Montag, 25.10.2021
 
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie vierte Welle trifft vor allem die Jüngeren27.08.2021

Corona-Pandemie Die vierte Welle trifft vor allem die Jüngeren

Die vierte Corona-Welle rollt, die Inzidenz liegt bundesweit bei über 70. Dabei finden die Infektionen vor allem bei den Jüngeren statt. Trotzdem würden wieder einmal die Kinder vergessen, kommentiert Christina Sartori. Niemand rede davon, dass auch Kinder schwer erkranken könnten.

Ein Kommentar von Christina Sartori

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Arjen (r-l), York und weitere Schüler der Klasse 6a am Goethe-Gymnasium in Hamburg-Lurup, machen einen Corona-Schnelltest im Klassenzimmer am ersten Schultag nach den Ferien.  (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Für die Kinder unter 12 Jahren ist noch kein Impfstoff zugelassen. Deswegen infizieren sich die Jüngeren leicht mit Corona. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Mehr zum Thema

"Long Covid" Was wir über Langzeitfolgen von Covid-19 wissen

Planlos ins neue Schuljahr? Warum es so wenige Luftfilter in Klassenzimmern gibt

Lernen in der Corona-Pandemie Initiative fordert Verlängerung der Gesamtschulzeit um ein Jahr

NRW-Familienminister Stamp zu Covid-Verläufen "Risiken für Kinder durch Beschränkungen höher als durch Corona"

Viele Menschen sind inzwischen zweifach geimpft, also geschützt vor einem schweren Verlauf von Covid-19, gerade die Altersgruppen, von denen ein großer Teil ins Krankenhaus muss, wenn er sich infiziert hatte. Eine Überlastung des Gesundheitssystems droht wohl erst bei sehr viel höheren Inzidenzen als 50 oder 70. Dieses Bild vermitteln Politiker derzeit, wenn sie betonen, wie unwichtig die Inzidenz mittlerweile sei.

Und vergessen dabei - wieder einmal - die Kinder. Und deren Eltern. Also gerade die, die in den vergangenen anderthalb Jahren wohl am meisten gelitten haben unter den Maßnahmen, die notwendig waren, um unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Aber jetzt, wo es um die Gesundheit der Kinder geht - da werden die Zügel locker gelassen.

Joachim Stamp vor einer blauen Wand (IMAGO / Jens Schicke) (IMAGO / Jens Schicke)NRW-Familienminister: "Risiken für Kinder durch Beschränkungen höher als durch Corona"
Übergewicht, Angstpsychosen, Entwicklungsstörungen: Für Kinder gebe es massive Risiken durch die Corona-Einschränkungen, sagte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP). 

Keiner will sich mehr einschränken

Vor elf Tagen erst haben die Experten der Ständigen Impfkommission empfohlen, dass Kinder ab zwölf Jahren sich impfen lassen. Selbst wer direkt an diesem Tag die erste Spritze bekam, wird frühestens Ende September vollständigen Impfschutz besitzen. Aber so lange will keiner sich mehr einschränken. Alle reden nur noch davon, dass kaum jemand schwere Verläufe und voll belegten Intensivstationen befürchten muss - niemand redet davon, dass Kinder auch schwer erkranken können nach einer Corona-Infektion. Selten, aber: es kommt vor.

Und noch etwas wird akzeptiert: dass jetzt viele Kinder in Quarantäne oder Isolation müssen und somit erneut tage- und wochenlang nicht in die Kita oder Schule können, isoliert von Freunden zu Hause hocken. Kein Wunder: Kinder unter 16 sind in der Regel ungeimpft, daher finden viele Infektionen in ihrer Altersgruppe statt.

Eine Frau sitzt mit geschlossenen Augen auf dem Sofa vor ihrem Laptop und hat ihre Hand auf die Stirn gelegt. Symbolbild. (imago / photothek / Thomas Trutschel) (imago / photothek / Thomas Trutschel)"Long Covid" - Was wir über Langzeitfolgen von Covid-19 wissen
Viele Menschen, die mit Corona infiziert waren, leiden auch Monate später an Symptomen wie schneller Erschöpfung und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Wie stark sind Kinder und Jugendliche nun doch betroffen? 

Kaum Druck auf ungeimpfte Erwachsene

Dazu kommt: Keine Altersgruppe wird derzeit so regelmäßig und häufig getestet, wie die Kinder. Erwachsene Ungeimpfte können einfach auf den Test verzichten - dann gehen sie halt nicht ins Kino oder Fitnessstudio. Einkaufen, Bahnfahren, Busfahren - das geht bisher auch ungeimpft und ungetestet.

Aber kaum einer traut sich, mehr Druck auf ungeimpfte Erwachsene auszuüben, regelmäßige Tests zu verlangen. Lieber akzeptiert man, dass die Inzidenzen steigen und steigen - und damit die Infektionsgefahr für Kinder wächst. Dabei sollten Politiker auf bewährte Maßnahmen und Einschränkungen für Erwachsene setzen und dafür sorgen, dass die Inzidenz in Deutschland niedrig bleibt - um jetzt die Kinder zu schützen, die endlich ein normales Leben mit Freunden und Bildung brauchen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk