Die Nachrichten
Die Nachrichten

Corona-PandemieImpfungen jetzt auch in Arztpraxen

Eine Hausärztin verabreicht einem 49-jährigen Patienten die erste Impfung gegen Covid-19.  (dpa/ Nicolas Armer)
Coronavirus - Impfung beim Hausarzt (dpa/ Nicolas Armer)

Ende Dezember 2020 sind in Deutschland die ersten Personen erstmals gegen das Coronavirus geimpft worden. Der Impf-Fortschritt lässt Kritikern zufolge allerdings zu wünschen übrig. Nach Ostern wurden nun auch Hausarztpraxen mit einbezogen. Wer kann wann und wo womit geimpft werden? Ein Überblick.

Rund 35.000 Hausarztpraxen in Deutschland hatten Interesse angemeldet, in die Impfkampagne mit einzusteigen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn haben sie für die Woche nach Ostern insgesamt 1,4 Millionen Corona-Impfdosen bestellt - geliefert werden könnten demnach vorerst nur 940.000 Dosen. Rechnerisch bekommt jede Praxis damit in dieser Woche nur gut 26 Dosen. In der Folgewoche noch einmal so viele, und bis Ende April soll es dann die dreifache Menge sein.

Welcher Impfstoff landet in den Praxen?

Grundsätzlich hat sich Spahn dafür ausgesprochen, vor allem den Impfstoff von Astrazeneca zu verabreichen. Denn dieser ist - ähnlich wie der künftig auch in Deutschland verfügbare Impfstoff von Johnson&Johnson - für die Arztpraxen pragmatischer einsetzbar, weil er nicht bei extremen Minusgraden aufbewahrt werden muss. Mögliche Nebenwirkungen haben den Impfstoff von Astrazeneca in den vergangenen Wochen jedoch in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen. Spahn bemüht sich mit Aufrufen darum, sich ausdrücklich mit diesem Impfstoff schützen zu lassen: Es gebe noch Millionen ungeimpfte Menschen über 60. Er sei überzeugt davon, dass viele von ihnen sich mit Astrazeneca impfen lassen würden.

Die Hausarztpraxen erhalten seinen Worten nach in den ersten zwei Wochen ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer, da diese Hersteller in diesen Wochen die größten Liefermengen bieten. Danach komme noch Astrazeneca hinzu und später Johnson&Johnson. Der Impfstoff von Moderna soll zunächst noch weiter in den Impfzentren verabreicht werden, weil unklar ist, ob das Vakzin stabil bleibt, wenn es zu häufig von Ort zu Ort transportiert wird. Ende April nehme die Impfkampagne an Fahrt auf und es werde möglich sein, den Arztpraxen wöchentlich mehr als drei Millionen Impfdosen zur Verfügung zu stellen, versicherte Spahn. Alle angebotenen Impfdosen sollten umgehend verimpft werden.

Auch das Vakzin von Biontech/Pfizer ist nach dem Auftauen nur eine begrenzte Zeit haltbar und muss verhältnismäßig schnell verimpft werden. Doch bei der zu erwartenden Impfstoffmenge kann jede mit einbezogene Hausarztpraxis in den nächsten beiden Wochen jeweils rund sechs Impfungen pro Tag durchführen - das ist auch bei der begrenzten Haltbarkeit nach dem Auftauen eines sogenannten mRNA-Impfstoffs wie dem von Bontech/Pfizer darstellbar.

Wie läuft die Verteilung der Impfdosen ab?

Wo mittelfristig welche Mengen der jeweiligen Impfstoffe landen, ist derzeit nicht klar zu beziffern. Der CDU-Politiker und zuständige Ressortleiter Spahn versichert, dass bei der Lieferung von Impfstoff an die 35.000 Hausarztpraxen darauf geachtet werde, dass die Bundesländer gleichmäßig und anteilig ihrer Bevölkerungsstärke bedacht werden. Das betont auch der Vize-Vorsitzende des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels, Freitag. Hamburg oder Bremen beispielsweise würden nicht überproportional viele Impfdosen erhalten.

Der Hausärzteverband kritisierte die in den ersten Wochen geringe Menge der Impfdosen für die Hausarztpraxen. Darüber sei man nicht ganz glücklich, sagte Verbandschef Weigeldt im RBB-Hörfunk. Zunächst erhielten Praxen im Schnitt 26 Dosen pro Woche, obwohl 60, 70 oder auch 100 Patienten wöchentlich geimpft werden könnten. Dagegen sieht der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Henke, einen Vorteil darin, dass die Praxen vorerst lediglich eine geringere Menge Präparate erhalten. So könne man die Prozesse vor Ort einüben und sei vorbereitet, wenn die Impfmengen wüchsen, sagte er im Deutschlandfunk. Im Übrigen bedeute die Einbeziehung der Hausärzte einen großen Fortschritt.

Wer kann sich beim Hausarzt oder bei der Hausärztin impfen lassen?

Eine weitere Herausforderung ist die Antwort auf die Frage, wer sich in den Praxen impfen lassen kann. Das handhaben die Bundesländer sehr unterschiedlich: Sachsen zum Beispiel hat sich von der sogenannten Impfpriorisierung ganz verabschiedet und gibt keine verbindliche Reihenfolge nach Altersklassen, Gesundheitsgefährdung und Berufsgruppen mehr aus. In manchen Ländern werden einige Berufsgruppen bei der Impfreihenfolge bevorzugt (Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen etwa), in anderen nicht. Die jeweiligen Landesgesundheitsämter halten Informationen über das bei ihnen angewandte Prozedere vor. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Weigelt, kündigte im Deutschlandfunk an, die Hausärzte würden sich an die Vorschriften halten, aber "pragmatisch".

Spahn forderte die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, wegen des Impfstarts in den Arztpraxen nicht auf Termine in den Impfzentren zu verzichten. Wer einen Termin habe, solle diesen "idealerweise" wahrnehmen.

Jetzt die Hausärzte - und wie geht es weiter?

Der Bundesgesundheitsminister stuft die Einbeziehung der Hausarztpraxen als ersten Schritt ein. Es werde nun zwar mit den niedergelassenen Hausärzten im vertragsärztlichen System begonnen, aber danach sollen auch Fach- und Privatärzte hinzugezogen werden. Später sollen auch Betriebsärzte impfen. Mit der Einbeziehung der Arztpraxen werde die Impfkampagne entscheidend an Fahrt aufnehmen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen. Er spricht von einem "Riesenpotenzial". Zehntausende Mediziner impften in Deutschland regelmäßig Patienten. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es "trotz geringer Menge einen guten und professionellen Start" geben werde.

Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" denkt die Bundesregierung auch darüber nach, Tierärzte und Zahnarztpraxen in die Impfkampagne einzubinden. Dies werde regelmäßig geprüft.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Brysch, appellierte an die Hausärzte, ihre Aufklärungspflicht bei der Impfung ernst zu nehmen. Umfassende Information und Beratung seien Voraussetzungen, damit jeder Impfwillige sein Risiko einschätzen könne. In den Impfzentren gebe es dafür ein obligatorisches Verfahren, in dem die Krankengeschichte, mögliche Impfreaktionen und Risikofaktoren in den Blick genommen würden. Dieses Vorgehen müsse auch für die niedergelassenen Ärzte gelten.

(Stand: 06.04.2021)

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

+ Covid-19: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland (Stand 09.04.)

Test und Schutz

+ Neue Empfehlung: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Astrazeneca-Entscheidung (Stand: 08.04.)
+ Impfungen: Nun auch in Arztpraxen (Stand: 06.04.)
+ Impfstoffe: Wann auch Kinder geimpft werden könnten (Stand 26.03.)
+ Impfungen: Was über die Nebenwirkungen der Impfstoffe bekannt ist (Stand 08.04.)
+ Erkrankte: Neue Erkenntnisse bei der Suche nach Medikamenten (Stand: 08.03.)

Ansteckung und Übertragung

+ Übertragung: Welche Rolle Aerosole spielen (Stand: 22.01.)
+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich? (Stand: 02.04.)
+ Reisewarnung: Die aktuelle Liste der Risikogebiete (Stand 06.04.)

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.