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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Hoffnung wächst20.11.2020

Corona-ImpfstoffeDie Hoffnung wächst

Hohe Wirksamkeit in den klinischen Studien, Tausende Tests und bisher keine schweren Nebenwirkungen: Es sei schwer, das Haar in der Suppe bei den jetzt kurz vor der Zulassung stehenden COVID-19-Impfstoffen zu finden, meint Christine Westerhaus. Dennoch blieben Fragen offen, die sich jeder selbst beantworten müsse.

Ein Kommentar von Christine Westerhaus

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Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten von Moderna vor. (dpa / AP Photo / Hans Pennink)
Am Ende müsse jeder selbst entscheiden, ob er sich impfen lasse oder nicht, meint Christine Westerhaus (dpa / AP Photo / Hans Pennink)
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Möglicherweise könnte in Deutschland schon im Dezember ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zur Verfügung stehen: Mit dieser Äußerung haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen gestern Abend für eine Überraschung gesorgt. Doch tatsächlich geht es momentan Schlag auf Schlag. Heute hat das Mainzer Unternehmen Biontech mit seinem Partner Pfizer in den USA eine Notfallzulassung für ihren Impfstoff beantragt. Nur zwei Wochen, nachdem es die Ergebnisse der klinischen Studien in einer Pressemitteilung bekannt gemacht hat.

Möglich macht dieses Tempo ein sogenanntes "rolling review": Die Ergebnisse der klinischen Tests werden den Arzneimittelbehörden fortlaufend übermittelt. Und nicht wie üblich gesammelt und erst am Ende der Studie eingereicht. Das beschleunigt das Zulassungsverfahren.

Zwei Hände in blauen Handschuhen ziehen vor rotem Hintergrund eine Spritze auf. (Getty Images / Moment RF)Hat das Wettrennen um einen Corona-Impfstoff nun ein Ende gefunden? (Symbolbild) (Getty Images / Moment RF)

Biontech/Pfizer, Moderna und Co. - Wettlauf um den Corona-Impfstoff
Im Wettlauf um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs haben das deutsche Unternehmen Biontech und sein Partner, der US-Pharmakonzern Pfizer, ein vielversprechendes Zwischenergebnis gemeldet. Auch andere Projekte sind vielversprechend.

Die Politik will positive Nachrichten verkünden

Natürlich kann man sich fragen, ob es bei der rasanten Geschwindigkeit, die die Pharmaunternehmen an den Tag legen, bei der nötigen Sorgfalt bleibt. Es geht um lukrative Verträge und viel Geld. Gleichzeitig haben Politiker ein großes Interesse, ihren Bürgerinnen und Bürgern so schnell wie möglich gute Nachrichten zu verkünden. Besonders jetzt, wo die Corona-Maßnahmen gerade nochmal verschärft/verlängert wurden.

Fragen bleiben offen

Doch das Haar in der Suppe ist nicht so leicht zu finden: Die hohe Wirksamkeit der Impfstoffe in den klinischen Studien lässt nichts zu wünschen übrig: Mehr als 90 Prozent der Geimpften waren vor einer COVID-19-Erkrankung geschützt. Und auch die Zahl der Studienteilnehmenden ist mit mehr als 43.000 größer als bei anderen Impfstoffstudien. Das gibt Hoffnung, dass schwerwiegende Nebenwirkungen auch dann nicht auftreten, wenn die allgemeine Bevölkerung geimpft wird.

Dennoch bleiben Fragen offen: Mit den Vakzinen der Hersteller Biontech und Moderna würden erstmals Impfstoffe zugelassen werden, die RNA-Moleküle enthalten, also das Erbgut von Viren. Das ruft bei vielen Bürgern Ängste hervor. Dabei halten Forschende es für ausgeschlossen, dass diese RNA-Moleküle unsere Erbsubstanz verändern. Und sie erwarten auch nicht, dass diese Impfstoffe mehr Komplikationen auslösen als andere Vakzine.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Gleichzeitig schätzen Experten das Risiko für Folgeschäden durch eine COVID-19-Erkrankung höher ein, als die Gefahr von Impfkomplikationen. So lange es also keine Impfpflicht gibt, muss sich ein jeder selbst die Frage stellen – und beantworten: Ist der Nutzen dieser Impfung höher, als das Risiko, bei einer Infektion möglicherweise schwer an Corona zu erkranken?

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