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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Pandemie, ein Brennglas für Probleme, die es vorher schon gab10.02.2021

Corona-MaßnahmenDie Pandemie, ein Brennglas für Probleme, die es vorher schon gab

Während der Pandemie würden Schutzräume für Opfer häuslicher Gewalt noch rarer werden und Chancen auf einen Bildungsaufstieg für arme Kinder in weite Ferne rücken, kommentiert Anh Tran. Die Politik müsse bei Ihren Maßnahmen auch Lösungen für diejenigen ohne Macht, ohne Geld und ohne Stimme finden.

Ein Kommentar von Anh Tran

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Ein Schulkind sitzt an einem Tisch und macht Hausaufgaben im Homeschooling, im Hintergrund sitzt die Mutter des Kindes an einem Laptop und macht Homeoffice. Auf dem Tisch liegen Schulutensilien und ein weiterer aufgeklappter Laptop. (www.imago-images.de / Fotostand / K.Schmitt)
Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass 10 Monate nach Beginn der Pandemie fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten leidet (www.imago-images.de / Fotostand / K.Schmitt)
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Seit November ist die Gaststätte meiner Eltern geschlossen, nur noch Fensterverkauf ist möglich. Von den Novemberhilfen haben sie bis jetzt nichts gesehen. Mittlerweile sind 102 Tage vergangen. Es geht nicht darum zu lockern. Meine Eltern halten sich, wie die meisten Menschen, an die Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen – auch sie fürchten das Virus, auch sie bangen um besonders gefährdete Mitmenschen, weil auch sie jeden Tag von den weiterhin hohen Todeszahlen hören.

Es geht um Perspektiven. Beherzt handeln. Einen Plan dafür haben Forscherinnen und Wissenschaftler bereits vorgelegt. Er heißt NoCovid und besagt: lieber einmal konsequent und proaktiv handeln, um wieder Herr der Lage zu werden, anstatt immer nur der Pandemie hinterher zu rennen. Was Menschen wie meine Eltern wirklich mürbe macht, ist das ewige "auf Sicht fahren", wie es seit Monaten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gepredigt wird.

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Um die Corona-Pandemie endlich in den Griff zu bekommen, fordern die einen Wissenschaftler eine Zero-Covid-Strategie, die anderen wollen das Ziel "No Covid" erreichen. Wo liegen die Unterschiede?

Zwischen Privileg und Doppelmoral

Für sie fühlt sich jedes Bundesliga-Spiel an wie ein Schlag ins Gesicht. Wenn Fußballer weiter Tore im Rudel bejubeln. Wenn sie dafür auch noch nach Katar reisen und deutsche Vereine aufgrund der Einreisesperren für englische Clubs "Heimspiele" in Spanien und Ungarn spielen dürfen, während wir uns seit Monaten aus Vorsicht nicht mehr getroffen haben.

Dass der Profifußball den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat, zeigt nicht zuletzt eine Aussage von Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München. Er sagt: Wenn Fußballer seines Clubs geimpft würden, hätte das eine Vorbildwirkung. Was für eine Doppelmoral.

Viele Schlupflöcher für den Profi-Fußball

Während selbst in einem reichen Land wie Deutschland viele über 80-Jährige vergeblich auf einen Impftermin warten. Die Schulen, die verpasste Digitalisierung ausbaden müssen und Kinder seit Monaten Zuhause hocken, statt Freunde zu treffen oder zum Sportverein zu gehen, findet sich für den Profi-Fußball immer ein Schlupfloch.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte) (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Rummenigges Aussage erfolgt, während sein Team in Katar um einen sportlich unbedeutenden Titel spielt. Mehr Privileg geht nicht. Die Pandemie wirkt dabei wie ein Brennglas für Probleme, die es vorher schon gab. Schutzräume für Opfer häuslicher Gewalt werden in der Pandemie noch rarer.

Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass 10 Monate nach Beginn der Pandemie fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten leidet. In der Folge rückt für arme Kinder die Chance auf den Bildungsaufstieg noch weiter weg. Sie werden arm bleiben – und das ist so gewollt, wenn die Politik auch in Zukunft keine Lösung für diejenigen ohne Macht, ohne Geld und ohne Stimme findet.

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