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StartseiteKommentare und Themen der WocheIndividuell vor Ort reagieren09.10.2020

Corona-Maßnahmen in Großstädten Individuell vor Ort reagieren

Der Austausch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Bürgermeistern deutscher Ballungszentren über neue Corona-Maßnahmen ist sinnvoll, kommentiert Katharina Thoms. Ebenso sinnvoll ist es, vor Ort zu entscheiden - denn dort weiß man, ob Kneipen Hotspots sind, Hochzeiten oder zu enge Unterkünfte.

Von Katharina Thoms

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Hinweistafel in Berlin-Mitte, das derzeit Corona-Risikobezirk ist, am 8. Oktober 2020 (imago / Müller-Stauffenberg)
Was im Sommer die Reiserückkehrenden waren, sind jetzt Menschen in Großstädten und Umland, meint Katharina Thoms (imago / Müller-Stauffenberg)
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Er ist schon mühsam, dieser Föderalismus: Ständig trifft man sich, spricht sich ab. Und dann entscheiden doch nicht alle gleich. Darüber, was angebracht ist, um die Corona-Infektionszahlen einzudämmen.

Bisher kamen Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten zusammen. Heute dann auch noch die Chefs und die eine Chefin der deutschen Großstädte. Warum Leipzig übrigens die einzige Großstadt aus dem Osten blieb – obwohl Dresden sogar ein größeres Corona-Problem hat – das bleibt Kanzleramtsgeheimnis. 

Aber Sinn macht dieses Treffen durchaus: Denn was im Sommer die Reiserückkehrenden waren, sind jetzt Menschen in Großstädten und Umland. Also neu justieren und reagieren: Masken auf dem Marktplatz oder in der Einkaufsmeile, weniger Menschen bei privaten Feiern und notfalls auch Sperrstunden und nachts kein Bier im Brauhaus oder Wein am Späti mehr. Und Unterstützung fürs Nachverfolgen der Infektionsketten – da, wo es eng wird. Absolut sinnvoll. Gemeinsam die Sache ausloten. Und dann jeweils vor Ort entscheiden. Das ist klug. 

  (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld) (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Gesundheitspolitikerin Maag (CDU) - "Urlaub weder im eigenen Land noch im Ausland geboten"Wegen der "besorgniserregenden Dynamik" der Coronainfektionen hält die gesundheitspolitische Sprecherin der Union im Bundestag Karin Maag (CDU) eine Einschränkung von Reisen für sinnvoll. Jeder müsse seinen Teil beitragen, um das Ausbruchsgeschehen unter Kontrolle zu halten, sagte sie im Dlf.

Denn ob die Kneipen Hotspots sind oder Hochzeiten oder doch eine enge Unterkunft mit Geflüchteten – das kann keine Kanzlerin in Berlin entscheiden. Wo ist das Problem? Das weiß man am besten vor Ort. In der Stadt, im Landkreis. 

Das Stöhnen um ein "Regelchaos" vor den Herbstferien ist übertrieben. Warum sollte man in Sachsen-Anhalt mit einem gleich großen Hammer draufhauen, wie in Frankfurt oder Berlin? Warum im infektionsarmen Nordschwarzwald genauso wie im Ballungsraum Stuttgart?

Überwiegender Teil der Menschen einverstanden mit Corona-Krisenmanagement

Angemessen und vor Ort reagieren, schafft auch Vertrauen. Das hatten wir doch eigentlich mitgenommen aus dem Frühjahr ins Jetzt, wo wir doch viel mehr wissen über das Virus.

Das heißt nicht: Soll doch jede machen, was sie will. Nicht jede Landesregierung, nicht jeder OB. Und auch nicht wir selbst. Wir sollten aber auch nicht so tun, als ob wir ständig in fünf verschiedenen Bundesländern unterwegs sind und deshalb von den vielen Regeln überfordert. 

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Der überwiegende Teil der Menschen ist einverstanden mit dem Corona-Krisenmanagement. 64 Prozent sind laut einer aktuellen Forsa-Umfrage und jetzt so kurz vor den Herbstferien sogar für eine Quarantäne-Pflicht, wenn Menschen aus innerdeutschen Risikogebieten zurückkehren. Da wäre es vielleicht einfacher, zu Hause zu bleiben und in den Wald, auf den Berg oder in den Park vor der Haustür zu gehen? Wir haben das doch alle schätzen gelernt. Im schwierigen Frühjahr. Das war vor dem Sommer, als wir Luftholen konnten. Für den Herbst. Für jetzt.

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