsenen bis Ende des Sommers ein Impfangebot werde machen können.

Der SPD-Politiker Lauterbach geht davon aus, dass die Entscheidung zum Verzicht auf das Astrazeneca-Vakzin bei unter 60-Jährigen kaum Auswirkungen auf die Impfkampagne in Deutschland haben wird.

Was bedeutet die Einbeziehung der Hausärzte in die Impfkampagne für die Verwendung des Astrazeneca-Impfstoffs?

Laut Bundesgesundheitsminister Spahn soll das Präparat den Hausarztpraxen ab der Kalenderwoche 16 zusammen mit weiteren Impfstoffen zur Verfügung gestellt werden. Astrazeneca solle zunehmend nicht mehr in Impfzentren, sondern nur noch durch niedergelassene Ärzte verimpft werden. Diese sollen auch die Aufklärung und Risikoanalyse für die Impflinge vornehmen.

(Stand: 8.4.)

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