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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrump tut alles dafür, neue Krisen zu schaffen25.04.2020

Corona in den USATrump tut alles dafür, neue Krisen zu schaffen

Sonnenbäder oder Desinfektionsmittel-Injektionen könnten gegen Corona helfen, sinnierte US-Präsident Trump öffentlich. Nach diesem Debakel überzeugten ihn seine Berater, nicht mehr tägliche stundenlange Pressekonferenzen zu geben. Für die Amerikaner wäre das sicher gesünder, kommentiert Jan Bösche.

Von Jan Bösche

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 US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz im Weißen Haus (imago/ White House)
US-Präsident Donald Trump entsetze mit seinen öffentlichen Überlegungen, im Kampf gegen das Coronavirus einfach ein ausgiebiges Sonnenbad zu nehmen, nicht nur Wissenschaftler. (imago/ White House)
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Die Woche endet nicht gut für Donald Trump. Der US-Präsident hat nur ein Ziel: Die Coronakrise so schnell wie möglich verschwinden zu lassen, damit er noch eine Chance hat, die Wahlen im November zu gewinnen. Darum klammert er sich immer wieder an den kleinsten medizinischen Strohhalm, der eine schnelle Abhilfe schaffen könnte.

Diese Suche nach einem Wundermittel gipfelte am Donnerstag in einer der bizarrsten Pressekonferenzen, die Trump jemals gegeben hat. Auslöser waren Studienergebnisse, wie schnell Sonnenlicht und Desinfektionsmittel das Coronavirus auf Oberflächen abtöten können. Auf offener Bühne fing Trump an zu sinnieren, wie man diese Ergebnisse nutzen könnte, Corona-Patienten zu behandeln.

Vergiftungs-Hotlines stellten sich auf zusätzliche Notfälle ein

Die Folge: Hersteller von Desinfektionsmitteln sahen sich genötigt, öffentlich zu mahnen, diese Mittel nicht in den Körper zu bringen. Die Vergiftungs-Hotlines im ganzen Land stellten sich auf zusätzliche Notfälle ein. Anstelle eine Krise abzumildern, hatte der Präsident eine neue geschaffen.

Wochen vorher hatte Trump ein anderes Wundermittel ausgemacht: Forscher vermuteten, Malaria-Medikamente könnten auch Corona-Patienten helfen. Experten mahnten, es brauche klinische Studien, um diesen Effekt zu bestätigen und warnten vor Nebenwirkungen. Der Präsident wollte von den Mahnungen nichts hören, Behörden bunkerten die Präparate, Leute fingen an, die Medizin einfach selbst zu nehmen. Die Folge: Vergiftungen und Todesfälle, warnte jetzt die Arzneimittel-Aufsicht: Niemand solle diese Medizin außerhalb eines Krankenhauses nehmen.

Allein gelassene Bundestaaten, fehlende Ausrüstung

Präsident Trump will die Coronakrise so schnell wie möglich loswerden, aber er tut alles dafür, sie zu verlängern und neue Krisen zu schaffen. Er zögert, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen: Er überließ es den Bundesstaaten, sich selbst um die Krise zu kümmern. Die Folge ist Chaos, wenn es darum geht, Schutzkleidung, Beatmungsgeräte oder Corona-Test zu beschaffen und zu verteilen. Jetzt können die Ausgangsbeschränkungen nicht so schnell wie gewünscht aufgehoben werden, weil Tests fehlen.

Trumps größtes Problem: Er vertraut seinem Bauchgefühl mehr als Experten, für ihn ist Loyalität wichtiger als Erfahrung. Er hört nicht, was er wissen muss, sondern was er hören will. Er hat sich mit Ja-Sagern umgeben, ein gefährlicher Beraterstab, wenn es um entschlossene Krisenbewältigung geht.

Das Desinfektionsmittel-Debakel am Donnertag hat eine gute Folge: Offenbar konnten Trumps Berater ihn endlich davon überzeugen, nicht mehr täglich eine stundenlange Pressekonferenz zu geben. Je weniger die Amerikaner in dieser Krise von ihrem Präsidenten hören, desto gesünder.

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