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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit Verantwortung den Alltag zurückgewinnen07.05.2020

Corona-Lockerungen Mit Verantwortung den Alltag zurückgewinnen

Nach weiteren Corona-Lockerungen lastet die Verantwortung vor allem auf den Ländern und Kreisen. Damit dürfe man sie nicht alleine lassen, meint Volkart Wildermuth. Auch die Bürger seien gefordert, nicht nur die positiven Folgen, sondern auch mögliche Einschränkungen zu akzeptieren.

Von Volkarth Wildermuth

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Geschlossene Außengastronomie in Deutschland (picture alliance/ HMB Media/Oliver Mueller)
Geschlossene Außengastronomie in Deutschland (picture alliance/ HMB Media/Oliver Mueller)

Verantwortung übernehmen ist das Stichwort der neuen COVID-19 Strategie. Die Bundesregierung zieht sich etwas zurück, die Länder übernehmen Verantwortung und reichen sie gleich weiter an die Kreise. Das ist auch gut so, denn vor Ort stellt sich die Coronarealität sehr unterschiedlich dar. Da spricht alles dafür, lokal angepasst zu reagieren.

Seit dem 20. April 2020 gilt in Sachsen eine Mundschutzpflicht im ÖPNV und in Geschäften. Die Stadt Leipzig und die Leipziger Verkehrsbetriebe luden deshalb zu einem Pressetermin, bei dem Masken an Mitarbeiter verteilt wurden. Die Polizeibehörde kontrolliert die Bahnsteige der Straßenbahn und Menschen gehen mit Mundschutz durch die Straßen. *** Since 20 April 2020, face masks have been compulsory in Saxony on public transport and in shops The city of Leipzig and the Leipzig public transport company therefore invited to a press event at which masks were distributed to employees The police authority inspects tram platforms and people walk through the streets wearing face masks (imago images / Christian Grube) (imago images / Christian Grube)"Das Virus ist nicht aus Deutschland verschwunden"
Je mehr man die Verbote lockere, umso wichtiger sei es, dass die Menschen die generellen Hygiene- und Abstandsregeln einhalten, sagte der Virologe Herbert Pfister im Dlf. Ein Bodensatz des Coronavirus sei noch da.

Virologen und Epidemiologen hätten gerne länger gewartet, systematischer die Folgen unterschiedlicher Öffnungen studiert. Aber zur politischen Verantwortung gehört eben auch, nicht nur auf die Fachwissenschaftler zu hören, sondern in die gesamte Gesellschaft hinein. Es ist ungewohnt aber die relevanten Politiker sind jetzt weniger die Bundes- oder Landesvertreter, sondern die Landrätinnen und Landräte. Meist agieren sie unter dem Radar der Öffentlichkeit. Jetzt kommt es darauf an, dass sie ihre neu gewonnen Verantwortung ebenso verantwortlich nutzen. Das fällt leicht, wenn es darum geht, Einschränkungen zurückzunehmen, da ist Applaus sicher. 

Keine einfache Aufgabe für die Kreise

Da gibt es auch Spielraum, das zeigen die deutschlandweit sinkenden Infektionszahlen. Es ist aber unvermeidlich, dass auch das Virus seinerseits alle Spielräume nutzen wird. In irgendwelchen Kreisen wird es ebenso unvermeidlich auch wieder zu steigenden Zahlen kommen. Entscheidend ist wachsam zu bleiben, zu testen und auszuwerten. Und wenn es dann in einer Woche mehr als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner gibt oder auch nur 49 oder 48, dann müssen umgekehrt vielleicht die frisch geöffneten Restaurants wieder zumachen, die Kinder aus der Schule nachhause geschickt werden und mit dem Spaß im Freibad ist dann wohlmöglich auch Schluss. Das verkündet niemand gern. Da geht es dann auch um die Arbeitsplätze von Bekannten und Nachbarn, um die heimische Wirtschaftskraft. Die Erfahrung mit diversen Lebensmittelskandalen zeigt, dass es für die Landkreise nicht immer einfach ist, da auf Kurs zu bleiben.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Auch die Bürger müssen Verantwortung übernehmen

Umso wichtiger ist es, dass die Länder die Kreise nicht alleine lassen mit der Verantwortung. Mit klaren Vorgaben und einer klaren Aufsicht. Aber auch wir, die Bürger, müssen unseren Teil der Verantwortung übernehmen. Nicht murren, wenn plötzlich andere Regeln gelten auf dem kurzen Weg vom wenig betroffenen Mansfeld-Südharz in den angrenzenden Kreis Harz mit deutlich mehr Infizierten. Wenn es ernst sein soll mit der Verantwortung vor Ort, dann müssen wir alle nicht nur die positiven Folgen sondern auch mögliche Einschränkungen akzeptieren. Dann heißt es der Landrätin, dem Landrat applaudieren, gerade weil sie oder er den geliebten Biergarten doch wieder zumacht. Nur mit einer so gelebten Verantwortung auf allen Ebenen werden wir unseren Alltag zurückgewinnen können, ohne Angst vor einer zweiten Viren-Welle haben zu müssen.

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