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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine evidenzbasierte Empfehlung braucht Zeit10.09.2021

Corona-Impfung für SchwangereEine evidenzbasierte Empfehlung braucht Zeit

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat jetzt auch werdenden Müttern die Impfung gegen das Coronavirus empfohlen. Vielen habe das verständlicherweise zu lange gedauert, kommentiert Christina Sartori. Aber gute Wissenschaft benötige Zeit, gerade wenn es um die Gesundheit von Mutter und Kind gehe.

Ein Kommentar von Christina Sartori

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Eine Schwangere hält sich den Bauch; im Vordergrund sind zwei Hände zu sehen, die Impfstoff aus einer Dose in eine Spritze ziehen. (Symboldbild) (IMAGO / photothek / Ute Grabowsky)
"Es ist gut, dass die STIKO bei ihren Regeln bleibt, nach denen sie Studien auswertet. Dass sie ihre Ansprüche an Studien und auch Vorbereitung für eine Empfehlung nicht senkt", kommentiert Christina Sartori (IMAGO / photothek / Ute Grabowsky)
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Schon lange warten Schwangere und Frauenärzte darauf, dass die Experten der Ständigen Impfkommission, der STIKO, werdenden Müttern die Impfung gegen das Coronavirus empfiehlt. Schließlich haben sie ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf als gleichaltrige Frauen, die nicht schwanger sind. In einigen anderen Ländern haben die entsprechenden Gesundheitsbehörden diese Empfehlung schon vor Wochen ausgesprochen. Warum also in Deutschland erst jetzt? Begreift die STIKO nicht, wie sehr Frauen und ihre Ärztinnen auf ihre Entscheidung gewartet haben?

Gut Dinge will Weile haben

Doch, die Mitglieder der STIKO wissen das sehr wohl, davon kann man ausgehen. Aber: Gut Dinge will Weile haben, das gilt auch in der Medizin. Ganz besonders in diesem Fall, wo es um die Gesundheit von Mutter und Kind geht.

(EyeE,m / Jeff McCollough) (EyeE,m / Jeff McCollough)STIKO empfiehlt Corona-Impfung - "Nebenwirkungsspektrum bei Schwangeren ist dasselbe wie bei Nicht-Schwangeren"
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt jetzt eine Corona-Impfung auch für Schwangere und Stillende. Grund seien vor allem neue Daten aus Studien, sagte STIKO-Mitglied Marianne Röbl-Mathieu im Dlf. Schwangere hätten ein höheres Risiko, bei einer COVID-19-Erkrankung auch schwer zu erkranken.

Zwei Leben, für die eine Spritze Schutz bedeuten kann – aber auch gesundheitliches Risiko. Spätestens seit dem Contergan Skandal ist klar, wie empfindlich ein ungeborenes Kind ist, für Schwangere gelten daher zu Recht deutlich strengere Regeln in der Medizin und in der Forschung: In der Regel werden Medikamente und Impfstoffe nicht an ihnen getestet, eben aus diesem Grund. Das bedeutet aber: Es dauert viel länger, bis es belastbare Daten gibt darüber, wie sicher und schützend ein Impfstoff für Mutter und Fötus ist.

Noch immer könnte die Datenlage besser sein

So war es auch bei der Corona-Impfung. Zwar gab es mit der Zeit immer mehr Hinweise, dass die Impfung mehr schützt als schadet. Aber belastbare Studiendaten – die gab es kaum. Selbst jetzt ist die Datenlage nicht so gut, wie sie zum Beispiel war, als die STIKO die Keuchhusten-Impfung für Schwangere empfahl. Aber sie ist besser, als noch vor Kurzem, unter anderem weil diese Woche zwei aussagekräftige Studien zum Thema veröffentlicht wurden.

Das Dilemma dieser Pandemie

Dass in den USA und Großbritannien Schwangere schon seit Wochen geimpft werden – das allein war für die STIKO-Mitglieder kein ausreichendes Argument – und sollte es auch nicht sein. Es ist gut, dass die STIKO bei ihren Regeln bleibt, nach denen sie Studien auswertet. Dass sie ihre Ansprüche an Studien und auch Vorbereitung für eine Empfehlung nicht senkt. Denn nur so bleibt sie glaubwürdig, weil sie sich weiterhin auf Evidenz, auf beweisbare Daten stützt, und nicht auf Hinweise oder auf Entscheidungen anderer Gesundheitsbehörden.

Manchem Arzt oder mancher Patientin hat das Verfahren verständlicherweise zu lange gedauert. Selbst wenn besonders gefährdete Schwangere schon lange geimpft werden konnten. Das grundlegende Dilemma dieser Pandemie kann eben auch die STIKO nicht auflösen: Das Virus ist schnell, gute Wissenschaft benötigt Zeit.

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