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Corona-InfektionszahlenModelliererin Priesemann: "Menschen mit einem Impftermin stecken sich schon vor der Impfung ganz wenig an"

Viola Priesemann (imago images / Jürgen Heinrich)
Viola Priesemann, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (imago images / Jürgen Heinrich)

Der starke Rückgang der Infektionszahlen hat die Physikerin Viola Priesemann teils überrascht.

Sie habe versucht, in ihren Modellierungen eine Art realistische Einschätzung zu machen, aber durchaus Faktoren unterschätzt, sagte sie im Deutschlandfunk. Zum Beispiel steckten sich Menschen mit einem Impftermin schon vor ihrer Impfung ganz wenig an, "weil man in den zwei, drei Wochen nicht jetzt auf die letzten Meter noch mal krank werden möchte". Dieser Effekt bringe die Fallzahlen zusätzlich runter.

Dass nun gelockert wird, hält die Forscherin vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation für eine natürliche Reaktion. Dennoch glaubt sie, dass es wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommen werde. "Die Frage ist, wann das genau passiert." Dann hält sie auch eine Inzidenz von 200 für "im Rahmen des Realistischen", auch wenn dann vermutlich weniger Menschen auf den Intensivstationen landen würden.

Schulen als "eine Art Herd"

Als Begründung für einen möglichen Anstieg der Infektionszahlen sagt Priesemann: "Die Impfungen helfen, aber es gibt einen bestimmten Anteil Leute, die sich nicht impfen lassen." Außerdem seien in den Schulen lauter "Menschen, die nicht geimpft sind, aber trotzdem das Virus weitergeben, wie so eine Art Herd, und das ist ein Kipppunkt." Entweder man schaffe es, das Virus aus den Schulen und aus den Kindergärten rauszuhalten oder es habe eben über die Schulen und Kindergärten viele freie Wege. Dann könne es auch wieder von Haushalt zu Haushalt springen.

In diesem Zusammenhang wirbt Priesemann für möglichst niedrige Fallzahlen, "damit die Schulen auch im Herbst und Winter sicher offen bleiben können". Dann würde es sich lohnen, auch längerfristig die AHA-Maßnahmen beizubehalten, welche die persönliche Freiheit nicht so sehr einschränkten.

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Diese Nachricht wurde am 11.06.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.