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StartseiteInformationen am MittagExodus aus London wegen Weihnachts-Lockdown20.12.2020

Corona-Mutation in GroßbritannienExodus aus London wegen Weihnachts-Lockdown

Die neue Coronavirus-Mutation in Großbritannien ist Auslöser für eine harten Lockdown in Großbritannien, der auch Familienweihnachtsfeiern stark einschränkt. Tausende Londoner verlassen daher fluchtartig die Stadt.

Von Christine Heuer

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Fußgänger in London laufen an einer digitalen Anzeigentafel vorbei, auf der "Coronavirus-Fälle in London sehr hoch" steht (AFP/ Tolga Akmen)
Nach Angaben der britischen Behörden waren im Dezember 60 Prozent der Neuinfektionen in London durch die neue Virus-Variante verursacht worden (AFP/ Tolga Akmen)

In London und Südost-England gilt seit heute Morgen eine neue Covid-Alarmstufe. Es ist Nummer 4. Und sie steht für einen Lockdown, der fast so hart ist wie der erste im Frühjahr: Geschäfte, Freizeit-Einrichtungen und Friseure müssen wieder dichtmachen. Nur der lebensnotwendige Handel geht weiter. Haushalte dürfen sich nicht mehr mischen. Niemand soll reisen, schon gar nicht ins Ausland oder in englische Regionen der Stufe 4. Alle sollen zu Hause bleiben, wenn es keinen absolut zwingenden Grund gibt, rauszugehen.

Auslöser ist die neue Covid-Mutation. Sie ist 70 Prozent ansteckender als das Original und seine bisherigen Varianten. Das ist die schlechte Nachricht. Immerhin aber soll sie nicht tödlicher sein, die Symptome nicht verschärfen und auch auf die Impfstoffe ansprechen.

Forscher in Schutzkleidung arbeiten an einem Medikament gegen Covid-19 (picture alliance / Zoonar.com / Robert Kneschke) (picture alliance / Zoonar.com / Robert Kneschke)COVID-19 - Wie gefährlich sind Mutationen des Coronavirus? 
Forscher untersuchen die Mutationen des Coronavirus schon länger. Nach ersten Studien können bestimmte Virus-Varianten besser in Zellen eindringen. Dass sie gefährlicher für den Menschen sind, gilt als unwahrscheinlich.

Weihnachten fällt fast ganz aus

Für die Briten besonders schmerzlich: Weihnachten fällt nun trotz aller Versprechen und Planungen für große Familientreffen über mehrere Tage doch fast ganz aus: "Wir müssen uns Weihnachten leider nochmal anschauen", sagte Premierminister Boris Johnson. Wegen des potentiell neuen Risikos. Schweren Herzens sage ich deshalb: Wir können Weihnachten nicht so feiern wie geplant."

Weihnachten nur im sehr engen Familienkreis und auch nur einen Tag lang. Diese Ankündigung war es, die sogleich einen Exodus aus der Hauptstadt in Gang setzte. Gestern Abend, heute Nacht und auch heute Morgen machten sich zig Tausende Londoner auf den Weg zu ihren Familien irgendwo anders im Land. Ein Pulk von Menschen an den Bahnhöfen und in den Zügen. Überall wurden Autos beladen, um sich auf den Weg zu machen. Unverantwortlich nennt Gesundheitsminister Matt Hancock dieses Verhalten. Die Polizei ist ermächtigt, Leute auf der Flucht aus London aufzuhalten.

Matt Hancock, Gesundheitsminister von Großbritannien, trägt einen Mund-Nasen-Schutz mit der Aufschrift "Protect the NHS" (Beschützt das britische Gesundheitssystem). (dpa / AP / Alberto Pezzali)Der britische Gesundheitsminister Hancock (dpa / AP / Alberto Pezzali)

Gesundheitsminister appelliert an alle

Hancock appelliert an die Verantwortung aller: "Wir tragen alle Verantwortung: die Regierung, aber auch die Bürger. Ich bitte alle, sich an die Regeln zu halten. Nur zusammen behalten und kriegen wir das unter Kontrolle."

Hancocks Rat, um sich vor der neuen Covid-Variante zu schützen: Verhaltet Euch als wärt Ihr schon infiziert.

Auf die Schliche gekommen sind die Forscher der Mutation, weil im Südosten Englands und in London die Infektionsrate auch im zweiten Lockdown im November nicht wesentlich runterging. In Kent stieg sie sogar an. Dort sind die Krankenhäuser mittlerweile am Anschlag.

Die anderen Teile Großbritanniens haben ihre Maßnahmen angesichts der neuen Entwicklung ebenfalls verschärft. In Wales gilt ab heute ein Lockdown, Nordirland folgt direkt nach Weihnachten. Schottland hat ein Reiseverbot in andere Landesteile verhängt. Britische Wissenschaftler gehen davon aus, dass das mutierte Virus auch schon in Dänemark und Australien gefunden wurde.

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